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Friedberg

18.12.2020

Corona-Infektion: Eichmann führt die Stadtverwaltung aus dem Homeoffice

Bürgermeister Roland Eichmann, der sich mit Corona infiziert hat, leitet die Amtsgeschäfte gerade nicht aus seinem Büro im Rathaus, wo dieses Foto im Sommer entstand, sondern aus seiner Wohnung.
Bild: Ute Krogull (Archivbild)

Plus Der Friedberger Bürgermeister Roland Eichmann hat sich mit Corona angesteckt. Wie er damit umgeht und wie es die nächsten Tage mit der Stadtverwaltung weitergeht.

Roland Eichmann war seit Ausbruch der Pandemie sehr vorsichtig, trug Mund-Nasen-Schutz, hielt Distanz, reduzierte seine Kontakte, soweit das für den Bürgermeister einer 30.000-Einwohner-Stadt möglich ist. Bei einem Treffen im privaten Bereich am Sonntag ließ er diese Vorsicht beiseite - und vermutet, dass er sich dabei mit Covid-19 infizierte. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, die bislang nicht positiv getestet ist, befindet er sich nun in Quarantäne in seiner Wohnung und führt die Amtsgeschäfte von dort aus - auch das Gespräch mit unserer Redaktion.

Am Dienstag hatte Eichmann ein leichtes Brennen im Hals gespürt, ganz unvorbereitet habe es ihn daher nicht getroffen, als er einen Anruf erhielt, bei dem ihn jemand informierte, er könne sich bei ihm angesteckt haben, sagte er am Freitag. Der 48-Jährige blieb bis halb zwei Uhr nachts in seinem Büro, um möglichst viel abzuarbeiten. Am nächsten Tag begab er sich in Selbstquarantäne. Die Auswertung eines Tests beim Gesundheitsamt Aichach-Friedberg vom Mittwoch steht noch aus, das Ergebnis eines Schnelltests über ein Augsburger Labor vom Donnerstag ist jedoch positiv und der Bürgermeister geht davon aus, dass das erste Ergebnis bestätigt werden wird.

Hat Bürgermeister Eichmann sich am Sonntag mit Corona infiziert?

Am Sonntag hatte Eichmann noch als einer der ersten Gäste dem Wirt Ilir Seferi zur Wiedereröffnung des Gasthauses Zieglerbräu gratuliert, im Anschluss habe das Treffen im privaten Bereich stattgefunden. Anfang der Woche hatte Eichmann Kontakt zu Mitarbeitern der Stadtverwaltung, Bürgern und Politikern. So nahm er an Sitzungen des Trinkwasserzweckverbandes Adelburggruppe und des Verwaltungsrates der Stadtsparkasse Augsburg teil.

Von seinem Sekretariat und noch vor der Absprache mit dem Gesundheitsamt Aichach-Friedberg ließ er umgehend alle Kontaktpersonen informieren, sofort über den Verdacht und später über den positiven Test. Diese haben teilweise schon Schnelltests absolviert, Freitagmittag war noch kein Fall von Ansteckung bekannt.

Friedbergs Bürgermeister Roland Eichmann meldet sich im Video-Chat aus seiner Quarantäne.
Video: a.tv

Direkt neben Eichmann saß vor Bekanntwerden dessen Erkrankung bei einer Sitzung Rieds Bürgermeister Erwin Gerstlacher. Deswegen ließ sich dieser Mittwochabend bei der Bauausschuss-Sitzung der Gemeinde vertreten, am Freitagvormittag hatte er seinen Termin für den Corona-Test. Er fühle sich bisher komplett gesund und müsse nun einfach abwarten, was das Testergebnis bringt. „Natürlich passt jeder auf, aber die Einschläge kommen näher und es passiert einfach, dass man mit einem Betroffenen in Kontakt kommt“, sagte er.

Es ist ein Beruf mit hohem Risiko in diesen Tagen: Roland Eichmann ist nicht der erste der 24 Bürgermeister im Landkreis, der mit Corona infiziert ist. Josef Wecker (Schmiechen) konnte die Quarantäne bereits wieder verlassen, offenbar gab es außerdem einen dritten Fall.

Der Friedberger Bürgermeister spürte bis Freitag außer Schnupfen und Husten keine Symptome - und hoffte, dass es so bleibt. Er arbeitete über einen mobilen Zugang, führte Besprechungen per Telefon und Videokonferenz und die Hausbotinnen brachten ihm Mappen mit Akten, die zu bearbeiten bzw. zu unterschreiben sind, bis vor die Wohnungstür. Der Bürgermeister wohnt nahe beim Rathaus - "sonst ließe sich das nicht so unkompliziert organisieren", sagte er.

Mit seiner Erkrankung versuche er rational umzugehen. "Der Verlauf ist in meinem Alter meistens harmlos", so der 48-Jährige. Allerdings bleibe stets eine Ungewissheit, auch was Folgeschäden anbelangt. Ihm war wichtig, dass die wichtigen Angelegenheiten der Verwaltung weiterlaufen. In einer Mail an die Mitarbeiter bedankte er sich am Freitag dafür, dass diese das schwierige Jahr 2020 so gut gemeistert hätten und trotz vieler Herausforderungen - neben der Pandemie unter anderem auch die Kommunalwahl, Umstrukturierungen und neue Systeme - durchgehend für die Bürger dagewesen seien.

Stadtverwaltung Friedberg schließt am 21. Dezember 2020

Abgesehen von ihm selber hatte es in jüngster Zeit noch einige weitere Covid-Fälle bei städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegeben. Daher wird die Stadtverwaltung vom Montag, 21. Dezember, bis zunächst 30. Dezember geschlossen. Eichmann: „Die Zahl der Infizierten bei uns im Haus steigt spürbar. Deshalb hat sich die Stadt zu diesem verantwortungsvollen Schritt gegenüber unserer Belegschaft und der Bürgerinnen und Bürger entschieden.“ Er richte sich damit nach den Empfehlungen der Bundeskanzlerin und des Ministerpräsidenten.

  • Die Verwaltung ist für Notfälle, zum Beispiel für die Beurkundung von Sterbefällen und Geburten, und sonstige unaufschiebbare Angelegenheiten über einen Jourdienst erreichbar.
  • Die Kontaktaufnahme ist über Telefon 0821/ 6002-431 (Standesamt) bzw. -777 (Bürgerbüro) möglich.

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