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Friedberg

25.03.2020

Corona: Wird Friedberg nun zur Geisterstadt?

Gähnende Leere in der Ludwigstraße. Außer Apotheken und Bäckern haben die meisten Geschäfte geschlossen.
Bild: Anja Dondl

Plus Menschenleere Straßen, geschlossene Geschäfte und Schilder mit dem Hinweis „Abstand halten“ kennzeichnen momentan das Bild des öffentlichen Lebens.

Abstand halten. Diese Aufforderung fällt momentan überall ins Auge. Sei es in der Apotheke, beim Bäcker oder in den wenigen Restaurants, die ihre Speisen nur noch „to go“ verkaufen dürfen. Seit den strengen Ausgangsbeschränkungen, die seit der Nacht auf Samstag gelten, ist auch Friedberg eine andere Stadt geworden.

Die Ludwigstraße ist fast ausgestorben. Außer vereinzelten Bauarbeiten ist es sehr ruhig in der Friedberger Innenstadt. Menschen begegnet man nur vereinzelt. Und wenn, dann halten sie Abstand. Fragt man die Friedberger, wohin sie unterwegs sind, hört man überall dasselbe: Zum Einkaufen, zum Arzt oder in die Apotheke und dann wieder nach Hause. Die Menschen scheinen sich an die neuen Beschränkungen zu halten und ihre Wohnungen nur noch aus triftigen Gründen zu verlassen.

Corona in Friedberg: Homeoffice hat auch Nachteile

Auch Gabriele Habura kommt gerade vom Arzt und ist nun auf dem Weg zur Apotheke. Am nächsten Tag müsse sie auch wieder in die Arbeit, erzählt sie. Habura arbeitet in einer Steuerkanzlei und kann dementsprechend eher schwierig von zu Hause aus arbeiten. „Man braucht ja die ganzen Akten“, erklärt sie. Außerdem habe das Homeoffice auch einige Nachteile. Ihre Tochter berichte seither vermehrt über Rückenschmerzen. Die eigenen vier Wände seien oft nicht unbedingt auf einen Achtstundentag ausgerichtet, warnt Habura.

Im Landkreis Aichach-Friedberg wurden bereits zahlreiche Veranstaltungen aufgrund des Coronavirus abgesagt.
Bild: Symbolfoto: Bernhard Weizenegger

Auch für die Mitarbeiterinnen der Ludwigs-Apotheke bietet sich das Homeoffice nicht an. Zum Schutz der Mitarbeiterinnen habe die Apotheke an den Kassen nun Plexiglasscheiben aufgebaut, erzählt Inhaberin Eva Muther-Müller. Außerdem stehe den Kunden am Eingang ein Desinfektionsmittel zur Verfügung. Die Apotheke stelle sogar selbst Desinfektionsmittel her. „Natürlich nach den Standards der Weltgesundheitsorganisation“, betont Muther-Müller. Ebenfalls neben der Türe befindet sich ein Ständer mit Informationsmaterial zu Covid-19 sowie zur örtlichen Nachbarschaftshilfe. Im Gegensatz zu den zum Großteil geschlossenen Geschäften in der Ludwigstraße wird in der Apotheke fast ununterbrochen gearbeitet. Laut Muther-Müller waren die letzten zwei Wochen schon sehr stressig. Fast alle Kunden seien aber sehr nett und geduldig.

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Deutlich weniger Kunden als die Apotheken haben dagegen andere Geschäfte zu verzeichnen. Mehmet Bademci vom Imbiss Ala Turka berichtet, dass der Familienbetrieb in der Ludwigstraße seit Samstag einen deutlichen Kundenrückgang spüre. Weniger als die Hälfte der ursprünglichen Kundschaft seien es momentan. Die Stühle stehen auf den Tischen. Den Döner bekommt man hier nur noch zum Mitnehmen. „Die Situation ist sehr unsicher für uns“, meint Bademci.

Ins Café darf man sich in Friedberg nicht mehr setzen

Auch in der Bäckerei Schwab darf man sich nicht mehr in das Café setzen. Ähnlich wie in der Ludwigs-Apotheke befinden sich hier auf dem Tresen Plexiglasscheiben. Sie sollen die Mitarbeiter im Kontakt mit Kunden vor Ansteckungen schützen. Der Bezahlautomat in der Bäckerei ist in Zeiten wie diesen von Vorteil. Verkäufer vermeiden damit den Kontakt mit dem Bargeld der Kunden.


Bei Gerblinger setzt man zum Schutz der Mitarbeiter auf Schutzfolien vor den Kassen. Außerdem sollen die Kunden durch Markierungen dazu angehalten werden, den geforderten Mindestabstand einzuhalten. Der Schutz der Kunden, vor allem aber seiner Mitarbeiter ist dem Geschäftsführer Andreas Gerblinger sehr wichtig. „Sie stehen momentan unter einer Mehrfachbelastung.“ Gerblinger wünscht sich dementsprechend Verständnis von den Kunden für die getroffenen Maßnahmen. Dazu zähle auch das momentan eingeschränkte Sortiment.

In den Filialen könne man unter anderem noch Zeitschriften, Tabak und Feinkost erwerben, betont Gerblinger. Der Buchhandel werde online weiterhin betrieben. Auch eine einheitliche Regelung über die unterschiedlichen Landkreise hinaus würde sich der Unternehmer wünschen. Gerblingers Filialen befinden sich neben dem Landkreis Aichach-Friedberg auch im Landkreis Dillingen.

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