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Mering

18.03.2020

Coronavirus: Die Meringer Tafel schließt

Die Meringer Tafel und der Kleiderladen sind für die nächsten Wochen geschlossen.
Bild: Eva Weizenegger

Plus Die Vorsichtsmaßnahme ist eine große Herausforderung für das Team um Ingrid Engstle. Die Meringer Tafelkunden stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Noch läuft in der Meringer Tafel alles seinen gewohnten Gang. Die Mitarbeiter geben bereits Waren an die Fahrer des Bürgernetzes aus, die die Lebensmittel zu Menschen bringen, die selbst nicht im Tafelladen einkaufen können. „Los geht’s heute ab 11. 30 Uhr“, informiert Tafelmitarbeiter Paul Wiedemann. Um 15.30 Uhr schließt die soziale Einrichtung in der Zettlerstraße. Diesmal aber für längere Zeit und das stellt Mitarbeiter und Kunden vor eine große Herausforderung. „Wir machen zunächst zu bis nach den Osterferien“, sagt Leiterin Ingrid Engstle. Der Kleiderladen, der mittwochs geöffnet hat, ist bereits geschlossen.

„Ich weiß gar nicht, wie ich das alles bewältigen soll und wie ich über die nächsten Wochen komme“, sagt eine Frau, die im Wartebereich auf die Öffnung der Tafel wartet.


Paul Wiedemann informiert und berät, spricht mit den Kunden und hat für alle ein offenes Ohr. „Verhungern muss niemand“, sagt er. Denn die Grundsicherung des Sozialsystems greife. „Aber jetzt müssen unsere Kunden, die ohnehin schon sehr sparen müssen, sich noch mehr einschränken“, sagt er. Neben Menschen, die von sozialer Grundsicherung leben, beziehen auch Senioren mit geringer Rente Waren durch die Tafel. „Die Kunden geben uns einen symbolischen Betrag von zwei Euro, Kinder sind kostenfrei“, erklärt Wiedmann. Dafür erhalten sie vor allem frische Lebensmittel, wie Obst, Gemüse und Wurstwaren. „Das, was wir weitgehend von den Supermärkten als Spenden bekommen“, so Wiedemann weiter.

Die Leute in Mering helfen sich gegenseitig

Auch haltbare Lebensmittel wie Mehl, Nudeln oder Konserven werden ausgegeben. „Da wir jetzt für eine längere Zeit schließen, verteilen wir heute auch mehr Waren“, schildert Wiedemann. Damit dürften die Kunden einigermaßen über die Runden kommen. „Schwierig ist das nur für diejenigen, die mit dem Rad kommen und die größeren Einkäufe nicht gut transportieren können“, sagt Wiedemann. Aber hier gebe es Unterstützung und Fahrgemeinschaften. „Die Leute helfen sich gegenseitig.“

Bereits am Montag verständigten Engstle und ihr Team die Supermärkte, die Waren spenden, dass für die nächsten Wochen die Fahrer nicht zur Abholung kommen werden.

Peter Holthaus (links) holt vom Bürgernetz Waren für bedürftige Menschen ab. Paul Wiedemann, Anita Erhard, Jutta Hanel und Brigitte Puchner vom Tafelteam haben jetzt erstmal eine längere Pause.
Bild: Eva Weizenegger

Mit viel Engagement sind die 50 Ehrenamtlichen, die für die Tafel arbeiten, im Einsatz. „Und deshalb ist mir auch wichtig, dass wir unsere Mitarbeiter schützen“, sagt Ingrid Engstle. Der Großteil der Helfer ist über 60 Jahre alt und gehört zur Risikogruppe, die schwer erkranken könnte, wenn sie sich mit dem Coronavirus infizieren. Hinzukomme, dass im Wartebereich der Tafel oft bis zu 40 Menschen an der Warenausgabe anstehen. „Hier müssen wir vorsorgen“, sagt Wiedemann.


Etwa 80 Tafelkunden kommen wöchentlich, um Lebensmittel abzuholen und versorgen damit insgesamt 200 Menschen. Die Schließung sei vor allem deshalb notwendig, um Mitarbeiter und Kunden vor einer Infizierung mit dem Coronavirus zu schützen. „Seit 13 Jahren besteht diese Einrichtung und noch nie hatten wir so lange geschlossen“, blickt Ingrid Engstle zurück.

Anita Erhard ist im Tafelteam seit der ersten Stunde. Im November 2007 hatte sie dort ihren ersten Einsatz. Damals noch im ehemaligen Mesnerhaus der evangelischen Kirchengemeinde. Mittlerweile ist der Tafelladen im früheren Fabrikgebäude der Firma Leuchten Ludwig in der Zettlerstraße untergebracht. „Ich selbst habe keine Angst davor mich anzustecken“, sagt sie. Doch sie verstehe die Vorsichtsmaßnahmen und hoffe, dass bald „alles wieder seinen gewohnten Gang gehen kann“. Das Team gebe schon immer aus hygienischen Gründen die Lebensmittel nur mit Einmalhandschuhen aus. „Das ist so vom Gesundheitsamt vorgeschrieben“, erklärt sie. Auch Händewaschen und die sorgfältige Reinigung der Regale und Theke seien schon immer vom Team so vorgenommen worden.


Pünktlich um 15.30 Uhr wird die Tür im Tafelladen abgeschlossen. Alles wird geputzt, die Waren verräumt und die Regale sind weitgehend leer. Nur noch einige haltbare Lebensmittel sind übrig. „Und ich hoffe, dass wir nicht länger schließen müssen als bis nach den Osterferien“, sagt Ingrid Engstle. Über die weiteren Öffnungszeiten werde sie rechtzeitig die Öffentlichkeit informieren. Falls die Schließung noch längere Zeit andauern muss, überlegen Engstle und ihr Team, wie sie für Notfälle eine Versorgung sicherstellen können.


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