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Aichach-Friedberg

19.03.2020

Coronavirus bedroht Spargelernte im Wittelsbacher Land

Unter der wärmenden Folie ist der Spargel herangewachsen. Im Wittelsbacher Land könnte die Ernte beginnen, doch wer macht die Arbeit?
Bild: Alexander Heinle

Plus Wegen der Grenzschließungen müssten ausländische Mitarbeiter bei ihrer Rückkehr in Corona-Quarantäne. Bleibt der Spargel auf den Feldern?

Die Spargelernte beginnt – in diesem Jahr allerdings mit wesentlich weniger Erntehelfern als geplant. Die Corona-Krise hat auch hier zu Einschnitten geführt. Tschechien, Ungarn und Polen haben die Grenzen geschlossen. Ihre Staatsbürger könnten zwar nach Deutschland einreisen, müssten nach der Heimreise jedoch 14 Tage in Quarantäne verbringen.

Für die Spargelernte ist das ein Problem. Erntehelfer aus Polen oder Rumänien stellen vielerorts einen Großteil des Personals, so auch in Ainertshofen bei Inchenhofen. Auf dem Waglerhof hat die Ernte am Mittwoch begonnen und bis jetzt gibt es 13 Helfer. Normalerweise haben sie 40 Mitarbeiter, erzählt Paul Gamperl.

In Ainertshofen stechen die Kunden den Spargel selbst

„Wir werden nicht alles stechen können“, sagt er. Warten könne er allerdings auch nicht, die Grenzen sind immerhin bis zum 5. April geschlossen. Ein bisschen Hoffnung bleibt: Auf seinem Hof kann man von Anfang April bis Ende Juni den Spargel auch selbst stechen, gerne als Familienaktivität.

Noch schlechter sieht es in Affing aus. Paul Limmer braucht neun Erntehelfer – er habe bis jetzt niemanden gefunden. Losgehen solle es trotzdem in den nächsten zehn Tagen, sagt er. Er hat noch etwas Zeit, aber Limmer klingt trotzdem ratlos – er weiß nicht, wie es weitergeht.

Die Reiserouten sind wegen Corona versperrt

Die Familie Lunz von Lunz Erdbeeren & Spargel kommt aus Obergriesbach und verkauft ihre Produkte in Friedberg. Wolfgang Lunz hat zwar Kontakt zu seinen Erntehelfern, diese wissen aber noch nicht, ob sie kommen können. Das Problem: Rumänien hat die Grenzen zwar noch nicht geschlossen, aber die Reiserouten über Tschechien, Ungarn und Polen sind versperrt.

Lunz hofft, dass den Helfern eine Durchreise genehmigt wird. Ansonsten stehe er komplett ohne Mitarbeiter da. Dann sieht es schlecht für den Spargel aus. Er plant, in etwa drei bis vier Wochen mit der Ernte zu beginnen. „Wir machen, was geht“, sagt Lunz. Sieben bis acht Mitarbeiter bräuchte er normalweise, seine Familie könne die Ernte nicht alleine stemmen.

Losingers Hofschänke in Wulfertshausen musste schließen

Manfred Losinger aus Wulfertshausen ist gleich doppelt von den Einschränkungen durch die Corona-Krise betroffen. Er baut Spargel an, der dann in Losingers Hofschänke auch gleich zubereitet wird. Die Gastronomie musste er bereits schließen. Für die Spargelernte sei momentan „alles noch offen“. Er habe für gewöhnlich sieben Erntehelfer, die ihm bis jetzt auch noch nicht abgesagt hätten.

Sie stünden in Kontakt, aber auch seine Helfer wissen nicht, ob sie kommen. Losinger sagt, er müsse „auf Sicht“ fahren. Es wäre sicherlich ein Verlust, wenn seine Helfer absagen würden, aber gesund bleiben sei für ihn wichtiger. „Wir müssen da jetzt durch“, sagt er, und meint sowohl die Spargelernte als auch die Corona-Krise insgesamt.

Spargelhof Lohner in Inchenhofen fürchtet enorme Probleme

In Inchenhofen auf dem Spargelhof Lohner ist man noch positiv gestimmt, aber auch hier zeichnen sich enorme Probleme ab. Das Unternehmen hat jetzt 60 Erntehelfer, sie bräuchten etwa 700. Momentan kommen die vorwiegend rumänischen Helfer nicht über den Landweg nach Deutschland, aber „bis nach Ostern kann es anders aussehen“, sagt Josef Lohner, einer der Geschäftsführer. Er hat noch etwas Zeit.

Die Ernte beginnt bei ihm kommende Woche, mit dem bis dahin verfügbaren Personal. Lohner hofft auf Nachzügler nach Ostern, und dass das Unternehmen „mit einem blauen Auge davonkommen“ wird.

Auch bei Mahls Obsthof in Adelzhausen sieht es schlecht aus. Momentan sind noch 15 Helfer da, aber die wenigsten bleiben bis zur Spargelernte im April. Außerdem bräuchte der Obsthof etwa 150 Helfer allein für Spargel. Sie stünden in Kontakt mit Arbeitern aus Rumänien, sagt Oksana Bauer. Noch sei unklar, ob jemand anreist – die Angst, bei der Rückkehr in Quarantäne zu müssen, hält viele Rumänen zurück.

Mahls Obsthof in Adelzhausen sucht dringend Ersatz

Anfang April soll die Ernte beginnen, es bleibe also noch etwas Zeit. Wenn jedoch kein weiteres Personal gefunden wird, dann hilft es auch nichts, „wenn das Wetter mitspielt und die Ernte gut ist“, so Bauer. Der Obsthof sucht dringend nach Ersatz, genau wie alle anderen.

Viele der Spargelbauern bauen auch Erdbeeren an. Für die Erdbeerernte bleibt jedoch noch etwas Zeit – es geht erst im Mai los. Auch hier wird es schwierig, wenn es keine Erntehelfer gibt. Erdbeeren können jedoch von Kunden selbst gepflückt werden, und so hoffen die Bauern, dass zumindest die Erdbeeren nicht auf dem Feld bleiben.

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