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Mering

29.01.2019

Damit am Konzertflügel auch gespielt wird

Margit Henschel will in Mering einen Musik- und Konzertverein gründen.
Bild: Peter Stöbich

Pianistin Margit Henschel gründet einen Musikverein. Denn das schwer erkämpfte Profi-Instrument am Meringer Gymnasium erklingt aus Kostengründen nur selten.

50000 Euro hat der Konzertflügel für das Meringer Gymnasium gekostet, doch seit Jahren steht das teure Instrument die meiste Zeit ungenutzt herum. Das will Margit Henschel, selbst Pianistin und Musikpädagogin, jetzt ändern und gemeinsam mit Gleichgesinnten einen Konzert- und Musikverein ins Leben rufen. Die Gründungsversammlung wird am Freitag, 22. Februar, im Gymnasium stattfinden. Alle, die mitmachen wollen, treffen sich um 19 Uhr in der Aula.

Die Anschaffung des ursprünglich 130000 Euro teuren Yamaha-Flügels war für die Meringer fast ein Schnäppchen, denn sie bekamen das aus Paris angelieferte Ausstellungsstück für „nur“ 50000 Euro. Finanziert wurde der Kauf damals vom Landkreis Aichach-Friedberg, der Stadtsparkasse Augsburg, dem Markt Mering sowie durch Spenden und mehrere Benefizkonzerte. Henschel hatte sich sehr für den Kauf des hochklassigen Instruments eingesetzt und darauf vor zwei Jahren auch einen Konzertabend im Gymnasium gegeben. Nicht bewusst war ihr allerdings, dass jede Nutzung außerhalb von schulischen Veranstaltungen eine Menge Geld kostet. „Die Miete für Aula und Flügel, Werbung, Bestuhlung, Hausmeister und Reinigung, das alles summiert sich am Abend gut und gern auf mehr als tausend Euro“, sagt sie, „dazu kommen natürlich noch die Künstlergagen.“

Israel-Konzert in Mering als Schulkonzert deklariert

Ausnahmsweise konnte ein Israel-Konzert vergangenen Sommer als Schulkonzert deklariert werden, sodass sämtliche Nebenkosten entfielen. „Aber das Gymnasium ist natürlich kein Konzertveranstalter“, sagt Henschel. Dass den erforderlichen finanziellen Aufwand auf Dauer nur ein Verein stemmen könne, war ihr schnell klar. In Landrat Klaus Metzger, dessen Tochter Verena ebenfalls Pianistin ist, und Lothar von Gernet, dem Kulturbeauftragten der Marktgemeinde, fand sie Unterstützer für ihr Vorhaben und reichte für einen gemeinnützigen Verein beim Finanzamt den Satzungsentwurf ein. Er wurde Anfang des Jahres genehmigt, sodass im Februar die offizielle Gründung mit Wahlen des Vorstands stattfinden kann.

In den vergangenen Wochen hat Henschel ihre Kontakte genutzt und nach eigenen Angaben bereits zahlreiche positive Rückmeldungen bekommen. Deshalb ist sie zuversichtlich, dass sich genügend kulturaffine Mitglieder sowie Sponsoren finden lassen, um ein ausreichendes Startkapital in der Vereinskasse zu haben.

Mit einem Jahresbeitrag von 25 Euro – die tatsächliche Höhe wird erst noch festgelegt – ließen sich in der Aula etwa vier Konzerte pro Jahr finanzieren, hofft Henschel. „In die Auswahl der Künstler könnten auch die Musikhochschulen Augsburg und München einbezogen werden“, sagt sie, „eine eigene Homepage und eine Facebook-Seite haben wir in Vorbereitung.“

Auch das Orchester der Musikfreunde Mering soll in Kooperation mit dem Verein eine gesicherte Aufführungsgrundlage erhalten. „Bei entsprechender Finanzlage sind vielleicht sogar Auftritte überregional bekannter Pianisten aus dem In- und Ausland möglich.“ Außerdem seien auch Veranstaltungen ohne Nutzung des Konzertflügels denkbar. Bürgermeister Hans-Dieter Kandler sei bereit, in dem ein oder anderen Fall die Schirmherrschaft zu übernehmen.

Margit Henschel ist Dozentin für Musikpädagogik an der Uni

Margit Henschel ist an der Augsburger Uni Dozentin für Musikpädagogik. Sie wuchs in der ehemaligen DDR mit klassischer Musik auf, denn ihr Vater war Konzertpianist. Weil sie als evangelische Christin nicht studieren durfte, lernte sie in Leipzig zunächst Erzieherin, arbeitete am Theater und sang im Opernchor. 1992 erreichte sie schließlich doch ihr großes Ziel und bestand ihre Eignungsprüfung als Pianistin, „nachdem ich wie eine Verrückte Klavier geübt hatte“.

Später nahm sie in München Unterricht bei Gerhard Oppitz und zog 2002 mit ihrem Mann nach Mering. Die nächste Musiker-Generation ist schon am Start: Die drei Kinder des Paares – Ludwig, acht Jahre alt, Thadeus, zwölf Jahre alt und Johanna, 15 Jahre alt – werden am Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ teilnehmen, der am Samstag, 2. Februar, im Zeughaus in Augsburg stattfindet. Das seit 1994 bestehende Henschel-Streichquartett ist weltweit unterwegs mit einem Repertoire von mehr als 200 Werken aus Klassik und Romantik, aus dem 20. Jahrhundert und der zeitgenössischen Musik; die Musiker erhielten für ihre Arbeit und CD-Aufnahmen zahlreiche Auszeichnungen und Preise.

Lesen Sie dazu auch diesen Artikel: Ein Flügel gibt sich die Ehre

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