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25.06.2010

Damit das Schmuttertal ein Naturparadies bleibt

Landkreis/Gessertshausen "Eines der wertvollsten Überschwemmungstäler in Bayern mit höchst artenreichen Wiesen" liegt nicht irgendwo im Freistaat, sondern direkt im Herzen des Augsburger Landes. Es geht um das Schmuttertal zwischen Fischach und Täfertingen/ Neusäß. Diplombiologin Claudia Eglseer geriet ins Schwärmen, als sie im Umweltausschuss des Landkreises das Biodiversitätsprojekt Schmuttertal vorstellte.

Überschwängliche Töne sind auch kein Wunder, wenn die Expertin von Hellen und Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulingen erzählt. Wer das Schmuttertal von Spaziergängen kennt, weiß, was dort alles zu entdecken ist. Die Schönheiten kommen auch in dem Vortrag von Eglseer zum Ausdruck, wenn blühende Pfeifengraswiesen, Laubfrosch und Wiesenpieper, Grüne Keiljungfer und Prachtnelke das "größte Biodiversitätsprojekt in Schwaben" (Sigrid Hausotter von der Landkreisverwaltung) lebendig werden lassen.

Die Ziele des Projekts im Stenogramm: Erhalt einer offenen, strukturreichen Wiesenaue mit attraktivem Landschaftsbild, Sicherung und Entwicklung blütenreicher Feucht-, Nass- und Streuweisen, Sicherung und Entwicklung arten- und blütenreicher Wiesen, Erhalt und Optimierung als Lebensraum für Wiesenbrüterarten, Erhalt und Optimierung der größeren und kleinen Wiesengräben, Erhalt und Arrondierung der Lebensräume der Wiesenknopf-Ameisenbläulinge.

Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling hat nur noch eine winzig kleine Fläche zum Leben (Schwerpunkt bei Wollishausen). Das reicht nicht: Er braucht "Trittsteine", um von einem zum anderen Gebiet zu kommen, zumal er kein Langstreckenflieger ist. Pufferstreifen entlang der Gräben sollen die beiden Kerngebiete verbinden.

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Drei laufende Verfahren zur Neuordnung der Fluren im Bereich Fischach/Gessertshausen bieten jetzt die Möglichkeit, wertvolle Kernbereiche zu sichern, so die Diplombiologin. Diese zu nutzen wird nicht in jeder Gemeinde einfach sein. Denn die Flächen kaufen sollen die Gemeinden - Gessertshausen allein 15 Hektar. Das könnte die Kommune überfordern, weshalb im Umweltausschuss auch darüber debattiert wurde, ob nicht der Landkreis als Käufer einspringen könnte, was er aber bislang noch nie tat.

Beim Projekt ist auch Neusäß mit im Boot. Bürgermeister Hansjörg Durz betont, die Nutzung sei intensiviert worden, weil auch Anbau für Biomasse stattfinde. "Da kommen sich zwei gut gemeinte Projekte in die Quere." Deshalb müsse man eingreifen. Die Bedeutung des Projektes erkenne man daran, dass aus dem bayerischen Naturschutzfonds eine halbe Million Euro zur Verfügung gestellt werde. Beifall fand das Vorhaben bei CSU-Kreisrat Rudolf Lautenbacher aus Schwabmünchen, selbst Landwirt: "Damit kann das Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Naturschutz gelöst werden." Dinkelscherbens Bürgermeister, SPD-Kreisrat Peter Baumeister, sieht das größte Problem darin, die Flächen erwerben zu können.

Nach dem Kauf werden die Wiesen je nach Notwendigkeit aufgewertet (optimiert) und an Landwirte zur Bewirtschaftung übergeben, natürlich unter bestimmten Vorgaben. Die Zweckbindung (Verwendung nur für Naturschutzzwecke, Einhaltung von Auflagen des Förderbescheids) ist auf 25 Jahre festgeschrieben. Eglseer rechnet damit, dass es rund 30 Prozent der Pflegeflächen sein werden, "mit denen Landwirte betriebswirtschaftlich gesehen was anfangen können".

Eines Tages könnten auch Auerochsen im Schmuttertal weiden. Thierhauptens Bürgermeister und SPD-Kreisrat Franz Neher warf diese Variante mit Blick auf das eigene "Brunnenwiesen-Projekt in die Diskussion. Doch zuvor müssen erstmal Flächen erworben werden.

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