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Mering

18.10.2019

Das Heimatmuseum in Mering schließt seine Tore

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Seegras wurde vor allem im Winter verarbeitet. Damit verdienten sich ärmere Bauersfamilien etwas Geld dazu (links). Vielfältige Stilrichtungen kommen aus der Werkstatt der Töpferei Lipp.
Bild: Christian Gall

Nach dem endgültigen Aus für die Einrichtung in der ehemaligen Schlossmühle stehen die Mitglieder des Heimatvereins vor einer Mammutaufgabe.

Es geht über viele Stufen hoch ins Dachgeschoss der alten Schlossmühle. Hinter der unscheinbaren Tür verbirgt sich ein großer Schatz: Auf etwa 500 Quadratmetern kann der Besucher ein Reise durch die Geschichte Mering machen.

Zuerst fällt der Blick auf die Schulbank mit der Tafel. Dahinter Vitrinen mit Spielzeug aus der Jahrhundertwende. Die beiden Vorsitzenden des Meringer Heimatvereins Joachim Pagel und Anton Schlickenrieder geben einen letzten Blick ins Meringer Heimatmuseum. Diese Einrichtung ist für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Alle Hoffnungen, dass auch der alte Teile des ehemaligen Bürgerzentrums für den Heimatverein zu retten seien, sind nun zunichte gemacht worden. Die Brandschutzauflagen, machen es Christian Gumpp, dem neuen Eigentümer des Gebäudekomplexes, nicht mehr möglich, eine gemeinsame Nutzung von Wohnungsbau und Museumsbetrieb zu realisieren. Zum Jahresende will er aber das Dachgeschoss soweit abgesichert haben, dass im Januar 2020 die neuen Mieter in die Wohnungen einziehen können.

Merings Heimatverein steht vor einem gewaltigen Problem

Das stellt den Heimatverein vor ein großes Problem. „Wir können die vielen Exponate nicht einfach wie bei einem Umzug in Kartons verpacken und ein Etikett daraufkleben“, erklärt Pagel. Es sei aufwendig zu katalogisieren. „Wir haben hier Exponate von unschätzbaren geschichtlichem Wert“, so Pagel weiter. Man bemühe sich gerade um einen Experten, der die Mitglieder bei dieser Mammutaufgabe unterstützt. Auch fehle es dem Verein, der etwa 150 Mitglieder hat, an genügend Aktiven, die körperlich dazu in der Lage sind, die schweren Vitrinen und Gegenstände abzubauen.

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„Im alten Teil der Schlossmühle atmet das Gemäuer buchstäblich Geschichte“, so umschreiben es jedenfalls Anton Schlickenrieder und Joachim Pagel. Die Bauernstube aus dem 19. Jahrhundert ist originalgetreu aufgebaut. In den Vitrinen links und rechts davon sieht der Besucher das sogenannte Dachauer Gewand, das in Mering von den Männern mit schwarzer münzenbesetzter Jacke und Hut, von den Frauen mit schwarzem Kleid, mehreren Unterkleidern und kunstvoll verziertem Mieder zu Festtagen getragen wurde. Da Mering landwirtschaftlich und handwerklich geprägt war, dürfen natürlich Gerätschaften aus diesen Bereichen nicht fehlen. Auch die Ziegelei und die Töpferei Lipp nehmen einen Teil der Dauerausstellung ein. „Ich will gar nicht daran denken, wie wir beispielsweise den Getreideaufzug oder die große Lore abbauen sollen“, sagt Pagel. Schwierig werde auch der Bereich über die Jungsteinzeit sein.

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Ein letzter Blick in das Meringer Heimatmuseum
Bild: Christian Gall

Mehr als 4000 Arbeitsstunden haben die Mitglieder allein in den neueren Teil der Ausstellung investiert. „Dazu kommen noch die vielen anderen Stunden im Dachgeschoss, das 1997 eingerichtet wurde.“

Meringer Heimatmuseum: Suche nach Ausweichquartier dauert an

Momentan sei alles in der Schwebe, weil ein Ausweichquartier noch nicht gefunden sei. Es gebe mehrere Überlegungen. „Zumindest schaut es so aus, dass wir für unser Depot Platz finden“, meint Schlickenrieder. Auch gibt es die Idee, wenigstens den neueren Teil weiter für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Doch darüber können wir erst im nächsten Schritt nachdenken“, so Pagel. Er bedauert sehr, dass der Charme des alten Gebäudes nun verloren gehe.

Joachim Pagel (links) und Anton Schlickenrieder versuchen, zumindest den neuen Teil des Museums für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Bild: Christian Gall

Hoffnungen setzen Schlickenrieder und Pagel in das Angebot von Christian Gumpp, entweder den Zwischenbau oder zwei Stockwerke im ehemaligen Siloturm für das Heimatmuseum herzurichten. „Wobei wir hier von der Entscheidung des Marktgemeinderats abhängig sind und wieviel Geld die Kommune für das Heimatmuseum investieren will“, erklärt Schlickenrieder.

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