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Kultur

14.10.2017

Das Südufer kommt teurer als gedacht

2500 Leute kamen zum ersten Südufer-Festival Ende Juli am See. Die Besucherzahl gilt als ausbaufähig, um mehr Einnahmen zu generieren.
Bild: Elisa Glöckner

Die Stadt muss fast 130.000 Euro in ihr erstes Jugendfestival am See hineinbuttern. Trotzdem soll es 2018 eine Neuauflage geben. Allerdings unter veränderten Vorzeichen.

Die Stadt hat sich beim ersten Jugendfestival am See verkalkuliert. Das Defizit liegt letztlich höher als die anfangs veranschlagten Gesamtkosten. 88.000 Euro beträgt das Minus an Sachkosten bei einem Gesamtetat von 163.000 Euro. Hinzu kommen 40.000 Euro für Arbeiten des Bauhofs. Trotzdem stimmte der Kulturausschuss des Stadtrates einer Neuauflage im Juli 2018 zu. Doch soll das Minus kleiner werden.

Kulturamtsleiter Frank Büschel bezeichnete die Premiere als „absolut gelungen“. Er erläuterte, wie es zu der Kostensteigerung gekommen war. Die Gagen für die 25 Bands mit einer Gesamthöhe vom gut 20.000 Euro spielten da nicht die größte Rolle. Vielmehr seien unter anderem die Personalkosten von 28.000 auf 47.000 Euro gestiegen. Ein Grund: Kurz vor dem Fest war ein junger Mann im See ertrunken; das führte zu erhöhten Sicherheitsauflagen. Auch Kosten für Licht, Ton, Bauzäune und sonstige Ausstattung kletterten von 20.000 auf 53.000 Euro, weil man etwa Notstromaggregate oder Shuttlebusse in die Stadtteile erst später einkalkulierte.

Höhere Ticketpreise könnten Einnahmen erhöhen

Bürgermeister Roland Eichmann räumte ein: „Wir haben Lehrgeld gezahlt.“ Nächstes Jahr soll der Gesamtetat der Sachkosten auf 150.000 Euro heruntergedrückt werden, wovon die Hälfte durch Einnahmen gedeckt ist.

Diese zu steigern, geht über mehrere Wege; der eine sind höhere Eintrittspreise. Südufer gilt mit Tageskarten für zehn Euro als sehr billig. Außerdem kann versucht werden, die Besucherzahlen von 2500 zu erhöhen, etwa durch Werbung in Augsburg.

Auch mehr Standgebühren, etwa durch eine Ausweitung des Marktes, sind angedacht. Gleichzeitig fallen Einmalkosten, etwa für den Bau der kleinen Seebühne, die im Wasser stand, bei einer Neuauflage weg. Über die Shuttlebusse, die weniger als erwartet genutzt wurden, wird wohl noch einmal nachgedacht. Auch der Bauhof werde 2018 routinierter und damit günstiger vorgehen, so Eichmann. Diese Kosten würden von 40.000 auf unter 30.000 Euro sinken.

Festival findet auch im kommenden Jahr statt

Quer durch die Parteien sahen Stadträte das Minus als schwierig an. Vor allem, weil man es Vereinen vermitteln müsse, die für Veranstaltungen keine oder nur geringe Zuschüsse bekommen, wie unter anderem Richard Scharold und Peter Gürtler (CSU) anmerkten. Cornelia Böhm (FDP) sagte zu dem unerwartet hohen Defizit: „In der Privatwirtschaft wäre jeder Planer verteufelt worden.“ Es gab jedoch auch Befürworter wie Johannes Hatzold (FW) („man muss die Jugend am Ort halten“) oder Franz Reißner (SPD). Er warnte vor einem kaputtgesparten „Popelfest“, das dann keiner mehr besuchen wolle.

Letztlich stimmten alle Mitglieder des Kulturausschusses einer Neuauflage 2018 zu, bis auf Marion Brülls (Grüne). Sie argumentierte, man solle statt in eine zweitägige Party in ein Jugendzentrum investieren, das das ganze Jahr offen hat.

Verbesserungen nötig

Eichmann, der die Veranstaltung als Nachfolger des Mittendrin-Festivals in der Altstadt initiiert hatte, gab zu, es gebe Optimierungsbedarf. Wie eine solche Optimierung aussehen kann, stellte Patrick Jung dar. Er ist ehrenamtlicher Organisator des Singoldsand Festivals in Schwabmünchen und arbeitet inzwischen professionell für das Modular in Augsburg. Zum Vergleich: Singoldsand hat 8000 Besucher und in der Regel kein Defizit. Modular hat 30.000 Gäste und schreibt meist eine schwarze Null; der Stadtjugendring als Veranstalter bekommt von der Stadt Augsburg einen Zuschuss von 75.000 Euro.

Jung erläuterte, wie ein Festival sich entwickeln kann. So habe man in Schwabmünchen mit 20 Freiwilligen, Volunteers genannt, begonnen. Jetzt seien es 200 (in Friedberg 40). Bei Modular sei die Zahl der Ehrenamtlichen von zwölf auf 400 gestiegen. In Schwabmünchen bekommen Vereine die Möglichkeit, Stände zu betrieben. Sie verpflichten sich, den Gewinn in ihre Jugendarbeit zu investieren. Dadurch sei ein Pool an Multiplikatoren entstanden, die Menschen zum Festival ziehen, aber auch ein Netzwerk von Unterstützern bis hin zu den Firmen, bei denen die Volunteers arbeiten. Mit den Unternehmen werden ganze Sponsorenkonzepte entwickelt.

Modular wiederum hat 40 Partner, die zum Beispiel Workshops anbieten oder das Areal gestalten. Junge Leute, etwa von Schulen und Hochschulen, erarbeiten selber Konzepte für das Fest. Patrick Jungs Rat an Friedberg: „Auch Südufer sollte ein Festival werden, das von Jugendgruppen und dem Kulturamt gemeinsam auf die Beine gestellt wird.“

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