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Friedberg

24.01.2020

Das Ziel 2020 heißt: 800 Babys am Krankenhaus Friedberg

55 Kinder wurden in diesem Jahr in Friedberg geboren. Das Ziel sind maximal 800 Geburten – es soll auf der Station schließlich nicht ungemütlich werden.
Bild: Waltraud Grubitzsch/dpa (Archiv)

Plus Nach einem turbulenten Jahr blicken Geschäftsführung und Chefarzt der Friedberger Geburtshilfe zuversichtlich in die Zukunft. Wenn da nicht der Ärztemangel wäre ...

55 Kinder sind bis Donnerstagmittag am Friedberger Krankenhaus auf die Welt gekommen. Mit der Zahl zum Jahresbeginn sind Chefarzt Dr. Siegbert Mersdorf sowie die kommissarischen Geschäftsführer Georg Großhauser und Peter Schiele sehr zufrieden. 45 Geburten entfallen auf die Hauptabteilung, zehn auf Belegärzte.

Mit Blick auf 2020 sind das Ziel 800 Geburten. Von der früheren Messlatte 1000 Babys sind die Verantwortlichen wieder abgekommen – und das aus mehreren Gründen.

Im Dezember erhielten die Kliniken an der Paar die Förderzusage des Freistaates Bayern aus einem Zuschussprogramm, dass kleinere ländliche Geburtshilfestationen unterstützt, nämlich solche, in denen zwischen 300 und 800 Kinder im Jahr geboren werden. 715 000 Euro flossen an den Landkreis als Träger der Kliniken; das deckt über 80 Prozent des Defizits im Jahr 2018 ab. Ab dem 801. Kind würde dieses Geld, das den hoch defizitären Kliniken sehr willkommen ist, wieder wegfallen, erläutert Großhauser.

Das Ziel 2020 heißt: 800 Babys am Krankenhaus Friedberg

1000 Geburten würden die Station außerdem an ihre Kapazitätsgrenze bringen, erläutert Mersdorf, der im vergangenen Mai den Chefarztposten angetreten hatte. Der erfahrene Friedberger Gynäkologe weiß: „Die Frauen kommen zu uns wegen der familiären Atmosphäre auf der Station.“ Mit der wäre es dann vorbei.

Das Krankenhaus Friedberg sucht nach Ärzten

Auch personell wäre die hohe Zahl schwierig zu bewältigen. Momentan arbeiten in Friedberg neun Gynäkologen; das liegt immer noch ein wenig unter der für eine Hauptabteilung angepeilten Zahl. Hauptproblem sei der bundesweite Ärztemangel, wie Großhauser erläutert: „Der Markt ist nicht üppig.“ Noch dazu suchen in der Region mit der Uniklinik Augsburg und dem Josefinum auch andere, größere und damit für Ärzte attraktivere Krankenhäuser nach Personal.

Ziel sei es daher, dieses Jahr zumindest zwei oder drei Ärzte fest bei den Kliniken anzustellen; momentan sind alle Ärzte bis auf Mersdorf als Leiharbeiter tätig. In den nächsten tagen erscheinen wieder entsprechende Anzeigen im Ärzteblatt und unserer Zeitung. Auch einen neuen Chefarzt sucht man. Denn Mersdorf wollte im vergangenen Jahr eigentlich schon in Ruhestand gehen, als er in Friedberg in die Bresche sprang, um die Station in seiner Heimatstadt zu retten. Sein Vertrag läuft bis Mai kommenden Jahres.

Als die Kliniken an der Paar die Hauptabteilung in Friedberg aus der Taufe hoben, hatte die Planung ohnehin ganz anders ausgesehen. Der damalige Geschäftsführer Dr. Krzysztof Kazmierczak, von dem sich der Landkreis mittlerweile getrennt hat, hatte das Ziel, die Abteilung in die Hände der Universitätsklinik Augsburg zu übergeben. Im Frühling liefen hierüber Gespräche, eine Delegation aus Augsburg besuchte die Standorte Friedberg und Aichach. Das Thema scheint vorerst im Sand verlaufen zu sein. „Die Uniklinik ist mit sich selbst beschäftigt“, drückt es Großhauser aus. Auch dort sei das Personal knapp.

Der Landkreis hat sich deshalb darauf eingestellt, die Geburtshilfe in Friedberg selber zu stemmen - Personell und finanziell. Dies sei trotz des Defizits von 30 Millionen Euro, das den Kliniken an der Paar in den nächsten drei Jahren droht, das erklärte Ziel, beteuern Großhauser und Schiele, denn: „Wir brauchen eine Geburtshilfestation im Landkreis – die Frage ist, ob wir zwei brauchen.“

Für die Geburtenstation in Aichach sieht es nicht gut aus

300 Geburten jährlich, wie es sie zuletzt in Aichach gegeben hatte, seien für Hebammen und Belegärzte schlicht und einfach nicht rentabel. Der Landkreis sei nicht in der Lage, diesen Faktor finanziell auszugleichen.

Dass man auf den Standort Friedberg setzt, während in Aichach eine nagelneue Station leer steht, zeigen auch diverse Investitionen des Landkreises in die gynäkologische Station. Unter anderem wurden zwei Ultraschallgeräte angeschafft. Mersdorf hofft auf ein Kreißsaal-Überwachungssystem. An vielen Kliniken sei ein solches System, das Ärzten und Patientinnen mehr Sicherheit bietet, Standard. „Das würde uns auch bei der Suche nach Mitarbeitern helfen“, zeigt er sich überzeugt.

Lesen Sie auch den Kommentar: Geburtshilfe: Es sieht wieder besser aus

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