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Aichach-Friedberg

11.04.2020

Das größte Thema ist Einsamkeit: So läuft die Arbeit der Helferkreise

Mit Unterstützung der Friedberger Allgemeinen konnte die Stadtpfarrei 7000 Flugblätter drucken lassen, auf denen sie Menschen über ihr Angebot der Nachbarschaftshilfe informiert.
Bild: Steffen Brühl

In Aichach-Friedberg sind viele Initiativen zur Nachbarschaftshilfe entstanden. Sie kaufen ein, nähen Masken – und planen schon für die Zeit nach Corona.

Für den anderen einkaufen, ein ausgiebiges Telefonat führen, Atemschutzmasken füreinander nähen: Die Ausgangsbeschränkungen stärken den Zusammenhalt der Menschen. Im Landkreis sind zahlreiche Initiativen für Nachbarschaftshilfe entstanden. Wie laufen sie? Einer der ersten Hilfskreise war der des 16-jährigen Schülers Felix Ehrenberg aus Friedberg.

Zwei Anrufe gehen bei der zentralen Nummer 0821/5886861 pro Tag ein, berichtet der Schüler. „Viele rufen an, damit wir für sie einkaufen gehen. Derzeit haben wir aber kaum neue Klienten. Es sind oft dieselben, die sich melden.“

Wenn Felix einen Auftrag annimmt, sucht er Menschen aus seiner Helferkartei aus, die in der Nähe des Auftraggebers wohnen. Diese gehen einkaufen, holen Medikamente ab oder rechen Laub. „Wir wollen jedem helfen, egal bei welchem Anliegen.“ Die Facebook-Gruppe „Du bist aus Friedberg, wo Nachbarschaftshilfe kein Fremdwort ist“ hat mittlerweile 349 Mitglieder. „Es läuft sehr gut. Nur habe ich das Gefühl, dass die Leute sich mehr trauen sollten zu helfen. Es macht wirklich sehr viel Spaß“, findet er.

Während der Botengänge tauchen allerdings ungeahnte Probleme auf: „Ältere Menschen laden uns auf einen Kaffee ein. Das dürfen wir natürlich nicht annehmen, auch wenn es uns schwerfällt.“ Denn viele Menschen seien einsam. Deshalb plant Felix seine Initiative weiterzuführen: „Auch nach Corona wird es einsame Menschen geben. Und dann ist es trotzdem möglich, auf einen Kaffee vorbeizukommen und ein wenig zu plaudern.“

Felix Ehrenberg initiierte die Corona-Nachbarschaftshilfe in Friedberg.
Bild: Felix Ehrenberg

Auch die Stadtpfarrei St. Jakob Friedberg hat ebenfalls eine Hilfsaktion ins Leben gerufen und leitet auch Anrufe an den 16-Jährigen weiter. Stadtpfarrer Steffen Brühl, der 105 Freiwillige in seiner Hilfekartei listet, bekam bislang 26 Hilfsanfragen. „Dafür, dass wir so viele Senioren in Friedberg haben, ist das eher wenig“, meint er. Er appelliert an die älteren Menschen, die seiner Meinung nach manchmal etwas zu stolz sind.

„Senioren gehören zur Risikogruppe. Sie sollten unser Angebot annehmen. Dass wir etwas wenige Interessenten haben, ist ein Makel. Wir sind lange nicht am Limit.“ Es ist ein breites Angebot, das die Pfarrei in petto hat. „Unsere Helfer bringen Leute zum Arzt und geben sogar online Nachhilfe.“ Auch Telefonate bietet die Pfarrei an. Wer einfach nur ein bisschen reden möchte, kann mit Freiwilligen telefonieren. Es gebe jedoch auch eine Telefonseelsorge, dort seien ausgebildete Seelsorger am Werk.

Insgesamt ist Brühls Bilanz positiv: „Wir haben unzählige Helfer. Das ist sehr viel wert.“ Deshalb hat der Stadtpfarrer auch eine Aktion nach der Pandemie im Sinn: „Wenn alles vorbei ist, müssen das Ende der Krise und die Freiwilligen gefeiert werden.“ Dabei könnten sich beide Seiten kennenlernen und weiter Kontakt halten: „Wir haben gelernt, wie wichtig es für einsame Menschen ist, regelmäßig Nachrichten zu erhalten“, sagt Brühl.

In Kissing und Mering hat Julia Stöckel zwei Facebook-Gruppen gegründet, in denen 1200 Menschen Mitglied sind. Darin geht es um Nachbarschaftshilfe, Leute tauschen sich aus, wer Mund-Nase-Masken näht oder geben sich Tipps zu Lieferdiensten und mehr. Mittlerweile gehen fast jeden Tag Helfer von Tür zu Tür und sammeln Briefumschläge ein, in denen die benötigten Lebensmittel aufgelistet sind und das Geld beigelegt ist. Auch haben Freiwillige über 400 Masken genäht. Das Material haben Spender zur Verfügung, die Masken gingen an Pflegeheime.

Helfer in Mering und Kissing unterstützen Senioren

Auf Senioreneinrichtungen liegt inzwischen ein besonderer Fokus der Helferkreise. In einer Einrichtung für Betreutes Wohnen verteilen die Helfer zum Beispiel das Mittagessen, weil die Lieferanten die Mahlzeiten nur vor die Tür der Pflegeheime stellen dürfen. Die Aktion läuft streng kontaktfrei, um etwaige Ansteckungen zu vermeiden: Die Ehrenamtlichen stellen das Essen vor die Türen der Apartments und klingeln dann. Einmal bekam Stöckel übers Radio mit, dass eine Frau mit ihrem Sohn mit Behinderung umziehen musste. Sie organisierte den Umzug.

„Wir haben überallhin unsere Fühler ausgestreckt“, sagt sie. „Es ist ein sehr großer Aufwand, aber es macht viel Spaß.“ Stöckel behält den Gesamtüberblick und hat für jede „Sparte“ einen Koordinator. Einer kümmert sich um das Mittagessen für die Pflegeheime, die andere um das Einkaufen. Insgesamt laufe es sehr gut, sagt sie. Und das soll auch so bleiben. „Auch nach der Krise schadet eine solche Gruppe nicht“, sagt sie.

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