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Altstadtfest Friedberg

25.06.2019

Das passende Gewand zur Friedberger Zeit

Christian Endraß und sein Sohn haben den passenden Bauernhut bereits gefunden in der Stoffstube.
Bild: Sabine Roth

In der Stoffstube gibt es nicht nur Textilien und Knöpfe. Die Profis haben auch jederzeit einen guten Rat für die Hobbyschneiderinnen parat.

Es wuselt nur so von Menschen in der kleinen städtischen Stoffstube in der Schmiedgasse 20 an diesem heißen Vormittag. Man braucht also etwas Geduld, bis man an der Reihe ist. Bunte Stoffe liegen in weißen Regalen oder stehen in der Ecke. Man kann sich schon mal inspirieren lassen. Knöpfe aller Art sind in Boxen zu finden. Schnittmuster für alle Modelle liegen bereit, aber auch Hüte für Bauern und Handwerker stehen in einer großen Tasche bereit. Bilder der verschiedenen Modelle hängen an den Wänden. Vor der Tür am Eingang gibt es ein Schwarzes Brett mit Angeboten von gebrauchten Gewändern. Hier wird also auch vermittelt, um Verkäufer und Käufer zusammenzubringen.

Noch ist es nicht zu spät für ein neues Gewand für die „Friedberger Zeit“, die vom 12. bis 21. Juli die Menschen nach Friedberg zieht. Bereits zum elften Mal lädt das Altstadtfest zu einer Zeitreise ins 17. und 18. Jahrhundert ein. Die Blütezeit der Stadt wird dabei authentisch in Szene gesetzt.

Die Friedberger sind mit Herzblut dabei

Dazu sind die Bürger gefragt, die hier leidenschaftlich und mit Herzblut mit dabei sind und die damalige Zeit leben. Wie sehr sie sich noch heute damit identifizieren, zeigt die hohe Zahl an historisch eingekleideten Besuchern. Laut der Stadt Friedberg sind rund 10000 Gewänder seit dem ersten Altstadtfest registriert und mittlerweile schon an die nächste Generation weiter vererbt.

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Die Stoffstube bietet die historischen Schnittmuster für alle Berufe und Stände und die passenden Stoffe dazu. „Schnitte für die Gewänder aus der Zeit 1680 bis 1780 haben wir noch genügend da, auch von den Stoffen gibt es noch jede Menge. Was weg geht, ist weg. Aber keine Angst, es geht niemand mit leeren Händen nach Hause“, sagt Schneidermeisterin Angela Jahnke, die in der Stoffstube Dienst hat. Sie hilft seit dem Jahr 2007 mit.

Der letzte Sonntag beim historischen Altstadtfest Friedberger Zeit
61 Bilder
Hier finden Sie Impressionen vom Friedberger Altstadtfest 2016.
Bild: Peter Kleist, Sebastian Mayr, Andreas Schmidt

Sie spürt den Trend zum selber Nähen. „Viele möchten das Gewand nach ihren Vorstellungen haben und greifen gerne zu Nadel und Faden. Wir stehen Ihnen mit Rat und Tat gerne zur Seite, wenn sie nicht weiterwissen“, sagt Jahnke.

Was liegt heuer im Trend beim Altstadtfest?

Was heuer im Trend liegt, kann sie schwer sagen. Doch sie hat das Gefühl, dass es diesmal nicht ganz so festlich zugeht. Borden werden fast gar nicht mehr gewünscht. Farblich wird alles nachgefragt. Sehr gut weggehen die Schnitte und Stoffe für Kleider. „Viele möchten diesmal ein zweites oder drittes Gewand haben, weil sie abwechseln wollen. Auf den letzten Drücker kommen auch viele Mütter, die für ihre Kinder noch etwas brauchen“, so Jahnke. Sie freut sich, wenn der Nachwuchs mit aufs Fest kommt.

Auch Angelika Hörmann aus Friedberg suchte nach einem Stoff für Westen für ihre zwei Söhne. „Wir haben die Gewänder der Bürger alle fertig, nur die Westen fehlen mir noch. Ich nähe, wenn ich Zeit habe“, erzählt die Hobbyschneiderin. „Ach, so eine Weste ist doch in einem Tag genäht“, lacht sie. Wichtig sei jedoch, dass der Schnitt passt.

Die Friedbergerin Silvia Cerovsky brauchte heute nichts, hat sie nichts, wollte sich aber eine Hose näher ansehen. Für ihren Schwiegersohn näht sie gerade eine Hose und ist mittendrin einfach nicht weitergekommen. „Deshalb hole ich mir nun Hilfe. Jetzt geht es an den Endspurt. Mein Enkel braucht noch ein Bürgergewand“, so Cerovsky. Seit dem zweiten Altstadtfest stattet sie die ganze Familie aus.

Die Damen der Stoffstube sind mit Leib und Seele dabei

Sie kommt gerne her, weil „die Damen hier so super sind“ und immer weiter wissen. Man spürt, dass sie das mit Leib und Seele machen. Zum Team der Stoffstube gehören zudem Schneidermeisterin Gabriele Gail und Gabi Trinkl. Sie sitzt an der Kasse, kümmert um alle Bestellungen und vieles mehr. Seit 2000 arbeitet sie im Stadtarchiv und freut sich, jedes Mal bei der Stoffstube mitarbeiten zu dürfen.

„Jetzt geht es in den Endspurt, das spüren wir“, sagt Trinkl. „Viele suchen noch nach Zubehör wie Knöpfen und Bänder, Schürzenstoffe und Hüten.“ Dreispitzhüte werden bis zum Schluss noch bestellt. Wer einen braucht, sollte sein Kopfumfang abmessen.

Familie Endraß aus Stätzling hat sich noch die passenden Kopfbedeckungen gekauft. Christian Endraß geht als Bauer zum Altstadtfest. Das Gewand hat er sich nähen lassen. Ein Hut hat ihm jetzt noch gefehlt. Endraß ist in Friedberg aufgewachsen und war deshalb schon immer beim Fest mit dabei. Für seinen kleinen Sohn hat er einen Leiterwagen besorgt. Dann kann’s losgehen und über zehn Tage historiengetreu gefeiert werden.

Die Öffnungszeiten der Stoffstube

Die Stoffstube an der Schmiedgasse 20 ist noch bis 5. Juli jeden Dienstag von 9 bis 12 Uhr und jeden Freitag von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Wer es sich selbst nicht zutraut, sein Gewand zu nähen, kann natürlich auch einen Nähkurs besuchen oder sich sein Gewand nähen lassen. Die Haubenkurse laufen bereits. Weitere Infos unter E-Mail stoffstube@friedberg.de oder Telefon 0821/6002-127.

Lesen Sie hier, was die Besucher des Altstadtfestes 2019 erwartet Friedberger Zeit kommt nach drei Jahren zurück - diesmal mit Schloss

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