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Friedberg

12.06.2019

Der Buchsbaumzünsler sorgt für Frust bei Gartenfreunden

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2 Bilder
Die vom Zünsler befallenen Buchskugeln und -umrandungen machen Mechthild Hof in ihrem prachtvollen Garten in Friedberg keine Freude mehr.
Bild: Heike John

Plus Der Buchsbaumzünsler ist auch im Landkreis auf dem Vormarsch und zerfrisst kunstvoll geschnittene Kugeln. Wie man ihn bekämpfen kann.

Über 50 Jahre hat Mechthild Hof in ihrem Garten in Friedberg West sorgsam ihre Beeteinfassungen mit Buchs gehegt und gepflegt und als Blickfang kunstvolle Kugeln geschnitten. Nun ist die Pracht dahin, gelb und vertrocknet. Der Buchsbaumzünsler hat auch bei ihr zugeschlagen.

„Letzten Herbst waren meine Buchskugeln noch sagenhaft, eine besonders imposante war über einen Meter hoch. Im April war diese plötzlich fast weiß und abgestorben“, erzählt die Hobbygärtnerin frustriert. Die große Kugel war der Anfang, inzwischen musste Mechthild Hof auch die gesamte rund sechs Meter lange Buchshecke entlang ihrer Terrasse entfernen lassen und nun sind die Beetumrandungen fällig. „Man ist schon enttäuscht, wenn man so viel Zeit und Geld in die Gartengestaltung investiert hat und der Zünsler macht alles zunichte“, klagt die 77-Jährige.

Buchsbaumzünsler breitet sich flächig aus

„Der Buchsbaumzünsler ist dabei, sich flächig auszubreiten“, hat Xaver Pollithy vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten festgestellt. Der Erreger komme aus wärmeren Gebieten vom Süden über die Alpen und verbreite sich im Zuge des Klimawandels rasant. Sogar eine extrem abgelegene Baumschule im Allgäu habe einen Befall, wundert sich der Gartenbauingenieur. Die Sache sei kaum aufzuhalten: „Wenn mein Nachbar den Zünsler hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er auch in meinem Garten landet.“ Eine punktuelle Bekämpfung sei letztlich keine Problemlösung. „Ich verstehe nicht, dass Baumschulen weiterhin Buchs verkaufen“, wundert sich Pollithy.

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Mechthild Hof hat es auch mit dem Absammeln der Raupen versucht. „Aber du nimmst hundert weg und dreihundert neue kommen über Nacht“. Auch auf dem Grab ihres Mannes auf dem Friedhof in Herrgottsruh ist der Raupenbefall am Buchs ebenfalls schon zu sehen. „Die Abfalltonnen am Friedhof sind voll mit kaputten Buchs“, hat sie beobachtet.

Dies bestätigt auch Gerhard Mayer von der Kreisgruppe Aichach-Friedberg des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). „Meine Suche nach diesen Schädlingen am Friedhof Herrgottsruh war im vergangenen Jahr noch ohne Erfolg. Nun hat sich die Lage verändert. Buchsbäume an Gräbern zeigen Fraßschäden der Raupen. Diese spinnen sich derzeit ein. Dann wird sich die noch kleine Population am Friedberger Friedhof ausbreiten.“ Die einzigen, die sich freuen werden, sind Meisen und Finken, für die sich eine neue Nahrungsquelle ergibt. Im LBV-Report stellte Mayer den Buchsbaum-Zünsler Cydalima perspectalis als den „ungebetenen neuen Schmetterling“ vor.

Kreisfachberaterin: Zünslerbefall ist nicht meldepflichtig

Was ist zu tun? „Es kommt darauf an, wie viel Herzblut jemand in seinen Garten steckt“, findet Manuela Riepold. Als Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Aichach-Friedberg ist sie Ansprechpartnerin für Gartenfreunde im Landkreis. Zum Buchsschädling kommen nicht allzu Anfragen, sagt sie. „Der Zünslerbefall ist ja auch nicht meldepflichtig.“ Wer sein Gartenkonzept auf Buchs ausgelegt hat oder seine Buchsstecklinge selbst gezogen hat, der sei auch bereit, mühsam Raupen abzusammeln oder mit dem Hochdruckstrahler seine Kugeln zu behandeln. Ein anderer reiße die befallenen Pflanzen gleich raus, weiß sie.

Was die Entsorgung größerer Buchsmengen betrifft, sollte man sich bei der Abteilung Abfallwirtschaft im Landratsamt erkundigen. Über den Einsatz zugelassener Giftmittel kann man sich auch anhand der online nutzbaren Diagnose- und Faktendatenbank arbofux.de umfassend informieren. „Unsere Landratsamtseite ist damit verlinkt, denn hier bieten Fachleute von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf aktuelle Erkenntnisse über Krankheiten, Schädlinge und Lästlinge an Laub- und Nadelgehölzen. Entscheidet man sich für eine Bekämpfung mit Spritzmitteln, so ist darauf zu achten, nur zugelassene sogenannte BT Mittel zu verwenden, betont Xaver Pollithy. Das sind biologische Pflanzenschutzmittel auf Basis des nützlingsschonenden Bacillus thuringiensis. Derzeit gibt es rund zehn verschiedenen Präparate mit guter Raupenwirkung und günstigem Ökoprofil im Handel, weiß der Fachmann.

So sehen die Raupen des Zünslerfalters aus.

Vom Spritzen gar nichts hält Helga Wurm von der Gärtnerei Ullmann in Mering. Am Meringer Friedhof bepflanzt sie oft Gräber und rät ihren Kunden nicht generell vom Buchs ab. „Spritzen kommt für uns auf dem Friedhof allerdings nicht in Frage. Wenn ein Buchs befallen ist, reißen wir ihn normalerweise raus. Aber manche Pflanzen erholen sich tatsächlich wieder und manche Sorten scheinen resistenter zu sein als andere“. Es gibt allerdings noch eine weitere Krankheit, die den Buchs befallen kann, das ist das sogenannte Buchstriebsterben, ein Pilzbefall.

Das sind die Tipps vom Fachmann

  • Eine Bekämpfung ist nur sinnvoll bei Erstbefall und frühen Entwicklungsstadien der Raupen sowie in isolierte Lage, ansonsten gibt es den sogenannten Pingpongeffekt.
  • Behandlungsmöglichkeiten: Absammeln der Larven, Behandeln mit dem Hochdruckstrahler oder mit amtlich zugelassenen Spritzmitteln, die bienenfreundlich sind
  • Empfohlene Alternativgehölze, die sich zum Teil auch wie Buchs zuschneiden lassen, sind Taxus (Eibe) und Thuja sowie besondere Ilexarten. Wichtig ist, darauf zu achten, dass sie winterhart sind.
  • Umfassende Infos gibt die Diagnose- und Faktendatenbank für Gehölze www.arbofux.de von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
  • Ansprechpartnerin im Landratsamt Aichach-Friedberg ist Kreisfachberaterin Manuela Riepold, Tel. 08251/92-392, E-Mail an manuela.riepold@lra-aic-fdb.de

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