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Hofhegnenberg

12.07.2010

Der"Freischütz" im Umzugskarton

Rüdiger Koch, das Papiertheater in Personalunion, zeigte die Oper "Der Freischütz". Großes Interesse herrschte beim Blick hinter die Kulissen. Foto: Rieger
Bild: Rieger

Ein Theater der besonderen Art erlebten Zuschauer im Hofhegnenberger Seegrastheater. Dort trat Rüdiger Koch aus Berlin mit seinem Papiertheater auf.

Rüdiger Koch, das Papiertheater Invisius aus Berlin, spielte Carl Maria Webers Oper "Der Freischütz" im Seegrastheater. Das Bühnenstück erzählt, wie jeder durch schwierige Aufgaben erfolgreich zum Ziel kommt: Es geht um ein Wettschießen, bei dem der Sieger einen Job als Förster und gleichzeitig die Tochter des Chefs zur Ehefrau bekommt. Der Jäger Max möchte beides gern haben, denn er liebt die junge Frau namens Agathe. Beim Probeschießen hat er aber überhaupt kein Glück, sodass er sich bei seinem erfolgreichen Kollegen Kaspar Rat holt.

Mit dem Teufel unter einer Decke

Der aber steckt mit dem Teufel, der in diesem Stück Samiel heißt, unter einer Decke. Ein böses und zugleich spannendes Spiel beginnt. Gelingt der Probeschuss und kann Max seine geliebte Agathe befreien? Nun, die Antwort kennen wohl alle. Denn der Freischütz ist eine berühmte Oper, die das Papiertheater Invisius eindrucksvoll im Seegrastheater zur Aufführung brachte.

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Wie ein Papiertheater aussieht und funktioniert, ist schnell erklärt. Ein Kasten oder ein Holzgestell von der Größe einer Umzugskiste - manchmal auch nur eines Schuhkartons. Eine Seite ist offen, dadurch fällt der Blick auf die - meist herausnehmbare - Rückwand mit dem "Bühnenbild". Auf dem Boden des Kastens oder Gestells sind Schienen angebracht, zum Befestigen der Kulissen und zum Bewegen der "Schauspieler". Das sind sechs bis höchstens 15 Zentimeter hohe, aus Papier oder Pappe ausgeschnittene Figuren, die an Stäben parallel zum Bühnenrand hin und her geschoben werden können.

Schere, Pinsel und Glühlämpchen sind noch die wichtigsten Utensilien, wenn sich auch moderne Technik eingeschlichen hat. Koch ruft mit ruhiger Stimme und ausgebreiteten Armen: "Kommt! Schaut! Und seht die kürzeste Aufführung dieser Oper!" Sein Körper wirft einen weiten Schatten an die Wand, der die Bühne noch winziger erscheinen lässt. Sie misst etwa 40 mal 50 Zentimeter - und umfasst doch ein ganzes Zimmer, mit Blumen, gerafften Vorhängen und Ahnenporträts in verschnörkelten Rahmen. All das erkennt der Zuschauer erst durch eines der Operngläser, die Koch vor der Vorstellung verteilt, eines für jeden der 25 Zuschauer.

Er spielt alle Rollen selbst

Koch macht alles selbst. Er hat Kulissen und Schauspieler gebaut, legt die Lichtschalter der Bühnenbeleuchtung um, zündet Feuer und schießt.

Natürlich spielt er alle Rollen selbst, von der schönen Agathe bis zum schrecklichen Handel in der Teufelsschlucht, während das Klavier vom Band einen drohenden Klangteppich über die Szene legt - und das alles innerhalb von 50 Minuten auf einer Bühne im Format eines Schuhkartons. (riem)

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