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Friedberg

22.12.2018

Der Freund der Bäume verlässt Friedberg

Otfried Horn setzte sich als Vorsitzender der Ortsgruppe Friedberg im Bund Naturschutz ein für den Natur- und Lebensschutz – so auch hier für die beiden alten Eichen in der Stefanstraße in Friedberg-Süd.

Otfried Horn ist als engagierter Streiter für den Umweltschutz in Friedberg bekannt. Nun zieht der Förster weg. Doch er hat ein Vermächtnis an die Stadt.

Zwölf Jahre lang war Otfried Horn Vorsitzender der Ortsgruppe Friedberg im Bund Naturschutz. Mit seinem Umzug nach Ettringen im Unterallgäu zum Jahreswechsel verliert die Stadt einen engagierten Streiter, der sich mit viel Beharrlichkeit und Fachkenntnis für den Natur- und Lebensschutz eingesetzt hatte. Sein Nachfolger soll im Frühjahr gewählt werden.

Nach seinem Studium der Forstwissenschaft war der gebürtige Münchner zunächst freiberuflich tätig und arbeitete dann für den Verein für forstliche Standortserkundung im Privat- und Körperschaftswald. Als er mit seiner Familie 2006 nach Friedberg zog, besuchte er dort eine Versammlung der Naturschützer. „Als die hörten, dass ich Förster bin, haben sie mich gleich zum Vorsitzenden gewählt“, erzählt der 62-jährige.

Im Gegensatz zum gängigen Klischee, dass ein Forstmann mit seinem Dackel ständig im Wald herumspaziert, war Horn in ganz Bayern unterwegs, um unter anderem Bodenprofile zu bestimmen. Bei wichtigen Maßnahmen im Friedberger Raum konnte er zwar Stellungnahmen abgeben, „aber die wurden meist nur zur Kenntnis genommen und abgelehnt, sofern sie nicht gesetzlich vorgeschrieben waren“. Es sei zwar nicht leicht gewesen, in der Kommunalpolitik etwas zu bewegen, sagt er, „aber ein wenig konnten wir mit unserer 350 Mitglieder starken Ortsgruppe das Umweltbewusstsein schon schärfen“. Unter anderem gründete er gemeinsam mit anderen Bürgern eine Initiative, um die Bäume im Stadtgebiet zu schützen.

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Horn gründete die Initiative "Bäume sind genial" in Friedberg

Auslöser dafür war die Fällung von vier Bäumen am Südufer des Friedberger Sees, die dem Bau eines neuen Rettungswegs weichen mussten. „Die Initiative ,Bäume‘ sind genial’ will Bäume nicht mit Verboten und Verordnungen schützen, sondern mit einem Förderprogramm“, erklärt er. Als Vorbild diene Schwabmünchen: Dort engagiere sich die Stadt seit Jahren für die Pflege und den Erhalt von Bäumen und es gebe ein Förderprogramm, das auch Privatleute zum Baumschutz motivieren soll. So können sich Bürger, die mit der Pflege eines Baumes im eigenen Garten überfordert sind, bei der Stadt Hilfe holen.

In einem Vierteljahr konnten die Naturschützer mehr als 500 Unterschriften sammeln. „Unser Hauptziel ist es, die Stadt zum Umdenken zu bewegen“, betont Horn. „Das Bewusstsein, wie wertvoll und wichtig Bäume sind, scheint oft zu fehlen.“ Stattdessen herrsche die Auffassung, Bäume seien lästig, sodass sie eher gefällt als geschützt werden.

Seine Ideen präsentierte er Friedbergs Bürgermeister

Insektensterben und Klimawandel, Glyphosat und Pestizide – die Palette der Probleme sei riesengroß, sagt der Förster; seine Ideen und Vorschläge stellte er bei Bürgermeister Roland Eichmann bei einem Gespräch im Rathaus vor. „Unsere Absicht ist es, ein neutrales Bündnis auf den Weg zu bringen, in dem sich jeder einbringen kann, der etwas für die Umwelt tun will.“

„Obwohl Landwirte im Stadtrat sitzen, geht es oft nur um kurzfristiges Profitdenken“, kritisiert er. Doch immer nur wirtschaftliche Gesichtspunkte in den Vordergrund zu stellen, komme die Menschen und die Natur teuer zu stehen, wie die steigende Zahl von Umweltkatastrophen zeige.

Wenn Horn jetzt aus persönlichen Gründen umzieht, verlässt er seinen alten Wirkungskreis aber nicht enttäuscht oder frustriert. „Künftig werde ich mich eben bei den Naturschützern in Türkheim engagieren.“ Außerdem leben zwei seiner Töchter und vier Enkel im Friedberger Raum, sodass es von Zeit zu Zeit sicher ein Wiedersehen mit seinen Freunden und Bekannten geben wird.

Lesen Sie dazu den Artikel: Bürger wollen Bäume schützen

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