Newsticker

Rekord bei Corona-Zahlen: 14.714 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Der Handel hat es schwer: Was wird aus den Zentren in Friedberg und Mering?

Friedberg/Mering

02.01.2020

Der Handel hat es schwer: Was wird aus den Zentren in Friedberg und Mering?

Die Geschäftsleute in der Friedberger Innenstadt zeigen sich zufrieden mit dem Jahr 2019.
2 Bilder
Die Geschäftsleute in der Friedberger Innenstadt zeigen sich zufrieden mit dem Jahr 2019.
Bild: Tom Trilges

Plus Während in der Marktgemeinde bereits viele Geschäfte schlossen, steht der große Nachbar stabiler da. Online-Konkurrenz und der Verkehr sind Dauerthemen.

Der Handel in den Ortszentren hat es zunehmend schwer – das gilt auch für Friedberg und Mering. Wir blicken zurück, fragen aber auch: Was passiert 2020, um die Innenstädte dort zu beleben?

Roland Eichmann, Bürgermeister in Friedberg, betrachtet 2019 als „das erfolgreichste Jahr, was die Zusammenarbeit zwischen Gewerbetreibenden, Aktiv-Ring und Stadt angeht“, seit er im Amt ist. Aufgegangen sei die Neukonzeption der vier Marktsonntage, die nun unter einem speziellen jahreszeitlichen Motto stehen.

Innenstadtkoordinator Manuel Weindl sagt: „Neben der Vitalisierung der Märkte war ein spürbares Umsatzwachstum zu verzeichnen und eine Standortwerbung bei auswärtigen Kunden erkennbar.“ 2019 sei insgesamt ein erfolgreiches Jahr mit nahezu stabilen Umsätzen gewesen. „Auch die Geschäfte der Textil- und Lederbranche, die am stärksten vom Strukturwandel betroffen sind, zeigen sich trotz rückläufiger Frequenz letztlich zufrieden“, teilt Weindl mit.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Drogeriemarkt Müller kündigte Schließung an

Doch es gibt auch Schattenseiten: Ein Aufreger war die im Frühjahr 2019 angekündigte Schließung des Drogeriemarkts Müller in der Ludwigstraße. Nur durch das Entgegenkommen von Vermieter Roland Brunner konnte das Aus im September vorläufig abgewendet werden. „Ich bin skeptisch, ob wir Müller in der Innenstadt halten können“, sagt Bürgermeister Eichmann allerdings.

Eine Herausforderung für die Geschäftswelt ist die Konkurrenz zum Online-Handel. Innenstadtkoordinator Weindl meint: „Bei der Sichtbarkeit im Internet stoßen die kleinen Geschäfte oft an ihre Grenzen. Es wird wichtig sein, die mit dem Citymanager Thomas David begonnenen Wege weiterzuführen.“ Die Abberufung von David durch den Stadtrat sei „ein Schock“ für die Geschäftsleute gewesen.

Die Ausschreibung der Stelle verzögerte sich danach monatelang. „Die Zeit drängt“, mahnt Weindl und verweist auf die Bayerische Landesausstellung ab dem Frühjahr. Mehr Kunden zu dem Großereignis sieht Weindl nicht als Selbstläufer: „Es hat bereits Arbeitsgruppen unter der Leitung des Citymanagers gegeben. Leider ist durch die Vakanz der Prozess ins Stocken geraten.“

Friedberger Stadtrat vertagt größere Veränderungen um Jahre

Ein Grund für weniger Passanten in der Ludwigstraße dürfte der „massive Autoverkehr“ sein, den Bürgermeister Eichmann einräumt. Größere Veränderungen wie die Einrichtung einer Fußgängerzone oder Einbahnstraße vertagte der Stadtrat um Jahre. Für Weindl ist hauptsächlich die öffentliche Kommunikation das Problem: „Wir müssen uns nicht schlechter reden als wir sind.“ Es sei wünschenswert, dass Politiker „ihren Frust über Unerreichtes nicht öffentlich auf Kosten des Ansehens eines Standortes abladen.“

Wie Friedberg besitzt auch Mering ein gewachsenes Geschäftszentrum. Doch das hat schwer zu kämpfen. Erst im Advent gab mit Elektro Röhm wieder ein langjähriges Traditionsgeschäft seine Schließung bekannt. Als Grund nannte der Inhaber die Konkurrenz der großen Baumärkte, vor allem aber im Internet: „Oft bieten Online-Händler Waren zu einem Preis an, der unter meinem eigenen Einkaufspreis liegt“, sagt Helmut Röhm.

Meringer Geschäftsleute tun sich schwer

Mit jeder Einkaufsmöglichkeit, die verschwindet, verliert der Innenort ein Stück Attraktivität für die Kunden. Und die verbleibenden Geschäftsleute tun sich noch schwerer.

Die Meringer Geschäftswelt im Innenort steht häufig in der Kritik. Wir haben uns bei Passanten und Ladenbesitzern umgehört. Im Video erklären sie, wie sie die Lage bewerten.
Video: Eva Weizenegger und Philipp Schröders

Auch für das Bekleidungshaus Wölfle steht in den kommenden Jahren die Entscheidung an, ob es im Meringer Zentrum eine Zukunft gibt. Die junge Geschäftsfrau Miriam Wölfle hat beschlossen, die Ortsmitte nicht kampflos aufzugeben. Mit der Meringer Gerüchteküche hat sie vergangenes Jahr für die Gewerbetreibenden eine Plattform in den sozialen Medien geschaffen.

Über diese kam es dann zum Austausch zwischen den Geschäftsleuten und Gemeinderäten aller Fraktionen. Ergebnis war, dass im Meringer Zentrum schnell eine provisorische Verkehrsberuhigung umgesetzt werden soll. Denn die dauerhafte Neugestaltung, für die es bereits Konzepte gibt, ist an das Programm der Städtebauförderung gebunden und wird noch Zeit brauchen.

Verkehrsberuhigung: Gemeinderat in Mering will es jetzt anpacken

Es jetzt anzupacken, dazu gab auch der Gemeinderat seine Zustimmung. Am Runden Tisch mit Planungsbüro und Behörden wurde ein gangbarer Weg gefunden. Auch dieser erfordert allerdings Vermessungen und eine Verkehrsuntersuchung. Läuft alles glatt, kann die temporäre Lösung innerhalb eines halben Jahres verwirklicht werden.

Doch wird die Verkehrsberuhigung auch nur ein Geschäft retten? „Nein, natürlich nicht“, gibt Initiatorin Miriam Wölfle offen zu. Doch es könnte ein Signal an die Geschäftsleute sein, dass sich in Mering etwas bewegt. Weitere Schritte wie eine gemeinsame Internetseite des Meringer Gewerbes sollen folgen.

Sowohl der Friedberger als auch der Meringer Ortsmitte steht also ein spannendes und wichtiges Jahr bevor.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Hilferufe der Ladenbesitzer hören

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren