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17.10.2016

Der Indianer Brave Eagle findet in Hofhegnenberg eine neue Heimat

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3 Bilder
Brave Eagle (Zweiter von rechts) und sein Sohn Matthias feiern gemeinsam mit vielen Freunden Indian Summer im neuen Zuhause in Hofhegnenberg.
Bild: Peter Holthaus

Fred Berry hat seine Zelte in Schmiechen endgültig abgebrochen. Was die Einheimischen in Hofhegnenberg zu ihrem Neuzugang sagen

 Schon von Weitem hört man leise das „Tam Tam“ der Trommel, jemand singt und eine feine, weiße Rauchwolke ist am Abendhimmel über Hofhegnenberg zu sehen. Statt im Tipi haben sich die Musiker unter einem Partyzelt vor der aufziehenden Feuchtigkeit in Sicherheit gebracht. Ein Feuer prasselt in der großen gusseisenen Schale, um die die Gäste stehen, ratschen und ein kühles Cheyenne-Bier in der Hand halten. Sie treffen sich zum Indian Summer des Indian Culture Club Cheyenne bei Brave Eagle, der sich im bürgerlichen Leben Fred Berry nennt und viele Jahre auch einfach der Indianer von Schmiechen war.

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Doch in Schmiechen hat er seine Tipis vor einem Jahr abgebrochen und lange sah es so aus, als würde er keine neue Heimat für sich und den Indian Culture Club Cheyenne finden. Weil sein Vermieter Eigenbedarf angemeldet hatte, musste Kühner Adler, so die Übersetzung seines Indianernamens, sich um eine neue Bleibe für sich und das kleine Vereinsheim suchen (wir berichteten mehrmals). Schon dies schien eine gewaltige Aufgabe für den 72-Jährigen, der gerne in Schmiechen geblieben wäre. Weitaus schwieriger war aber die Suche nach geeigneten Räumen für seine Brauküche. Fred Berry ist bekannt für sein Cheyenne-Bier, das er nicht nur selbst braut, sondern auch in der Gegend vertreibt. Es sichert ihm seinen Lebensunterhalt.

Zunächst galten Räume in Moorenweis als sicher, dann die Absage. Nun braut er im Parkettstadel in Hörbach, wo es neben einer Verkaufsfläche für Bodenbeläge auch einen Bereich für Events gibt. „Das war eine tolle Lösung für mich und es gibt ein großes Fenster zur Brauerei, von wo aus das Publikum mir beim Bierbrauen sogar zuschauen kann“, sagt Berry.

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Überhaupt hat sich alles für den 72-Jährigen zum Guten gewendet. In einem kleinen Häuschen am Ortsende von Hofhegnenberg fand er eine neue Bleibe, die ihm nun selbst gehört. „Hier kann mich keiner mehr vertreiben“, sagt er.

Und die Hofhegnenberger wollen ihn auch gar nicht mehr loswerden. „Das ist doch toll, dass wir jetzt einen echten Indianer bei uns haben“, freuen sich Margit und Gerhard Bernhard zusammen mit ihrem Sohn Joseph. Gemeinsam mit Freunden aus dem Ort sind sie zum Indian Summer gekommen, schauen sich in der renovierten Stube um und finden es beachtlich, was Brave Eagle hier auf die Beine gestellt hat. „Das hätte sich doch niemand denken können, dass aus dieser Bruchbude so etwas schönes wird“, sagen die beiden.

Viele Stunden hat Brave Eagle, dessen Mutter eine Cheyenne-Indianerin war, in die Sanierung des Häuschens investiert. „Das ist nur Dank der Unterstützung meiner Freunde möglich gewesen“, sagt er, „alleine hätte ich das nie geschafft“. Liebevoll sind die beiden Gasträume mit traditionellen Indianerschmuck, Federn, Zeichnungen, Fotos und weiteren Wahrzeichen aus Berrys Familiengeschichte geschmückt.

Berrys Sohn Matthias greift zur Gitarre. Er stimmt Oldies zum Mitsingen an und langsam kommen die Gäste von draußen in die warme Stube. Dort lassen sie sich das Cheyenne-Bier schmecken, das Berry für sie gebraut hat und feiern bis in die Morgenstunden nicht nur Indiansummer, sondern auch die neue Ära des Indianers in Hofhegnenberg.

Der Indian Culture Club trifft sich jeden Freitag 18 Uhr bei Brave Eagle in Hofhegnenberg, Herzog-Wilhelm-Straße 2. Gäste sind jederzeit willkommen. Im Sommer ist auch im Garten Betrieb.

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25.10.2016

Vielen Dank, Dir lieber Berry, dass Du hier nochmals die Kraft und den Mut aufgebraucht hast, Dir und Deinen Freunden und Bekannten ein neues Domizil zu schaffen. Schmiechen hat hier eine wirkliche kulturelle Chance, mal wieder, vertan. Wie leider so oft in den letzten Jahren, überwiegt das Zögern, Zaudern und das allzu konservative Denken unserer Gemeindeoberhäupter. Wieder ein Stück Individualität verloren gegangen. Ich wünsche Dir noch viele tolle Indian Summer in Hofhegnenberg.

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