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Menschen in Friedberg

27.07.2013

Der Zufall hilft dem Erfindergeist nach

Ernst Krendlinger aus Derching und seine Erfindungnamens "Pure".
Bild: David Sedlmayr

Dr. Ernst Krendlinger aus Derching hat eine Substanz entwickelt, die Öl und andere umweltgefährdende Stoffe aus dem Wasser absorbiert.

Derching Am Anfang stand eine Panne. „Bei der Herstellung von Wachs muss jemand die verkehrte Temperatur und den falschen Druck eingestellt haben“, erinnert sich Dr. Ernst Krendlinger. Doch weil der Chemiker die missratene, fasrig-weiche Substand nicht einfach wegwerfen wollte und damit ein wenig herumexperimentierte, machte er eine erstaunliche Entdeckung: Das fehlerhafte Wachs saugt selektiv Öl und nicht Wasser auf – eine weltweit einzigartige Substanz, für die es viele Anwendungen gibt.

Das innovative Ölbindemittel mit dem Namen „Pure“ ist nicht die einzige Erfindung Krendlingers. 21 Patente laufen auf seinen Namen, obwohl er zunächst nur den Volksschulabschluss hatte und eine Laborantenlehre begann. Dann holte er mittlere Reife und das Abitur nach, studierte Chemie und promovierte am Max-Planck Institut.

Sein Spezialgebiet sind und bleiben die Wachse. „Irgendwann bin ich dann bei Hoechst, der weltweit größten Wachsfirma, gelandet“, berichtet er. Mit 55 bot ihm die Firma den Vorruhestand an, Krendlinger akzeptierte, strich die Abfindung ein und begann am nächsten Tag die Arbeit bei Deurex, einem mittelständischen Unternehmen in Sachsen-Anhalt.

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„Drei Tage im Monat fahren mein Chef und ich zum Produktionsstandort nach Elsteraue und machen da alle verrückt“, erzählt er lachend. Doch was kann „Pure“, das auf den ersten Blick an ein zerbröseltes Taschentuch erinnert wirklich? Es saugt Stoffe wie Öl, Diesel und andere Chemikalien auf, ist aber gleichzeitig wasserabweisend. Eingesetzt wird es in erster Linie in Kläranlagen, Autowaschstraßen oder beim Beizen von Aluminium.

Im Notfall hilft es aber auch bei Hochwasser, um Öl und andere umweltverschmutzende Materialien zu absorbieren. Auch beim Paar-Hochwasser im Raum Friedberg-Dasing war es schon im Einsatz. Und selbst bei der Ölpest im Brand von Mexiko wurde es angefordert. Doch dieser Auftrag war dann für die zwölf Mitarbeiter von Deurex doch eine Nummer zu groß. „Deurex befindet sich erst im Aufbau. Wir produzieren nicht einmal einen winzigen Bruchteil der Menge, die wir bei einer Umweltkatastrophe dieser Dimension benötigt hätten“, sagt Krendlinger.

Die Patentunterlagen sind eingereicht

„Natürlich hoffe ich, dass die Firma den Durchbruch schafft, wächst und in einigen Jahren 10 bis 15 eigene Produktionsanlagen besitzt“, sagt Krendlinger. Daneben tüftelt er mit seinem Team gerade an der nächsten Erfindung: Naturwachs aus Zuckerrohr. „In den nächsten Jahren möchten wir vor allem die Produktion unseres Ölbindemittels steigern, das europäische und anschließend das weltweite Patent für ,Pure‘ erwerben. Die Unterlagen sind bereits eingereicht.“ Ob er denn Angst habe, dass das Mittel kopiert werden könnte? „Unser Produkt ist weltweit einzigartig. Da kann niemand herkommen und behaupten, dass er dasselbe Produkt schon viel früher entwickelt hätte.“

Neben der Arbeit nimmt sich der Wissenschaftler, der mit der Derchinger Stadträtin Rosemarie Krendlinger verheiratet ist, auch viel Zeit für sein großes Hobby: den Fußball. „Früher war ich ja selbst als Spieler aktiv, später dann als Trainer. Mittlerweile bin ich Abteilungsleiter des TSV Neusäß und zirca dreimal in der Woche dort.“ Zudem liest er sehr viele wissenschaftliche Artikel, getreu dem Motto: Man weiß nie, was man alles entdeckt.

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