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Aichach-Friedberg

07.12.2018

Deshalb schrumpft das Friedberger Gymnasium

Angst vor leeren Klassenzimmern hat die Rektorin des Friedberger Gymnasiums nicht.
Bild: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa (Symbolfoto)

Plus Die Bevölkerung in Aichach-Friedberg wächst, doch die Schülerzahlen sinken. Warum sich Rektorin Ute Multrus trotzdem keine Sorgen um ihre Einrichtung macht.

Das Wittelsbacher Land ist eine Wachstumsregion. Die Einwohnerzahl stieg seit der Jahrtausendwende um 8000 auf über 133000 Menschen. Auf die Zahl der Schüler an Realschulen, Gymnasien und Beruflicher Oberschule wirkt sich das aber nicht aus. Im Gegenteil: Seit Jahren sinkt die Gesamtzahl der Schüler – insbesondere an den Gymnasien. Die Zahl der Grundschüler ist aus dem tiefen Tal mittlerweile heraus und geht seit einigen Jahren sogar wieder nach oben. Doch das schlägt noch nicht an den weiterführenden Schulen durch.

In den drei Gymnasien und vier Realschulen werden jetzt weniger junge Menschen unterrichtet als vor sieben Jahren in damals noch zwei Gymnasien und drei Realschulen. Bei den Gymnasien stechen die Schülerrückgänge besonders ins Auge. Während Mering im Aufbau ist und deshalb zulegt, werden es in Aichach und Friedberg seit etwa 2010 weniger. Den größten Schülerschwund verzeichnet Friedberg. Gegenüber dem Schuljahr 2010/2011 mit 1273 Schülern sind es aktuell mit 760 über 500 Schüler weniger. In Aichach ist die Zahl im selben Zeitraum von 1084 auf 710 gesunken.

Friedberger Gymnasium verliert Schüler an Mering

Ute Multrus, seit September 2017 Rektorin am Friedberger Gymnasium, überrascht das nicht. „Die Schüler, die in Friedberg fehlen, sind jetzt in Mering“, sagt Multrus. Das dritte Kreisgymnasium sei politisch erwünscht gewesen. Dass in Friedberg die Schülerzahlen zurückgingen, sei eben der Preis dafür. Diese Situation könne man nicht ändern. „Friedberg ist eine sehr gute Schule. Ich bin stolz, sie leiten zu dürfen“, sagt Multrus. Sie könne aber jedes Elternpaar aus dem Landkreis-Süden verstehen, das sich für die Schule vor Ort – in Mering – entscheidet. 

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Lesen Sie dazu den Artikel: In Naturwissenschaften spitze: Friedberger Gymnasium erhält Siegel

Einen Negativtrend in Friedberg könne sie nicht erkennen. In diesem Jahr seien 128 Kinder angemeldet worden, zuvor seien es immer um die 95 gewesen. Auch auf das Kursangebot hätte der Rückgang der Schülerzahlen keinen Einfluss. Die Rektorin sieht sogar Vorteile darin, dass nun weniger Jugendliche das Gymnasium besuchen: Andere Schulen müssten nach der Umstellung zu G9 umbauen. „Wir können die Räume nutzen, die wir haben“, sagt sie.

Demografischer Wandel ist verantwortlich sinkende Schülerzahlen

Erklärbar ist die Entwicklung der Schülerzahlen insgesamt vor allem demografisch. Die Geburtsjahrgänge waren bis zur jüngsten Erholung mehr als eine Dekade lang deutlich schwächer als vor 15 oder 20 Jahren. Die Elterngeneration aus der Babyboomer-Zeit der 1960er Jahre hatte mehr Kinder, aber die haben ihre Schullaufbahn meist schon wieder durchlaufen. Und bis das künftig wieder neunjährige Gymnasium zusätzliche Schüler bringt, dauert es noch ein Jahrzehnt.

Seit Jahrzehnten investiert der Landkreis in seine Schullandschaft. Allein seit der Jahrtausendwende belaufen sich die Ausgaben auf 125 Millionen Euro. Mit den Neubauten hat Aichach-Friedberg Schüler ins Wittelsbacher Land zurückgeholt, die bislang vor allem in Augsburg unterrichtet wurden. Alle drei bestehenden Realschulen und das Gymnasium Aichach wurden in dieser Zeit erweitert. Neu gebaut wurden die Fachoberschule (FOS) in Friedberg, die Realschule in Bergen (Affing) und das dritte Kreisgymnasium in Mering.

Und es geht weiter: Neben aktuell laufenden Projekten wird das Friedberger Förderzentrum (Vinzenz-Pallotti-Schule) neu gebaut und für den neuen Gesundheitszweig muss die Berufliche Oberschule in Friedberg erweitert werden.

Die Schülerzahlen in Aichach-Friedberg im Detail

Realschulen Insgesamt 2666 Realschüler (Vorjahr: 2640) in 101 Klassen (101): Aichach (780 Schüler/29 Klassen, Vorjahr: 762/29), Affing-Bergen (515/19, 522/18), Friedberg (785/29, 739/29), Mering (586/24, 617/25). Gastschüler insgesamt in allen vier Schulen: 397 (383). Aichach: 19 Gastschüler (Vorjahr: 21), in Bergen 199 (182).

Gymnasien Insgesamt sind es 2020 Schüler (Vorjahr: 2028) und 86 Klassen (89). In Aichach werden 710 (795) Schüler in 32 (36) Klassen unterrichtet. In Friedberg sind es 760 (772) Schüler in 33 (35) Klassen und in Mering 550 Schüler in 21 Klassen (461/18). Gastschüler: 93 (87).

Förderschulen Insgesamt 422 (Vorjahr: 408) Schüler in 35 (34) Klassen: Aichach (191 Schüler/16 Klassen, Vorjahr 183/16) Friedberg (231/19, 225/18). Gastschüler: insgesamt 43 (34).

Ganztagsschüler Offener Ganztag (Insgesamt 214 Schüler in fünf Schulen des Landkreises), Gebundener Ganztag (249 Schüler in drei Schulen des Landkreises).

Berufliche OberschuleIn Friedberg werden an Fachober- und Berufsoberschule Insgesamt 902 Schüler (Vorjahr: 850) in 36 Klassen (34) unterrichtet. Davon 33 FOS-Klassen (zwei FOS-13-Klassen) mit 838 Schülern (Vorjahr: 31 Klassen und 786 Schüler) und drei BOS-Klassen (eine Vorklasse) mit 64 Schülern (drei Klassen/64 Schüler). Neu sind fünf Klassen (136 Schüler) der Ausbildungsrichtung Gesundheit. Gastschüler: 313 (Vorjahr: 260), davon 289 (Vorjahr: 241) an der FOS.

Wirtschaftsschule Insgesamt 47 Schüler (Vorjahr: 51) in drei Klassen (8. bis 10.) in Pöttmes. Gastschüler: 12 (10).

Berufsschulen 1478 Berufsschüler (Vorjahr: 1516) in 70 Klassen (70): Aichach (621/32, 596/31) und Friedberg (857/38, 920/39). 62 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz werden in zwei Klassen unterrichtet. 73 (Vorjahr 106) junge Migranten werden in vier (Vorjahr: sieben) Klassen berufsvorbereitend beschult. Gastschüler: 542 (844). 95 Berufsfachschüler (Vorjahr: 85) in fünf (vier) Klassen und 19 Hauswirtschaftsschülerinnen (22) in Friedberg.

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