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Dasing und Umgebung

06.06.2013

Dialektsprecher ehren einen Kriegsgott

Andrea Schamberger-Hirt
Bild: Sascha Geldermann

Vortrag Zuhörer in Dasing erfahren von der Linguistin Andrea Schamberger-Hirt mehr über die Mundarten der Region

Dasing Die meisten Deutschen sprechen einen Dialekt. Die Linguistin Andrea Schamberger-Hirt geht bei ihrem Vortrag im Dasinger Bäckerwirt sogar noch weiter. „Ich bezweifle, dass es im Alltag überhaupt ein standardisiertes Deutsch gibt“, sagt sie zu ihren rund 60 Zuhörern. Auch in Dasing und Umgebung seien Mundarten ein sprachliches Aushängeschild der Heimat. Die Sprachwissenschaftlerin erklärt, wie sich der Dialekt in der Region genau zusammensetzt.

Im Landkreis Aichach-Friedberg dominiert der bairische Dialekt. Doch je weiter es in den Süden geht, desto mehr gewinnen die schwäbischen Einflüsse an Stärke. So sprechen die Menschen in Mering, Kissing oder Schmiechen das Wort „Hirn“ schwäbisch als „Hira“ aus. Ein paar Kilometer weiter im Norden und Osten sagen die Leute in Dasing, Friedberg oder Eurasburg dagegen bairisch geprägt „Hian“.

Auch bei der Bezeichnung des Dienstags gibt es im Landkreis eine schwäbisch-bairische Grenze. Im Norden heißt der Wochentag „Mörada“, was auf den griechischen Kriegsgott Ares zurückgeht. Das frühe Bistum Augsburg verbannte diese heidnische Ehrung dagegen, weswegen der Tag im Süden als „Aftrmejda“ bekannt ist. Das bedeutet schlicht „nach Montag“. Schamberger-Hirt weist aber darauf hin, dass diese alten Dialektwörter am Aussterben sind. „Von jüngeren Sprechern hört man mittlerweile wohl eher Dienschdog“, sagt sie.

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Manche Merkmale sind aber auch im gesamten Landkreis einheitlich. So greifen die Menschen hier durchgängig auf die schwäbische Verkleinerungsform zurück, sodass sie zu „Hündlein“ immer „Hundla“ sagen. Das Wort „heiß“ klingt bei ihnen dagegen immer bairisch „hoas“.

Früher sprachen die Dasinger ihren eigenen Ortsnamen eher wie Däsing aus. Schamberger-Hirt zeigt Schriften des Lehrers Franz Nußrainer aus dem Jahr 1934, auf denen noch die alte Schreibung „Desing“ steht. Nußrainer gehört zu den 165 Sprechern aus dem Landkreis, die im Laufe der Jahrzehnte Belege für das Bayerische Wörterbuch geliefert haben. Als Mitarbeiterin der Kommission für Mundartforschung arbeitet Schamberger-Hirt an dieser Buchreihe. Zurzeit gibt es dafür im Landkreis noch 13 Mundartsammler. Dazu gehört auch Katharina Michel. Sie hatte Schamberger-Hirt zu dem Vortrag in Dasing ermutigt, den dann der Heimatkundliche Kreis des Ortes organisierte.

Die Linguistin motiviert die Zuhörer dazu, ihre Mundart weiterzugeben. „Bitte sprechen sie mit ihren Kindern oder Enkeln ganz bewusst Dialekt“, sagt sie. Untersuchungen hätten ergeben, dass Kinder mit solchen Kenntnissen in der Schule leichter Fremdsprachen lernen. Außerdem seien Mundarten ein erhaltenswerter Spiegel der Geschichte einer Region. Schamberger-Hirt geht nicht davon aus, dass die hiesige Mundart ausstirbt. Sie sagt aber: „Die Vielzahl der örtlichen Dialekte wird wohl zugunsten von großräumigeren Regionalmundarten zurückgehen.

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