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Kultur

09.11.2017

Die Figuren entstehen beim Schreiben

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Erfolgsautorin Anne Jacobs liest in der Buchhandlung Gerblinger aus ihrem neuen Roman "Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten" vor.
Bild: Sabine Roth

Mit der Triologie „Die Tuchvilla“ gelang Schriftstellerin Anne Jacobs der Durchbruch. In einer Lesung stellt sie nun ihren neuesten Roman vor. Im Interview verrät sie, wie sie ihre Charaktere zum Leben erweckt.

Was erwartet die Leser in Ihrem neuen Roman „Das Gutshaus“?

Anne Jacobs: Es geht um ein ehemaliges herrschaftliches Anwesen in Mecklenburg-Vorpommern und um eine sture 70-Jährige, die unbedingt das Haus zurückhaben will, in dem sie ihre Kindheit verbracht hat. Wird es ihr gelingen, die Vergangenheit zurückzuholen und die zerrissene Familie wieder zu vereinen? Drei Frauengenerationen stehen sich am Anfang des Romans verständnislos bis feindselig gegenüber. Die Frage bleibt, ob das alte Haus als Brücke dienen kann, um die Familie wieder zusammenzuführen.

Was hat Sie dazu inspiriert?

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Jacobs: Den Grundgedanken zum Roman hatte ich schon 2002, als ich mit Freunden durch Mecklenburg-Vorpommern reiste und viele, wunderschöne alte Häuser zu sehen bekam. Ich glaube an die Magie solcher Häuser, denn sie tragen das Leben der Menschen, die in ihnen gewohnt haben, in ihren Mauern.

War es immer schon ihr großer Traum, Schriftstellerin zu werden?

Jacobs: Als Kind wollte ich nicht Autorin, sondern Opernsängerin werden wie meine Tante. Eine verrückte und ziemlich sinnlose Idee, an der ich viel zu lange gehangen habe. Ich studierte Musik und Sprachen, arbeitete in einem Buchladen, heiratete und bekam zwei Kinder. Mit dem Schreiben habe ich erst spät begonnen, habe aber dann sehr schnell gemerkt, dass es meine eigentliche Begabung und Bestimmung ist.

Woher nehmen Sie ihre Ideen für neue Geschichten?

Jacobs: Themen gibt es unendlich viele, sie liegen sozusagen auf der Straße.

Wenn Sie eine Idee für einen Roman entwickelt haben, wie geht es dann weiter?

Jacobs: Ich bespreche sie mit meiner Agentur und verfasse ein Exposé. Das geht dann an die Verlage. Wird es gekauft, bekomme ich einen Vorschuss, von dem ich leben kann, während ich das Buch schreibe. Wenn ich dann an der Arbeit bin, entwickeln sich die Protagonisten fast wie von selbst. Sie entstehen aus der Geschichte heraus, werden lebendig und stellen ihre Forderungen an mich. Eine schwierige Sache, denn man muss ihnen gerecht werden, sonst nehmen sie es einem übel. Manchmal muss ich hart mit ihnen sein, bringe sie in Extremsituationen. Das tut mir oft Leid, aber die Romanhandlung erfordert es. Schlimm ist es, wenn ich jemanden umbringen muss.

Wie lange schreiben Sie an einem Roman?

Jacobs: Etwa ein halbes Jahr. Mit Recherche und Planungen bin ich etwa ein Jahr mit einem Projekt beschäftigt.

Ihre Romane haben oft einen historischen Hintergrund. Wie gehen Sie bei der Recherche vor?

Jacobs: Das ist immer wieder spannend, aber auch gefährlich, weil man sich darin verlieren kann. Das Internet bietet faszinierendere Möglichkeiten, aber auch Bibliotheken, Zeitschriften, Zeugenbefragungen oder Ortsbesichtigungen gehören dazu. Ein Roman braucht einen soliden historischen Hintergrund, der gründlich recherchiert ist. Oft muss man während des Schreibens noch das ein oder andere Detail nachschauen. Dennoch stehen bei mir immer die Protagonisten und ihr Leben im Vordergrund. Ich bin eine Romanschriftstellerin und schreibe keine Geschichtsbücher. Mein Ziel ist es, meine Leser zu unterhalten und nicht sie zu belehren.

Wie sieht der Tag einer erfolgreichen Schriftstellerin aus?

Jacobs: Mein Arbeitstag ist gut strukturiert: der Vormittag besteht aus Büroarbeiten, Telefonaten und dem Zusammentragen von Recherchematerial. Am Nachmittag plane ich das Kapitel, das ich schreiben will, mache mir Notizen oder recherchiere gezielt. Gegen 18 Uhr beginne ich mit dem Schreiben, meist bis Mitternacht, manchmal auch länger. Dazwischen mache ich Pausen, schon meinem Rücken zuliebe, oder spiele mit meinen Hunden.

Welche Autoren lesen Sie selbst gerne?

Jacobs: Ich habe einige Lieblingsschriftsteller, die ich immer wieder mit Vergnügen lese, darunter Charles Dickens oder die Kurzgeschichten von Anton Tschechow. Meine Lesehighlights in diesem Jahr waren „Anton hat kein Glück“ von Lars Vasa, weil es phantasievoll und skurril ist, und der Roman „Ein Monat auf dem Land“ von J.L. Carr, eine Geschichte, in der sich Zartheit, Witz und Tiefgang vereinen.

Lesung Am Freitag, 10. November, stellt Anne Jacobs ihren neuen Roman „Das Gutshaus – Glanzvolle Zeiten“ in der Buchhandlung Gerblinger in Friedberg vor. Die Lesung beginnt um 19 Uhr.

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