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Friedberger Zeit

11.07.2019

Die Friedberger Zeit: Wie alles begann

Der Fackelzug am Ende ist ein Höhepunkt des Altstadtfestes in Friedberg. Die Idee entstand beim Fernsehschauen.
Bild: Andreas Schmidt

Das Altstadtfest in Friedberg gibt es seit 30 Jahren. Das Ehepaar Reißner und Otmar Selder erzählen von den Anfängen, Panzerknackern und inspirierenden Western.

Die schönsten Dinge entstehen aus Zufällen. So der Fackel-umzug, ein Höhepunkt zum Abschluss der Friedberger Zeit. Ihn gibt es nur, weil Martha und Franz Reißner eines Abends einen Western schauten. An den Titel erinnern sie sich nicht mehr, aber an die Szene, in der Schauspieler Errol Flynn seiner Liebsten versprach: Wenn sie ihn heirate, würde er alle Glocken der Stadt läuten und einen Fackelzug für sie aufmarschieren lassen. Reißners baten Stadtpfarrer Michael Pfenning um Unterstützung. „Er war sofort begeistert“, erinnern sie sich. Die Stadt wurde verdunkelt, die Schaufensterbeleuchtung ausgeschaltet. „Idee war es, das Fest aus der Stadt zu tragen.“

Das war 1995, bei der dritten Friedberger Zeit. 2019, wenn das Fest sein 30-jähriges Bestehen begeht, sitzen die beiden, die es dreimal organisiert haben, mit dem früheren Kommunalreferenten Otmar Selder beisammen und blicken zurück auf die Anfänge. Und darauf, wie damals alles ganz schnell gehen musste. Denn den Beschluss, anlässlich der 725-Jahr-Feier der Stadt im Sommer ein historisches Fest zu veranstalten, fasste der Stadtrat erst im Dezember. „Das war knapp“, erinnert sich Selder.

Der Vorläufer der Friedberger Zeit war ein "normales" Stadtfest

„Alle haben mit Hurra darauf hingearbeitet.“ Und zwar die ganze Stadt. Die Vorläufer des Altstadtfestes war ein „normales“ Stadtfest 1979 mit dem Ziel, die umliegenden Dörfer und die Kernstadt nach der Eingemeindung zu einer Einheit zusammenzufügen. Das sei mit der Friedberger Zeit tatsächlich gelungen.

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Von Beginn an waren Vereine, Musikgruppen, Schulen, Handwerker und Standbetreiber aus den Ortsteilen vertreten und fühlten sich zugehörig. „Das Zusammengehörigkeitsgefühl war von Anfang an Grundtenor“, erinnert sich Franz Reißner.

Erster Sonntag historisches Altstadtfest Friedberger Zeit
253 Bilder
Der erste Sonntag beim Friedberger Altstadtfest
Bild: Andreas Schmidt, Peter Kleist, Sebastian Mayr

Die Idee, nicht ein x-beliebiges Stadtfest, sondern etwas geschichtsträchtiges auf die Beine zu stellen, hatten zwei Historiker: die damaligen Gymnasiallehrer Dr. Erich Unglaub und Dr. Hubert Raab. Auf Unglaub geht laut Reißner auch der Titel „Friedberger Zeit“ zurück. Die Geschichtslehrer setzten in der Politik durch, das Barock als goldenes Zeitalter für Friedberg in den Mittelpunkt zu stellen, und nicht etwa das Mittelalter, wie vielerorts üblich, oder Renaissance, wie bei den Augsburger Bürgerfesten.

Beim ersten Fest kamen schon 600 Friedberger in Gewand

Eigentlich sollte die Friedberger Zeit eine einmalige Sache bleiben, aber der Erfolg änderte das. Schon bei der ersten Auflage waren 600 Bürger eingekleidet (die Stadt stellte die Stoffe kostenlos), die 3000 Sitzplätze gut gefüllt. Ganz so eng wie heute, erinnern sich „Veteranen“ der Veranstaltung, ging es allerdings nicht zu. Doch entschied der Stadtrat, die Friedberger Zeit fortan alle drei Jahre zu veranstalten. Der Rhythmus wurde laut Otmar Selder gewählt, um den Augsburger Bürgerfesten nicht ins Gehege zu kommen; außerdem sollte das Fest etwas Besonderes bleiben.

Daher die Historientreue, die allen großes Anliegen ist. Was sie für Blüten trieb, zeigt eine Anekdote: Zwei Feste lang musste die Stadtkapelle im Knien aus den Rathausfenstern hinaus spielen, bevor sie stilecht eingekleidet werden konnten.

So entwickelte sich das Altstadtfest in Friedberg

Die erste Friedberger Zeit organisierte Jürgen Koppold, der für den erkrankten Anton Schuster von der Stadtverwaltung einsprang. Danach übernahm das Ehepaar Reißner im Auftrag der Stadt dreimal die Organisation; mittlerweile liegt sie in den Händen von Kulturamtsleiter Frank Büschel.

700 Arbeitsstunden rechneten Reißners dann ab. „Das waren nur die, die wir im Büro waren.“ Sie führten Gespräche mit Wirten, Standbetreibern und Handwerkern, schrieben das Zehntagesprogramm, suchten nach neuen Ideen – zum Beispiel den Viehmarkt mit Manfred Losinger und Reinhard Pachner -, organisierten den Einzug und mehr.

Um 6 Uhr morgens begann während der heißen Phase Martha Reißners Arbeitstag, erinnern sie sich. 1995 entstand zusammen mit Anita und Gerd Horseling die Idee, die Sportvereine als Zöllner an den Einlässen einzusetzen. „Am ersten Abend saßen wir wie Panzerknacker in der Archivgalerie und zählten das Geld.“ Ein Leichtes war es für Reißners wegen ihres Engagements im Sportbereich, Akrobatikgruppen aus der Region zu akquirieren.

Sie reisten von Fest zu Fest und hielten nach Akteuren und Ideen Ausschau. 1998 sei ihr schönstes Fest gewesen, meinen sie rückblickend. 250 000 Besucher kamen. „Wir verließen das Fest 1998 im Schandkarren, aber als Triumphzug“, sagen Reißners. Und natürlich sind sie auch ab heute wieder dabei.

Alles Wichtige zur Friedberger Zeit lesen Sie hier: Friedberger Zeit 2019: Infos zu Programm, Eintritt, Anfahrt, Parken

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