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Ried

26.11.2020

Die Gemeinde Ried bekommt einen Erlebnispfad im Höglwald

Die Waldklimastation ist eine Besonderheit des Höglwalds. Hierhin und zu acht weiteren interessanten Stationen soll der neue Erlebnispfad führen.
Bild: Gönül Frey

Plus An einer uralten Eiche bei Zillenberg startet der geplante Walderlebnispfad. Dieser führt an einen ganz besonderen Platz, den einst sogar ein schwedischer König aufsuchte.

Die Natur kann der tollste Spielplatz sein – und das nicht nur für Kinder. In diesem Sinne will die Gemeinde Ried einen Walderlebnispfad im Höglwald errichten. Dieser führt über neun Stationen und bietet neben viel Wissenswertem auch die Gelegenheit zum Abenteuer. Hier eine Vorschau auf das Projekt.

Im Höglwald bei Ried gibt es viel zu entdecken. Im Sommer 2021 soll eine Attraktion dazukommen.
Bild: Edigna Menhard (Archivfoto)

Die Einweihung ist für den Frühsommer 2021 angedacht. "Die Idee kam auf, als wir sahen, wie viel Begeisterung die Wanderbroschüre von Paul Graf hervorgebracht hat”, erläutert Bürgermeister Erwin Gerstlacher. Und weiter: "Auf unseren erlebnisreichen Wegen und Pfaden um Ried gibt es einfach ganz viel zu sehen." Der Walderlebnispfad soll ungefähr 1,5 Kilometer lang werden, an einer uralten Eiche bei Zillenberg starten und auf einem Rundweg an neun Stationen vorbeiführen.

Karl Gustav von Schweden besuchte einst den Höglwald

Dabei wird er unter anderem auch an der Waldklimastation, einem Forschungsprojekt der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising, vorbeiführen. Hier werden schon seit vielen Jahrzehnten Messdaten gesammelt und so wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung des Forsts und den Klimawandel gewonnen. Wissenschaftler aus aller Welt sind hier bereits gewesen. Und einst suchte sogar der schwedische König Karl Gustav die Forschungseinrichtung bei Ried auf.

Der Verlauf des Weges und die Stationen sind inzwischen ausgearbeitet. Für die Umsetzung des Projekts sind im Haushalt der Gemeinde im kommenden Jahr 50.000 Euro vorgesehen, rund die Hälfte der Kosten soll möglichst durch eine Förderung aus dem LEADER-Programm refinanziert werden.

Experten unter sich: v.l.n.r. freuen sich auf den Walderlebnispfad: Peter Graser, Franz-Josef Mayer, Erwin Gerstlacher, Pentti Buchwald,Michael Esper und Melanie Prager.
Bild: Christine Hornischer

Zur besseren Planung hatte sich Gerstlacher mehrere Experten ins Haus geholt. So bilden der Leiter des Walderlebniszentrums Oberschönenfeld, Pentti Buchwald, Forstoberrat Michael Esper vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Mindelheim, Peter Graser, stellvertretender Forstbetriebsleiter in Landsberg, Zweiter Bürgermeister Franz-Josef Mayer aus Ried, Melanie Prager, die Rektorin der Grundschule und Nico Bonanni, der Revierleiter der Bayerischen Staatsforsten Eurasburg West, ein hochqualifiziertes Planungsteam.

Als schwabenweiter Experte für Walderlebnispfade weist Michael Esper auf die Vielzahl von Besonderheiten des geplanten Pfades hin. Vom grünen Klassenzimmer bis hin zu Tierstimmen und Ergebnissen aus der Forschung wird es hier viel und immer wieder Neues zu beobachten geben. In dieser Zusammensetzung und Vielfalt dürfte der Pfad einmalig werden. Entscheidend ist, dass die Kinder Spaß und Freude haben und Wald und Natur selbst direkt erleben können.

Rieder Kinder wünschen sich einen Baumwipfelpfad

Dass ein Walderlebnispfad natürlich zuallererst ein Riesenabenteuer für die Kinder ist, hat Melanie Prager durch eine Umfrage unter den Schülern eruiert. Schnell hat sich dabei herauskristallisiert, dass die meisten Kinder sich vor allem einen Baumwipfelpfad wünschen, von dem aus sie sich auf Augenhöhe mit dem Waldnachwuchs befinden.

Aber auch die Tierbeobachtung oder ein grünes Klassenzimmer rangierten unter den meist gewünschten Einrichtungen. So soll der Walderlebnispfad in neun Stationen aufgegliedert werden: Auf einer Eingangstafel werden der Verlauf des Weges und die Lage der Stationen grafisch dargestellt. Weglänge, Varianten und ein Leitsymbol sollen in einem kurzen Text erläutert werden.

Auch der Klimawandel soll im Walderlebnispfad eine Rolle spielen.
Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolfoto)

Etwas Besonderes ist die Station "Waldklimastation“, an der es beispielsweise Aufschluss über Temperatur, Bestandsniederschlag, Baumwachstum, Bodenfeuchtigkeit und viele andere Parameter geben wird. An der Station "Auf Augenhöhe mit dem Waldnachwuchs“ soll ein Steg den Blick in die Baumkronen junger Bäume ermöglichen. "Menschenkinder und Baumkinder auf Augenhöhe“ heißt es hier.

Damit soll der Fokus auf verschiedene vorhandene Baumarten in der Verjüngung gelenkt werden. Durch Beobachtung über Jahre hinweg kann man dann die Zukunftsbäume erkennen. "Hier hilft der Hinweis, dass der Wald der Zukunft immer aus verschiedenen Baumarten aufgebaut ist – Vielfalt schafft Stabilität“, merkt Forstoberrat Michael Esper an.

Walderlebnispfad: Balancieren und grünes Klassenzimmer

An einer anderen Station schweift von einem Hochstand aus der Blick in den Wald. Dort können zwar keine wilden Tiere beobachtet werden, denn die sind viel zu scheu. Tiersilhouetten sollen dem aber Abhilfe schaffen. Weitere Stationen sollen den Kindern beispielsweise das Balancieren ermöglichen. Für den Unterricht kann das grüne Klassenzimmer genutzt werden, das mit seinen Bänken aus Holz einen Rückzugsort in Klassenstärke darstellt, so der zuständige Revierleiter Nico Bonani. Die erwachsenen Besucher können sich über einen QR-Code an den einzelnen Stationen zusätzliche Informationen zum Wald oder zu neuesten Forschungsergebnissen per Handy oder Tablet abholen.

Klimawandel: Kinder pflanzen einen Schülerwald

Dass dabei auch das Thema Klimawandel eine Rolle spielen soll, ist den Förstern wichtig. Denn der Walderlebnispfad im Höglwald wird sich in den kommenden Jahren verändern. Die alten Fichten werden zunehmend weniger werden.

Und so haben die Kinder in Ried eine besondere Chance, mitzuhelfen, dort den Wald der Zukunft selbst zu gestalten und zu pflanzen. An einer wechselnden Station soll daher der "Schülerwald“ entstehen. Hier wird den Grundschülern von Ried die Gelegenheit geben, in jedem Jahr eine Fläche zu bepflanzen und zwar mit einer Zukunftsbaumart. So wird in zwanzig Jahren im Höglwald ein ganz besonderer Zukunftswald entstanden sein.

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