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Wahl 2020

09.12.2019

Die Grünen sind im Landkreis Aichach-Friedberg im Aufschwung

Grüne Themen wie Flächenfraß und Naturschutz tragen Claudia Eser-Schuberth (links) und Marion Brülls in den Friedberger Stadtrat. Doch auch abseits der großen Kommunen wie Friedberg, Mering und Aichach werden inzwischen Ortsverbände gegründet. Vier kamen dieses Jahr im Landkreis Aichach-Friedberg hinzu, unter anderem in Eurasburg und Schmiechen.
Bild: Ute Krogull

Plus Die Grünen gründen in Aichach-Friedberg immer mehr Ortsverbände. Bei der Kommunalwahl 2020 wollen sie mindestens neun Gemeinderäte erobern.

120 Mitglieder haben die Grünen im Kreis, eine Steigerung um 25 Prozent. Die vier Ortsverbände Pöttmes, Eurasburg, Aindling und Schmiechen sind dieses Jahr entstanden. Merching, Kissing, Aichach, Mering und Friedberg gibt es schon länger. „Ich freue mich über jeden neuen Ortsverband“, sagt Landtagsabgeordnete Christina Haubrich. Wie viele Listen noch für die Räte zusammen kommen, wisse sie nicht. Trotz des Aufschwungs tun sich die Grünen auf dem Land nicht gerade leicht.

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Das zeigt ein Blick in die Küche der familie Jüngst in Inchenhofen. Nach einer Stunde klingelt Rolf Jüngsts Handy zum zweiten Mal. Er steht auf, verlässt den Raum, kehrt nach fünf Minuten zurück. „Er schafft es nicht mehr“, sagt Jüngst und setzt sich wieder an den Küchentisch. Vor ihm die Tagesordnung der Versammlung. Jüngst sagt, dass ein Bekannter nicht mehr kommt. Der wollte mit Jüngst und desen Frau den zehnten Ortsverband der Partei im Wittelsbacher Land gründen.

In Eurasburg kooperieren die Grünen mit Pro Eurasburg

Drei Grünen-Mitglieder sind laut Parteirichtline nötig, um einen Ortsverband zu eröffnen. Heute geht es um Inchenhofen, es wäre der fünfte neue in diesem Jahr. Ein Grund für das Interesse an der Partei ist wohl auch das gute Ergebnis bei der Landtagswahl 2018 (siehe Infokasten). Bei der Kommunalwahl im März wollen sie nach Angaben eines Mitglieds der Landtagsfraktion in möglichst viele Gemeinde- und Stadträten sowie Kreistage einziehen bzw. stärker vertreten sein. Sieben eigene Listen soll es kreisweit geben. Bei zwei, in Eurasburg und Pöttmes, ist eine Kooperation mit einer anderen Liste geplant.

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Zu der geplanten Gründungsversammlung ist Christina Haubrich, Landtagsabgeordnete aus Merching, gekommen. Sie stellt eine Fahne mit dem Sonnenblumen-Logo auf den Tisch und legt Broschüren aus. Haubrich, 48 und seit fünfeinhalb Jahren Kreissprecherin, gibt Tipps für den Wahlkampf. „Ihr müsst überlegen, wie viele Plakatständer ihr braucht“, sagt sie. „Es geht darum, Köpfe zu platzieren.“ Überall, wo sich die Gemeinderatsanwärter präsentieren könnten, sollten sie es tun.

Die Grünen in Schmiechen suchen Kandidaten für den Gemeinderat

In Schmiechen ist der Ortsverband gerade dabei, Kandidaten für die Gemeinderatsliste zu finden. Sieben Mitglieder gibt es bislang, zwölf Personen können kandidieren. Ortsvorsitzender Levin Veit zeigt sich optimistisch: „Es gibt noch Potenzial.“ Ziel sei es, Frauen und jüngere Menschen in den Gemeinderat zu bekommen: „Ich fühle mich als 34-jähriger Mann dort repräsentiert – aber meine Frau und meine Tochter nicht.“

Wie Haubrich sieht Velt einen Hauptgrund für den Aufwind der Grünen in einem traditionell sehr konservativen Landkreis: „Unsere Themen sind bei den Menschen angekommen, vor allem der Klimaschutz. Man sieht, dass wir gute Sacharbeit leisten.“

Und wie sollen grüne Themen in der 1400-Einwohner-Gemeinde eingebracht werden? Noch bastelt der Ortsverband am Programm, doch einiges kann Velt schon sagen: „Wir freuen uns über den künftigen Radweg Mering-Unterbergen, aber das Radwegenetz ist ausbaubar.“ Auch für Jugendliche müsste man einiges tun. Im Ort seien die Grünen bislang auf positive Resonanz gestoßen. „Manche finden allerdings, auf Gemeindeebene sollte es keine Parteien geben, weil das Streit erzeugt.“ Man sehe sich aber nicht als Opposition, sondern wolle zusammenarbeiten. Dass denn auch Alteingesessene zur Gründungsversammlung kamen, hat Velt, der aus Oberbayern stammt, gefreut: „Sie würden uns nicht wählen, aber es ist Interesse da.“

Die Grünen in Friedberg haben ihre Mitgliederzahl verdoppelt

Steigendes Interesse kann auch Claudia Eser-Schuberth von den Friedberger Grünen vermelden. Diese verdoppelten ihre Mitgliederzahl in den vergangenen eineinhalb Jahren – wenn auch auf niedrigem Niveau. Jetzt sind es 27. Außerdem gebe es viele Anfragen und Interessierte, die zu Treffen kommen. „Die Stadtratsliste aufzustellen war ein Kinderspiel; das gab es noch nie.“ 30 Jahre – 1984 war August Müllegger der erste Grünen-Stadtrat – sei es ein „zähes Geschäft“ gewesen. „Jetzt ist die Zeit reif.“ Eser-Schuberth macht einen weiteren Grund für den Aufschwung aus: „In der großen Politik passiert zu wenig.“ Deshalb versuchten Bürger nach, auf lokaler Ebene wirksam zu werden.

Die Leute nehmen Haubrich zufolge immer mehr wahr, dass sich die Grünen auch für andere Themen als Klimaschutz stark machen. Im Kreis sei das etwa: 365-Tage-Ticket, Bahnstrecken ausbauen, Defizit der Kliniken an der Paar reduzieren, Landarzt-Mangel bekämpfen, Flächen einsparen, Naturschutzgebiete erhalten.

Zurück bei den Jüngsts in Inchenhofer: Kerzen brennen, der Kamin wärmt die Stube, das Grünen-Ehepaar vertagt sich auf einen anderen Tag, um den Ortsverband zu gründen. Ein paar Tage später erfährt Jüngst allerdings, dass der Bekannte a nicht mehr mitgründen möchte. Nun sucht er ein drittes Grünen-Mitglied.

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