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Kissing

29.08.2019

Die Katzenmutter aus Kissing

Katzen sind für Traudl Fasching „die göttlichsten Wesen auf dieser Welt“.
Bild: Peter Stöbich

Traudl Fasching hat ein großes Herz für Tiere. Im ersten Stock ihres Kissinger Wohnhauses bietet sie auf hundert Quadratmetern Vierbeinern ein Obdach.

Sandy heißt so, weil sie am Sandberg in Mering gefunden wurde. Die schöne Schwarzhaarige mit den grünen Augen ist eine von unzähligen Katzen, die bei Traudl Fasching landen – weil sie ausgesetzt wurden, sich verlaufen haben, krank oder verletzt sind. Die Katzenmutter aus Kissing kümmert sich seit vielen Jahren um Tiere, die Hilfe brauchen. Ohne Verein im Hintergrund, ehrenamtlich und auf eigene Kosten, versucht sie, die Besitzer zu ermitteln und nutzt dabei ihr landkreisweites Netzwerk oder fährt mit ihren Schützlingen bis nach München zum Tierarzt.

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Das handgeschriebene Schild „Katzenfreunde“ an der Haustür weist nicht auf ein offizielles Heim oder eine Tierpension hin. Im ersten Stock ihres Wohnhauses bietet Traudl Fasching auf hundert Quadratmetern jenen Vierbeinern ein Obdach, die kein Zuhause haben, manchmal sogar auf der B2 angefahren wurden. „Während der Sommerferien nehme ich vorübergehend auch Tiere in Pflege, damit ihre Besitzer wegfahren können.“

Tierschutz in Kissing ohne einen offiziellen Verein

Mehrere Zimmer und Kratzbäume sowie ein großer, mit einem Netz gesicherter Balkon stehen den Samtpfoten zur Verfügung, die laut Fasching „mit ihrer Eleganz und Sanftheit die göttlichsten Wesen auf dieser Welt“ sind. Einen offiziellen Tierschutzverein will sie aber nicht gründen, „weil ich mich nicht mit der Bürokratie und den üblichen Querelen herumärgern möchte“.

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So ist sie fast seit einem Jahrzehnt als Einzelkämpferin tätig, kann aber dank des Internets auf ein Netzwerk verlässlicher Unterstützer zurückgreifen. „Wenn ich mit meinen Recherchen allein nicht mehr weiterkomme, helfen Facebook, Gemeindeverwaltung, andere Tierfreunde und Ärzte.“

Manchmal sei regelrechte Detektivarbeit nötig, um die Besitzer der Katzen ausfindig zu machen. „Hilfreich wäre da eine Registrierung beim Verein Tasso“, sagt sie. Bei diesem Zentralregister kann jeder Halter seinen Liebling unter Angabe von Art, Rasse, Alter, Beschreibung und Name des Tieres sowie ISO-Transpondernummer oder Tätowiernummer und seinen Kontaktdaten kostenlos registrieren lassen. Im Verlustfall können verschiedene kostenlose Leistungen von Tasso zur Rückvermittlung des Tieres in Anspruch genommen werden.

Bei der Kissinger Katzenmutter klingelt das Telefon auch nachts

Auf der Internetseite des Vereins werden Suchmeldungen von verlorenen Haustieren veröffentlicht. Weil die Kissinger Katzenmutter in vielen Notfällen die letzte Rettung ist, klingelt ihr Telefon auch nachts, zum Beispiel, wenn jemand eine tote Katze entdeckt hat. Ist es erlaubt, seinen geliebten Hausgenossen im Garten zu bestatten? „Dazu gibt es klare Regeln“, weiß Fasching.

Nur wer Eigentum besitzt, kann sein Tier – bis zu einer bestimmten Größe – einfach so auf dem Grundstück begraben; in allen anderen Fällen muss der Vermieter zustimmen. Das Grab darf sich aber nicht auf einem Grundstück befinden, das zu einem Wasser- oder Naturschutzgebiet gehört, denn die Leichengifte könnten Gewässer oder Böden verschmutzen. Fasching: „Wer sich unsicher ist, sollte lieber bei seiner Gemeindeverwaltung nachfragen.“

Nur in ganz wenigen Fällen ist die Entsorgung über den Hausmüll überhaupt erlaubt, insbesondere bei kleinen Tieren wie Hamstern, Mäusen, Meerschweinchen oder Frettchen – allerdings müssen diese in die Biomülltonne.

Werden größere Tiere wie Katzen über die Mülltonne entsorgt, stellt das eine Ordnungswidrigkeit dar, und es wird ein saftiges Bußgeld verhängt. Der einfachste Weg, den auch viele Tierärzte gehen, ist die kommunale Tierbeseitigung oder -verwertungsanstalt. Dort wird der Leichnam mit anderen tierischen Abfällen zerkleinert, sterilisiert und als industrieller Brennstoff weiterverwertet.

Ihr ehrenamtliches Engagement finanziert Traudl Fasching durch Spenden, die privaten Pflegeplätze zur Urlaubszeit und aus eigener Tasche. „Ich fahre nicht in Urlaub, gehe nicht groß shoppen und pflege keine teure Hobbys.“ Katzen wie Hetty, Hillbilly oder Randy, so heißen ihre eigenen drei Lieblinge, sind zu ihrem Lebensinhalt geworden. „Denn es gibt vor unserer Haustür so viel Tierelend, das möchte man gar nicht glauben!“

Um ihre Arbeit künftig auf eine solide Basis zu stellen, möchte sie demnächst eine Prüfung nach Paragraf 11 des deutschen Tierschutzgesetzes machen. Eine solche Sachkundebescheinigung kann erforderlich sein, wenn kein entsprechender beruflicher Ausbildungsabschluss oder der Nachweis über den bisherigen beruflichen oder sonstigen Umgang mit Tieren vorliegt.

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