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Ried

17.06.2019

Die Künstlerin mit der Kettensäge

Die Künstlerin Mandana Hanauer hat sich der Konzeptkunst verschrieben. Dabei geht es um Konzept und Idee des jeweiligen Kunstwerkes.
Bild: Christine Hornischer

Mandana Hanauer hat ihr Atelier in Baindlkirch. Immer wieder experimentiert sie mit unterschiedlichen Werkzeugen und Materialien.

Mandana Hanauer hat persische Vorfahren und ihr außergewöhnlicher Vorname bedeutet so viel wie „Unendlichkeit“. Unendlich sind auch ihre Kreativität und Experimentierfreude, schließlich hat sich die Künstlerin aus Baindlkirch schon mit vielen Materialien und Techniken auseinandergesetzt. Dabei greift sie auf immer mehr Werkzeuge zurück – waren es anfangs noch der Pinsel oder Hammer und Meißel, arbeitet sie mittlerweile auch mit einer Kettensäge.

Schon als kleines Mädchen in München begann die 53-Jährige mit dem Zeichnen. „Damals habe ich wie alle kleinen Mädchen Pferde geliebt“, erzählt sie. Also zeichnete sie die Tiere aus Lexika mit dem Kohlestift nach. „Die Kunst begleitet mich schon mein Leben lang“, sagt sie. In der Realschule hatte die Künstlerin das Glück, dass eine Lehrerin künstlerisch tätig war und Töpferkurse gab. So war die allererste Kleinplastik, die Mandana Hanauer zutage förderte, eine Schildkröte – die Lehrerin hatte eine lebende zum Kurs mitgebracht. Auch während ihrer Lehre zur Speditionskauffrau ließ sie die Kunst nicht los. Hanauer nahm „nebenher“ Unterricht in Ölmalerei und Radierung bei der Künstlerin Edith Schumacher in München. „Da habe ich sehr viel über die Regeln in der Malerei gelernt“, sagt sie.

„Irgendwann war dann eine Grenze erreicht“, erzählt die Künstlerin und so wandte sie sich einer neuen Technik zu: Sie nahm Unterricht in Malerei, Pastellkreide, Acryl und Kleinplastiken bei Leon Pollux. „Der war mein Mentor und hat mich stark beeinflusst“, schwärmt die 53-Jährige. Im Jahr 1993 kam wieder die Zeit für eine neue Technik: skulpturale Arbeiten mit Rakutechnik – ein uraltes Brennverfahren aus Japan – bei Michael Guadagno in Amerika. Sein Motto, die Fantasie und Sinne der Betrachter anzuregen, machte sich Hanauer zu eigen. So zeigt ihre Skulptur „Boatpeople“, die im Garten der Baindlircher Werkstatt steht, die Schwere der Flüchtlingsthematik – Granit und Robinie, eines der härtesten Hölzer. Doch „jede Schwere birgt auch die Leichtigkeit in sich“, ist die Künstlerin überzeugt und hat das stilisierte Boot auf den Steinen so befestigt, dass es sich ganz leicht drehen kann. Seit 2018 hat sie ihr Atelier in Baindlkirch geöffnet.

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Die Thematik der Polarität findet sich in vielen ihrer Skulpturen und Bilder. „Wir sind polare Wesen“, sagt sie. „Die beiden Pole gehören untrennbar zusammen, auch wenn wir den bösen Pol vielleicht loswerden wollen“. Dies künstlerisch umzusetzen, sei ihr Ziel. Um ihr Wissen zu vervollständigen, lernte sie beim ehemaligen Dombaumeister von Regensburg und Künstler Richard Triebe in Nittendorf in der Oberpfalz. Und schließlich entschied sie sich für einen Stil: die Konzeptkunst. Dabei stehen nicht die Ausführung im Vordergrund, sondern das Konzept und die Idee. Eines der Ziele ist die Einbeziehung des Betrachters. Gewohnte Sichtweisen, Begriffe und Zusammenhänge der Welt werden hinterfragt. Es wird mit Kontexten, Bedeutungen und Assoziationen gearbeitet. Die Konzeptkunst jongliert wie keine andere Richtung mit den eigenen Vorstellungen des Betrachters, der Blick auf das Wesentliche des Kunstwerks soll frei bleiben.

Genau unter diesem Aspekt ist ihre Ausstellung „The journey – die Reise“ im Rieder Rathaus zu sehen. „Ich habe auf einer eigenen Reise nach Australien, Neuseeland und die Fidjis Eindrücke und Erfahrungen gesammelt, die ich mit dieser Ausstellung widergeben möchte“, sagt die Mutter zweier Töchter und strahlt. Die Reise – das sind fünf Bilder mit Pastellkreide auf Büttenpapier gemalt. Angefangen bei dem Kunstwerk „Der goldene Mittelweg“, der den Lebensweg unserer polarisierten Welt in der Balance zeigen soll, über die Freiheit und Liebe bis hin zum Weg des Friedens in uns und in der Welt will die Künstlerin zusammen mit den Betrachtern eine Welt beschreiten, in der Liebe und Frieden im Mittelpunkt stehen. Mit seinen eigenen Gefühlen konfrontiert, soll der Betrachter, so der Wunsch der Künstlerin, eine Welt des totalen Einlassens und Eintauchens in den Augenblick betreten. Das fünfte Bild „Innerer und äußerer Frieden“ zeigt einen Weg mit feinen Goldplättchen und frohen Farben. Jedes Goldplättchen symbolisiert einen Menschen in seiner Einzigartigkeit, der – im inneren und äußeren Frieden – seinen Weg geht. Dann gibt es vier Stühle, mit unterschiedlichen Sitzformen, die aus einem Eichenholzstamm ausgearbeitet wurden. Jeder einzelne Stuhl steht für ein Symbol: Sonne, Mond, Sterne und eine Zeitreise. Hier heißt es für die Gäste in Ried unter einem Bild Platz nehmen und das Kunstwerk auf sich wirken lassen. Kärtchen, die an den Stühlen befestigt sind, fragen beispielsweise: „Können Sie sich an die Mondfinsternis erinnern?“ Die Tochter der Künstlerin, Jeanne Hanauer hat mit ihrer Mutter zu jedem Kunstwerk ein spezielles Lied ausgesucht, das sie gemeinsam mit Felix Schmotz an der Gitarre singt.

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