1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Die Menschen sind wichtiger als die Gebäude

Jubiläum in Kissing

29.11.2017

Die Menschen sind wichtiger als die Gebäude

Pfarrer Alfredo Quintero feiert sein 20-jähriges Priesterjubiläum mit den Kissinger Gläubigen.
Bild: Heike John

Pfarrer Alfredo Quintero blickt zurück auf 20 Jahre als Priester und feiert gemeinsam mit den Kissingern. In seiner Seelsorge setzt er auf die Begegnungen mit den Gläubigen.

Der Nikolaustag hat für Pfarrer Alfredo Quintero eine ganz besondere Bedeutung. Denn am 6. Dezember 1997 wurde er in seiner Heimat Kolumbien zum Priester geweiht. Sein 20-jähriges Priesterjubiläum feiert der 46-Jährige zusammen mit seiner Kissinger Pfarrgemeinde.

Vor zwei Jahren kam er nach Stationen als Kaplan in Mering und einem Jahr in der Pfarreiengemeinschaft Lechrain als Pfarrer nach St. Stephan/St. Bernhard. „Die Zeit vergeht so schnell und einige Umzugskisten habe ich immer noch nicht ausgepackt“, erzählt Alfredo Quintero und lacht.

Kissinger Priester hat sich an häufige Ortswechsel gewöhnt

Häufige Ortswechsel waren in seinem bisherigen bewegten Priesterleben mit vielen verschiedenen Aufgaben nichts Ungewöhnliches. Nur drei Jahre blieb er als Priester in seiner Heimat Kolumbien. Zunächst war er ein Jahr Kaplan in einer Pfarrgemeinde nahe seines Heimatortes Ocana, eine Stadt an der Grenze zu Venezuela mit rund 130.000 Einwohnern. Dann wurde er auf Wunsch seines Bischofs Rektor der Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau von Torcoroma, die zu den nationalen Denkmälern Kolumbiens gehört. Zu ihr hat er eine sehr persönliche Verbindung, die in der Kindheit wurzelt. Im Alter von einem Jahr erkrankte er schwer und sein Cousin pilgerte mit ihm auf den Schultern den zehn Kilometer langen Weg zur Kirche, um Gesundheit für den Buben zu erbitten. Während seiner Zeit in Kolumbien, wo weit mehr als 80 Prozent der Bevölkerung katholischen Glaubens sind, erlebte Alfredo Quintero vor allem den puren Glauben der einfachen Bauern im ländlichen Raum. In Deutschland ist er wie alle Pfarrer mit einem Rückzug des Glaubens konfrontiert, wobei er in Kissing mit der Zahl der Gottesdienstbesucher an den Wochenenden zufrieden ist, wie er betont.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Wichtig sei, dass die Pfarrei über die liturgischen Feste hinaus ein Mittelpunkt für die Begegnung von Menschen ist und immer wieder neue Angebote schaffe, damit die Menschen in ihrer Freizeit zusammenkommen, findet Alfredo Quintero. In Kissing hat er dazu viel Engagement angetroffen, sei es Gruppen wie der Frauenbund, die von den Senioren geliebten Pfarrnachmittage, Ministrantenarbeit, Veranstaltungen des Förderkreises für Kirchenmusik und vieles mehr. Vor allem über die Ressourcen und die Unterstützung der beiden aktiven Gremien Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung ist der Pfarrer sehr froh.

Pater Quintero ist auch für Kirchenrenovierungen zuständig

Wie in fast allen Kirchengemeinden stehen auch in Kissing Renovierungen an. Derzeitiges Projekt nach Abschluss der Burgstallrenovierung sind nun die Altäre von St. Stephan. Wichtiger als die Gebäude, die Gotteshäuser, seien aber die Menschen. Eine lebendige Pfarrei brauche die Begegnung, betont Alfredo Quintero noch einmal und schwärmt vom kürzlichen Martinsfest im Kindergarten zusammen mit den Eltern. „Ich bin Gott sehr dankbar, dass ich in den vergangenen 20 Jahren als Priester so viele verschiedene Erfahrungen machen durfte“.

Immer mal wieder wird er auch auf das Zölibat angesprochen. „Die Kirche ist in einem Wandlungsprozess und es kann gut sein, dass man in Zukunft neue Wege gehen wird“, glaubt Alfredo Quintero. „Das Zölibat ist nicht einfach, aber es macht das Herz frei für alle Energie auf Gott“, sagt der 46-Jährige.

Für die Zukunft wünscht er sich, seiner Berufung immer treu bleiben zu können und nie in Routine zu verfallen. Dafür Sorge zu tragen, gibt er auch in Ehegesprächen den jungen Paaren mit auf den Weg. Sehr prägend waren für Quintero auch die zehn Jahre, die er zum eigenen Studium und als Dozent für Ekklesiologie an der Pontifikaluniversität der Jesuiten in Rom verbrachte. „Dort habe ich die Universalität der Kirche gespürt“, erzählt er. Und so kann es immer mal wieder vorkommen, dass er im Gespräch kurz in die italienische Sprache verfällt. An seine ersten deutschen Worte erinnert er sich Alfredo Quintero noch genau. „Es war der Empfang bei Papst Benedikt und ich habe eine halbe Stunde lang vorher geübt zu sagen ,Heiliger Vater segnen Sie mich’.“

Mit Deutschland erstmals in Berührung kam er, als er sich für einen zweimonatigen Deutschkurs an der Uni Bonn bewarb. Durch Zufall ergab sich dann die Mitarbeit an der Vorbereitung des Weltjugendtags 2015 im Bistum Köln. Parallel dazu wurde er Seelsorger einer italienischen Gemeinde in Wuppertal. Schon bevor Alfredo Quintero ganz nach Deutschland kam, verbrachte er einige Sommer als Urlaubsvertretung des dortigen Pfarrers im oberbayerischen Huglfing, von wo er heute noch jedes Jahr in der Weihnachtszeit ein Paket mit selbst gebackenen Plätzchen erhält.

Das Zwischenmenschliche ist ihm sehr wichtig und noch heute zeigt er sich überwältigt von der großen Anteilnahme der Kissinger Pfarrgemeinde beim Tod seiner Mutter in Kolumbien. Gerade einmal drei Monate war er damals Pfarrer in Kissing. Nun freut sich der Priesterjubilar auf das Feiern mit seiner Kirchengemeinde und auf das bevorstehende Weihnachtsfest. „Am schönsten sind für mich die Kinderchristmetten in St. Stephan und St. Bernhard mit den jungen Familien, wenn sich die Vorfreude auf Weihnachten in den Augen der Kinder spiegelt“.

Feier Das 20-jährige Priesterjubiläum von Pfarrer Alfredo Quintero wird am Samstag, 2. Dezember gefeiert. Dazu lädt die katholische Pfarrei St. Stephan-St. Bernhard um 18.30 Uhr zum Dankgottesdienst in die Kirche St. Bernhard ein. Anschließend findet im Dr.-Josef-Zimmermann-Haus ein Stehempfang statt, zu dem Kirchenpflegerin Anita Greinwald und der Pfarrgemeinderatsvorsitzender Peter Franz ebenfalls einladen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren