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Mering

20.11.2019

Die Meringer SPD blickt auf 100 Jahre zurück

in Großereignis für die Meringer SPD war der Besuch von Willi Brandt in der Marktgemeinde im August 1961. Der damalige Bürgermeister Josef Heinrich überreichte ihm eine Vase von der Firma Lipp.
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in Großereignis für die Meringer SPD war der Besuch von Willi Brandt in der Marktgemeinde im August 1961. Der damalige Bürgermeister Josef Heinrich überreichte ihm eine Vase von der Firma Lipp.
Foto: Repro Weber

In Mering wurde vor 100 Jahren der SPD-Ortsverband gegründet und gab der damaligen Arbeiterbewegung ein Gesicht in Mering. Ein ganz besonderer Gast war zu Besuch in Mering.

Wenn am kommenden Freitag der Meringer Ortsverein der SPD sein hundertjähriges Bestehen feiern kann, ist das nicht zuletzt ein Verdienst von Hans Weber. Denn lange Zeit wusste man nichts über die Wurzeln des Ortsvereins, geschweige denn das Gründungsjahr 1919. „Als ich damals in den 70er Jahren im Ortsverein als Schriftführer anfing, konnte mir keiner sagen, ob es die SPD schon vor 1933 in Mering gab“, erinnert sich Weber. Mehrere Besuche im Staatsarchiv in München brachten schließlich Aufschluss. Dort wälzte er Bände des Meringer Anzeigers und brachte Fakten zur Gründung des Ortsvereins zutage.

Im Grunde kann man bildlich sagen, dass die „Kinderschuhe“ der Meringer SPD in der Schuhfabrik entstanden. Die Firma Berneis-Wessels an der Hörmannsberger Straße am Ortsausgang von Mering war damals größter Industriebetrieb am Ort und wird als Keimzelle des Ortsvereins angesehen. Dort in der Arbeiterschaft erstarkte die Sozialdemokratie. Zum ersten Vorsitzenden wurde Otto Haberstock gewählt, der Werkmeister in der Schuhfabrik war.

Im Juni 1919 waren erstmals SPD-Mitglieder im Gemeindeparlament vertreten, im November desselben Jahres kam es zu Ortsvereinsgründung. Dies war 56 Jahre nach der Geburtsstunde der sozialdemokratischen Partei, die im Mai 1863 als Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein gegründet wurde. All dies lässt sich in der weit über hundert Seiten umfassenden Chronik des Meringer Ortsvereins nachlesen. Darin liefert Johann Weber bis zum Jahr 2009 nicht nur viele Fakten rund um ein sturmerprobtes knappes Jahrhundert, sondern stellt diese auch in einen zeitgeschichtlichen Kontext.

Die Gründung des sozialdemokratischen Vereins in Mering und die Zeit der Weimarer Republik hat der Meringer Heimatforscher ausführlich in seinem 1989 herausgegebenen Buch „Sozialdemokratischer Verein Mering und Umgebung 1919 bis 1933“ beschrieben.

In den vergangenen zehn Jahren übernahm Hartmut Jänel die Fortschreibung der Fakten und Ereignisse des Ortsvereins, sodass die Meringer Sozialdemokraten zum hundertjährigen Gründungsfest nun umfangreich Rückblick halten können.

In den Reihen der Genossen sind einige prägende Persönlichkeiten. Dazu gehört in der Zeit von 1919 bis 1939 Heinrich Postenrieder, Inhaber eines Steinmetzgeschäfts. Seine Zivilcourage brachte dem überzeugten Sozialdemokraten viel Unannehmlichkeiten durch die Nazis ein und seine Parteizugehörigkeit schadete ihm auch als Geschäftsmann. Die herausragendste Leistung des SPD-Gemeinderats war 1925 die Durchführung der Straßenbenennung statt der bisherigen Hausnummerierungen in Mering.

Motor des nach dem Krieg im Januar 1946 wieder neu gegründeten Ortsvereins war Josef Heinrich, Vater des heutigen dritten Bürgermeisters Reiner Heinrich. Auf ihn geht 1954 die Initiative für ein Freibad zurück und er schaufelte dafür eigenhändig die Grube, wie sich sein Sohn erinnert. Bei den Kommunalwahlen im März 1960 wurde Josef Heinrich als erster SPD-Bürgermeister von Mering gewählt und blieb über drei Wahlperioden bis 1978 im Amt.

Willy Brandt besucht 1961 Mering

In seine Amtszeit fiel auch die Begründung der Städtepartnerschaft mit Ambérieu im Jahr 1973. Im Januar 1951 führten die Selbstständigkeitsbestrebungen der Siedler zur Gründung eines eigenen Ortsvereins in St. Afra mit der Bezeichnung SPD Mering II, der bis März 1975 erhalten blieb. Dort war Willi Erlbeck der Sozialdemokrat, der den Meringern am nachhaltigsten im Gedächtnis geblieben sein dürfte. Er machte sich einen Namen durch seine politische Tätigkeit und sein geselliges Wesen sowie die Weiterführung der von den Eltern übernommenen Genossenschaftskantine.

Im Gasthaus Erlbeck kehrte auch Willy Brandt auf seiner Wahlkampfreise durch den Landkreis am 3. August 1961 ein. Anschließend wurde er in Mering von Bürgermeister Josef Heinrich empfangen, hielt vor gut tausend Zuhörern eine Rede auf der Treppe der heutigen Luitpold-Grundschule und nahm eine Vase der Töpferei Lipp in Empfang.

Neben solchen Highlights gab es auch Tiefpunkte in den vergangenen hundert Jahren des SPD-Ortsvereins. Dazu zählt neben der NS-Zeit auch die Wahl-Affäre vom März 1966, bei der eine Manipulierung bei der Stimmenauszählung in St. Afra zugunsten der SPD unterstellt wurde. Untrennbar mit dem Meringer Ortsverein verbunden ist der beliebte SPD-Flohmarkt, der bereits im März 1975 von Tamara Schmelcher vom damaligen SPD-Frauenkreis ins Leben gerufen wurde und bis heute zweimal jährlich stattfindet.

Ein weiteres parteiunabhängiges Engagement war seit 1989 die Herausgabe des Fahrplans für Bus und Bahn unter dem SPD-Logo, den es aber künftig nicht mehr geben wird. Hans Weber hatte diese Aufgabe seit 1989 ehrenamtlich übernommen. Aus Alters- und Gesundheitsgründen hört er auf. Trotz Suche hat sich keine Nachfolge gefunden.

Mittlerweile ist Hans-Dieter Kandler in seiner vierten Amtsperioden SPD-Bürgermeister und Rathauschef. Inzwischen ist ein Generationswechsel im Ortsverein eingeläutet. Kandler tritt nicht mehr an und Stefan Hummel ist nun als Bürgermeisterkandidat aufgestellt. Eine Verjüngung fand auch im Vorsitz des nun hundertjährigen Ortsvereins statt. Seit Frühjahr diesen Jahres leitet der 29-jährige Fachinformatiker und Juso-Vorsitzende von Aichach-Friedberg, Christian Gerold, die Meringer SPD.

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