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Gesellschaft

16.10.2017

Die Obdachlosigkeit in Friedberg nimmt zu

Die Obdachlosenunterkunft der Stadt Friedberg ist voll und teilweise sogar überbelegt.
Bild: Ute Krogull (Archiv)

Die Unterkunft in der Birkenau ist teilweise sogar überbelegt. Die Stadt stellt nun auch Wohnungen für Familien bereit. Was treibt die Menschen in diese Situation?

Obdachlosigkeit ist in Zeiten knappen Wohnraums im Großraum Münchner ein wachsendes Problem. Das bekommt jetzt auch die Stadt Friedberg zu spüren. Die Unterkunft Birkenau ist voll – teilweise war sie sogar überbelegt. Momentan wohnen dort vier Frauen und fünf Männer zwischen Mitte 20 und Ende 60. Und der Flachbau in Friedberg-West ist mittlerweile nicht mehr die einzige Zuflucht, welche die Stadt bereit hält. Im Weilerweg in Ottmaring sind zwei Familien mit Kindern sowie eine Einzelperson einquartiert; eine weitere Familie lebt Am Bierweg in Friedberg-Süd. Außerdem gibt es eine Unterkunft für ein oder zwei Nächte für Durchreisende im Bauhof.

Spricht man über Wohnungsnot, geht es oft um Flüchtlinge. Doch die in Friedberg betroffenen Familien seien allesamt keine Asylbewerber, berichtete Thomas Gunzl, der in der Stadtverwaltung für die Unterkünfte zuständig ist. Was aber treibt immer mehr Menschen in die Obdachlosigkeit? Gunzl zählte im Sozialausschuss des Stadtrates eine ganze Reihe von Ursachen auf, die oft ineinander spielen: Zwangsräumung, Schicksalsschläge, Süchte, Straffälligkeit, Entlassung aus Gefängnis oder Bezirkskrankenhaus. Manche Menschen haben lange auf der Straße gelebt und halten das nicht mehr aus.

Die Stadt ist gesetzlich verpflichtet, Bürger vor Obdachlosigkeit zu schützen. Die Unterkünfte sind sehr einfach ausgestattet – schließlich will man es niemandem zu gemütlich machen. Sie sollen nur eine Übergangslösung sein. Trotzdem bleiben die Menschen in der Regel mindestens einen Monat, viele sogar jahrelang. Manche kommen immer wieder, von einem „Drehtür-Effekt“ spricht man da.

Gunzl, der Vize-Chef des Friedberger Finanzreferats und kein Sozialpädagoge ist, kann sich um diese Menschen nicht ausreichend kümmern. Daher hat die Stadt als erste Kommune in der Region vor einem Jahr den Sozialverband SKM beauftragt, sich der Menschen in der Birkenau anzunehmen. Denn der Umgang mit ihnen ist nicht leicht.

Wie Gunzl berichtet, seien viele beratungsresistent, hielten Termine nicht ein und hätten sich teils in ihrer Situation ganz gut eingerichtet. Sie mit Sanktionen unter Druck zu setzen, sei schwierig. Immer wieder komme es zu Konflikten unter den Bewohnern – vor allem als aus Platznot einmal zwei Personen in einem Zimmer untergebracht werden mussten.

Der SKM-Sozialarbeiter Knut Bliesener ist nun fünf Stunden die Woche in der Birkenau vor Ort. Seit fast 30 Jahren kümmert er sich um Obdachlose. So nah wie jetzt kam aber selbst er ihnen noch nie. Der SKM hat eine Wärmestube in der Augsburger Stadtmitte und ist an Treffpunkten der Szene präsent - nicht jedoch in Unterkünften. Einen Vormittag und einen Abend in der Woche sitzt Bliesener an seinem Schreibtisch in Friedberg, musste aber auch schon oft mit Bewohnern ins Aichacher Jobcenter fahren. Die Menschen selber können sich dazu nicht mehr selber aufraffen. Für die Stadt hat das einen finanziellen Vorteil: Sie bekommt dann vom Jobcenter wenigstens eine, wenn auch geringe, Miete.

Bliesener lobte die Stadt für ihr Pionierprojekt. Er kann sich allerdings noch einige andere Schritte vorstellen: etwa eine Art betreute Wohngemeinschaft oder den Aufbau eines Netzwerks von ehrenamtlichen Helfern, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Bürgernetz. Engagiert in dem Bereich ist bereits die Initiative „Private Obdachlosenhilfe Friedberg“ um Petra Gerber und Robert Höck. Diese kümmert sich immer wieder um Wohnungslose in Augsburg, aber auch hier. Wie Bliesener sagte, mangelt es letztendlich an dauerhaftem Wohnraum. „Ich habe es in dem Jahr nicht geschafft, auch nur einen Einzigen in eine Wohnung zu vermitteln. Das ist frustrierend“, so der Sozialarbeiter.

Die Mitglieder des Sozialausschusses konnten insofern helfen, als sie die Fördermittel von 16000 auf 20000 Euro jährlich aufstockten. Alle Parteien sahen die Notwendigkeit, hier Unterstützung zu leisten, zumal es der Bürgerschaft in Friedberg sehr gut gehe, wie Cornelia Böhm, FDP, es ausdrückte. Johannes Hatzold, FW, wies darauf hin, dass nicht nur eine finanzielle Diskrepanz herrsche: „Das Problem ist in der Birkenau auch geografisch ganz weit weg von uns“, sagte er. Selbst der Sozialausschuss war noch nie vor Ort. Das immerhin soll sich ändern.

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