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Diskussion

17.11.2014

Die Seele eines Gebäudes darf nicht verloren gehen

Sie diskutierten über Denkmalschutz: (von links) Bauherr Franz Hölzl, Architekt Martin Endhardt, Baureferent Carlo Haupt und Moderatorin Nina Hehn.
Bild: Marcel Rother

Abschlussveranstaltung der Bauherrentage zeigt, wie viele Schritte beim Denkmalschutz nötig sind

Es ist ein Schmuckstück, das mit seiner exponierten Lage direkt am St. Jakob-Platz das Gesicht der Friedberger Altstadt prägt: Das aus dem 17. Jahrhundert stammende Stemmer-Haus. Über Jahre hinweg brach gelegen, wird das Baudenkmal von Bauherr Franz Hölzl saniert und aus seinem Dornröschenschlaf geholt. Was es in diesem besonderen Fall zu beachten gilt und mit welchen Herausforderungen man sich im Allgemeinen bei der Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden konfrontiert sieht, darüber diskutierten Franz Hölzl, der Architekt Martin Endhardt und Carlo Haupt, Baureferent der Stadt Friedberg. Der für die Podiumsdiskussion „Das Denkmal zwischen gestern und heute“ angekündigte Denkmalpfleger Professor Eberhard Hilbich fiel krankheitsbedingt aus. Die Diskussion markierte den Abschluss der vierten Bauherrentage, die vom Baureferat der Stadt Friedberg in Zusammenarbeit mit dem Verein für Baukultur Friedberg veranstaltet wurden und erstmals in der Mensa der Grund- und Mittelschule stattfanden.

Im Zentrum der Podiumsdiskussion stand die Frage, wie es gelingen kann, denkmalgeschützte Gebäude sinnvoll zu erhalten und gleichzeitig den lokalen und globalen Anforderungen der Gegenwart Rechnung zu tragen. „Wir haben in Friedberg die Altstadt als denkmalgeschütztes Ensemble mit 350 Gebäuden und 90 Gebäude, die unter Einzeldenkmalschutz stehen“, so Carlo Haupt. Bei einer Sanierung müsse darauf geachtet werden, was das ausschlaggebende Kriterium für den Denkmalschutz sei – der Dachstuhl, die Fassade oder die historische Grundrissstruktur. Auf dieser Grundlage könne nur in jedem Einzelfall, etwa über geeignete Mittel der energetischen Sanierung oder den Einbau eines Aufzugs, entschieden werden.

Bei der Sanierung des Stemmer-Hauses haben Bauherr, Stadt und Landesamt für Denkmalpflege an einem Strang gezogen. Aufgrund der langen Geschichte des Hauses wurde ein Bauforscher hinzugezogen, um beurteilen zu können, aus welcher Zeit einzelne Bauteile stammen und an welcher Stelle neue Bauteile – wie eine Treppe – eingefügt werden können. „Ein Denkmal hat eine Seele und die Seele des Gebäudes darf nicht verloren gehen“, so Carlo Haupt. Dass die energetische Sanierung nicht zwangsläufig gegen den Denkmalschutz spricht, machte der Architekt Martin Endhardt deutlich. Beispielsweise könne man außen die Originalfenster erhalten und dahinter ein dreifachverglastes Fenster verbauen.

Auch wenn sie sich für die Podiumsdiskussion mehr Zuspruch aus der Bevölkerung gewünscht hätten – einschließlich der Diskutanten waren an die 20 Personen gekommen – zeigten sich die Organisatorinnen Carola Einberger, Monika Gebhard und Verena Höhberger mit der vierten Auflage der Bauherrentage zufrieden. „Die räumliche Situation der Mensa mit vielen Info- und Stehtischen hat dazu beigetragen, dass ein reger Austausch mit und unter den Besuchern zustande kam.“ Die Informationsvorträge im Rahmen des Mottos „Nachhaltig bauen und wohnen“ zu Themen wie Energieoptimierung, dem Bau von Passivhäusern, oder Streuobstwiesen und Krautgärten, wurden von den Besuchern gut angenommen.

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