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Friedberg

06.07.2020

Die Städtische Jugendkapelle aus Friedberg probt wieder

Lange mussten die jungen Musiker wegen Corona darauf warten. Nun probt die Städtische Jugendkapelle unter der Leitung von Orchesterchef Andreas Thon wieder in Friedberg.
Bild: Edigna Menhard

Plus Nach der Zwangspause darf die Friedberger Jugendkapelle wieder gemeinsam musizieren. Im Video erklärt Orchesterchef Thon, wie das funktioniert.

Die große Uhr in der Friedberger Stadthalle springt gerade auf 16.00 Uhr – und in dieser Sekunde geht es auch schon los. Drei Monate hat die städtische Jugendkapelle auf diesen Moment gewartet, nun können die Tonkünstler endlich wieder gemeinsam ihre Instrumente erklingen lassen.

Doch nichts ist wie gewohnt. Nur dank einer Ausnahmegenehmigung dürfen sie trotz Corona-Zeiten in der weitläufigen Max-Kreitmayr-Halle proben. Die Stühle sind im Abstand von zwei Metern aufgestellt. Orchesterchef Andreas Thon gibt zu Beginn deshalb erst einmal Sicherheitsanweisungen: Jeder Jugendliche müsse eine Zeitung als Spuckschutz auf dem Boden ausbreiten. Wer herumlaufe, habe eine Maske aufzusetzen.

Nach einer langen Zwangspause probt die Städtische Jugendkapelle wieder gemeinsam in Friedberg. Leiter Andreas Thon erklärt, wie das in Corona-Zeiten abläuft.
Video: Edigna Menhard

Dann hebt er seinen Dirigentenstab: „Schauen wir mal, ob die ’Galactic Suite’ noch geht.“ Kurz werden die Instrumente eingestimmt, dann ertönen die ersten sphärischen Klänge der Konzertsuite. Andreas Thon unterbricht: „Ihr dürft nicht so zögerlich spielen. Wir haben hier große Entfernungen, versucht, die mit möglichst viel Luft zu überwinden.“ Die Jugendlichen sind konzentriert. Beim nächsten Anlauf geben sie deutlich mehr Power.

Musiker in Friedberg hören sich anders

Es ist eine außergewöhnliche Situation, an die sich alle erst einmal gewöhnen müssen. Die Musiker hören sich aufgrund des großen Abstands anders, der Kontakt beim Zusammenspiel sei noch nicht so da wie im gewohnten Proberaum des Musikpavillons, erklärt der Ensemble-Leiter, dennoch ist er zufrieden: „Das klingt gar nicht schlecht.“ Bis zu den Ferien dürfen die beiden Blasorchester, also das Nachwuchsorchester mit 27 und das Paradeorchester mit 55 Musikern, noch dreimal in der Stadthalle üben. Dann spiele sich das Ganze noch besser ein.

Zu welchem Anlass die Kapelle dann die Stücke vortragen kann, steht noch in den Sternen. Sämtliche geplanten Auftritte wurden aufgrund von Corona gestrichen: Das Frühjahrskonzert etwa, bei dem sie das Thema „Der Traum vom Fliegen“ musikalisch umsetzen wollten – abgesagt. Die Auftritte in Friedberg in der Steiermark und in Wien Anfang August – abgesagt. Das Schullandheim, in dem die Schüler zwar intensiv proben, aber stets die gemeinsame Zeit genießen – abgesagt. Alle Ausflüge mit dem Nachwuchsorchester – abgesagt. Andreas Thon seufzt: „Ich habe vorsorglich schon Ende März die Stadthalle für den 26. September reserviert. Aber diese ist so stark frequentiert, weil auch die Stadtratssitzungen dort stattfinden. Deshalb werde ich diese Karte wohl auch nicht ziehen können.“ Zudem rentiere sich der Aufwand nicht, da aufgrund der Abstandsregeln nur wenig Zuhörer in die Veranstaltungshalle passen würden. Er hofft allerdings, dass man zumindest am 1. Advent wie jedes Jahr gemeinsam mit den Kinder- und Jugendchören ein Konzert in St. Jakob geben könne.

Städtische Jugendkapelle Friedberg: Für die Mitglieder ist das Ensemble wichtig

Das ist allerdings noch Zukunftsmusik. Die jungen Künstler freuen sich nun erst mal, dass sie wieder in der Gruppe proben dürfen. Posaunist Elias Lechner etwa meint: „Es war schon seltsam, nur allein oder in der Registerprobe zu spielen.“ Bei einer Registerprobe wird das Orchester nach Instrumentengruppen aufgeteilt, normalerweise um auf musikalische Feinheiten besser eingehen zu können, doch in Zeiten von Corona, um Menschenmengen zu vermeiden. „Wir hatten die vergangenen beiden Wochen nur Posaune, Tuba und Schlagzeug zusammen. Und da hat die Melodie gefehlt. Das ist schon besser jetzt“, fügt er hinzu.

Auch für Schlagzeuger Julian Lutz ist das Ensemble wichtig: „Alleine spielen macht zwar schon Spaß, aber in der Jugendkapelle ist es noch etwas anderes.“ Lena Schmalfuß, die vor drei Jahren ihre Begeisterung für das Euphonium entdeckt hat, freut sich, dass man nach den Registerproben endlich mal wieder alle sieht: „Die Jugendkapelle – das bedeutet für mich Musik und Freunde. Beides ist mir wichtig.“ Dieses Feedback bestärkt Andreas Thon: „Das Schönste war zu erfahren, dass tatsächlich alle die Proben sehr vermissen.“ Er erzählt, dass alle Lehrkräfte in den vergangenen Wochen engagiert den Einzelunterricht online, per Whatsapp und Zoom durchgeführt hätten. Das habe zwar gut funktioniert, aber auch gezeigt, dass der persönliche Kontakt immer noch besser sei.

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