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Volleyball

27.09.2017

Die deutschen Frauen schlagen zu

Jennifer Geerties (hinten) und die deutschen Frauen nehmen bei der Europameisterschaft den Titel ins Visier. Wie die Volleyballer aus dem Wittelsbacher Land die Situation einschätzen.

Die Europameisterschaft läuft, und das Team kämpft um den Einzug in die Runde der letzten acht. Wie Abteilungsleiter und Trainer aus der Region die Situation der Sportart sehen.

Es war ein echtes „Volleyball-Märchen“, das die deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft vor wenigen Wochen in Polen erlebte. Die Männer holten sensationell Silber. Jetzt sind die Frauen an der Reihe. Am Mittwoch kämpfen sie gegen Bulgarien um den Einzug in die Runde der letzten acht. Vor zwei Jahren schieden die deutschen „Schmetterlinge“, wie die weibliche Nationalmannschaft genannt wird, im Viertelfinale aus. Davor gab es zweimal in Folge Silber. Wie sehen die Volleyballer im Landkreis die Entwicklung in ihrem Sport, und was trauen sie den deutschen Frauen zu?

Sabrina vom Scheidt ist seit vielen Jahren Leiterin der Volleyballabteilung des Kissinger SC. Sie traut den deutschen Spielerinnen viel zu. Die junge Mannschaft habe sich gut entwickelt. Allerdings stehe sie am Mittwoch vor einer schweren Aufgabe. „Das wird nicht einfach, weil die Bulgaren nicht zu unterschätzen sind.“ Die Abteilungsleiterin hat allerdings bisher die EM nur per Liveticker im Internet verfolgt. Sie findet schade, dass Volleyballspiele nur sehr selten im Fernsehen gezeigt werden. „Dann schaut man eine Online-Übertragung, doch die Leitung wird abgebrochen. Das macht nicht wirklich Spaß“, sagt sie.

Immerhin sind bei Sport1 ein paar Partien zu sehen. Bei den Männern war das noch anders. Der Sender entschloss sich erst spontan, das Finale gegen Russland zu übertragen. Die Leistung der Männer in Polen hat Sabrina vom Scheidt begeistert. Auf den Sport vor Ort wirken sich diese Großereignisse aber ihre Meinung nach nicht aus. „Bei uns in Kissing merkt man nichts. Es gab keine vermehrten Anfragen.“ Sie kann sich das höchstens in Volleyballhochburgen wie Marktoffingen vorstellen. In Kissing laufe es zurzeit gut mit der ersten Mannschaft, die in der Bezirksklasse Nord vertreten ist. Schwierig sei die Nachwuchsarbeit. Viele Kinder zieht es zum Fußball oder Handball. Die, die sich für Volleyball interessieren, sind in der Schule so sehr eingebunden, dass sie es nachmittags nicht mehr ins Training schaffen. In Kissing gebe es aber ein paar „alte Hasen“, die die Abteilung am Leben erhalten.

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Auch Wolfgang Ruf gefällt der Auftritt der deutschen Volleyballerinnen. „Sie haben sich gut verkauft“, sagt der Abteilungsleiter beim TSV Friedberg. Er glaubt aber auch nicht, dass sich Erfolge auf internationaler Ebene auf die Vereine vor Ort großartig auswirken. „Im Vergleich zu Fußball ist Volleyball eine Randsportart, da muss man realistisch sein.“

Er sagt aber auch, dass es in anderen Ländern anders läuft. „In Polen sind Volleyball und Fußball gleichauf.“ Ein Fußballspiel könnte 90 Minuten lang langweilig verlaufen, beim Volleyball sei jeder Ballwechsel spannend. Sein Verein setzte bei der Nachwuchsarbeit auf das Zusammenwirken mit den Schulen – zum Beispiel beim Programm „Sport nach 1“. Damit sollen Brücken geschlagen und Schüler für Volleyball begeistert werden. Der Trainer der ersten Friedberger Frauenmannschaft, Alex Wiskirchen, freut sich, dass nun Spiele der Nationalmannschaft im Fernsehen zu sehen sind. Bei der Partie am Dienstag gegen Aserbaidschan hatte er ein Déjà-vu-Erlebnis, wie er sagt. „Der Angriff und die Mitte haben nicht funktioniert.“ Ähnlich sei es seiner Mannschaft beim Auftakt am vergangenen Wochenende in die Regionalliga ergangen. Da verloren die TSV-Volleyballerinen gegen den VCO München.

Am Mittwoch traut er der Nationalmannschaft einen Sieg gegen Bulgarien zu. Sollte das Team aber danach wieder auf Aserbaidschan treffen, wird es seiner Meinung nach schwer. Der 34-Jährige sagt, dass er viele Akteurinnen, die in vergangenen Jahren in der Nationalmannschaft gewirkt haben, kennt. Das jetzige Team bestehe aus einer Generation, die in der hinteren Reihe Erfahrungen gesammelt habe und sich nun beweisen könne. Ob er sich als Trainer bei der EM etwas abschauen kann? „Nur bedingt. Das ist natürlich ein viel höheres Leistungsniveau.“

Beate Rappel ist seit mehr als 30 Jahren beim TSV Aichach in der Volleyballabteilung. Ihr ist bewusst, dass Volleyball im Vergleich zu Fußball und Handball nur ein Schattendasein fristet. Daran werde auch ein EM-Titel nichts ändern: „Es bringt ja nichts, wenn wir Europameister werden und keiner bekommt es mit.“ Dennoch könnte ein starkes Turnier einen Effekt haben: „Wenn dadurch wieder mehr Volleyball gezeigt wird, dann steigt auch die Popularität. Das könnte dem Sport auf lange Sicht schon helfen.“ Der Erfolg tut in jedem Fall gut. So eine Europameisterschaft hat aber noch weitere Aspekte: „Die Mädels im Team werden von den Stars motiviert. Die Nationalspieler sind Vorbilder für uns. So ein Turnier gibt den Spielern meist einen Push.“ Beim TSV Aichach werden dann auch die Spielzüge diskutiert. „Man schaut, was man vielleicht im eigenen Team umsetzen kann“, sagt Rappel.

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