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Vortrag

24.02.2015

Die ersten Gen-Bienen fliegen schon

Das Thema Bienen und Honig bewegt viele. Das zeigte sich, als Imker Walter Haefeker in Dasing über Bienen und moderne Landwirtschaft sprach.

Profi-Imker Haefeker sieht den Honig als erstes Opfer des Freihandelsabkommens

Es war ein spannender, humorvoller und vor allem kritischer Ausflug in die reale und in die politische Welt der Honigbiene, ihrer Betreuer, Züchter und deren Verbände. Überraschend viele Zuhörer flogen darauf. Als Imker Walter Haefeker über Bienen und moderne Landwirtschaft sprach, war der Saal des Dasinger Bäckerwirts voll besetzt. Der Referent spricht aus eigener Erfahrung. Haefeker nennt 100 Bienenvölker sein Eigen. Außerdem ist er Präsident von Europas Berufsimkern und Zweiter Vorsitzender der entsprechenden deutschen Vereinigung. Er kennt die Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister jetziger und früherer Tage. Und wenn er es für nötig hält, lässt er kein gutes Haar an ihnen.

Haefekers Vortrag ist keine simple Aneinanderreihung von Daten. Er weiß, viel Alarmierendes zu berichten – beispielsweise von Bienengiften, Gentechnik und Kunsthonig. „Der meiste Honig, der heute auf den Weltmarkt schwappt, hat nie eine Biene gesehen“, sagte Haefeker. Aus seiner Sicht sind Pflanzenschutz-Wirkstoffe seit den Zeiten von DDT wesentlich toxischer geworden. „Wir brauchen heute für denselben Insekten-Massentod 7000 Mal weniger Gewicht im Vergleich zum DDT.“ Stoffe seien zugelassen, obwohl sie als bienengiftig galten, weil man Saatgut damit beizte und somit glaubte, das Gift sei im Boden eingeschlossen. Ganze Bienenvolk-Gruppen seien eingegangen, weil nach dem morgendlichen Naschen an Wassertropfen etwa an Maisblättern die wichtigsten Stockbewohner nach Nervenschädigung nicht mehr in den Stock zurückfanden. „Erschreckende hohe Werte der Nervengifte finden sich in den Pfützen. Aus den warmen Wasserlachen versorgen die Bienen gerne ihren Stock“, sagte Haefeker.

Topaktuell wurde der Profi-Imker, als er auf die EU-Kommission zu sprechen kommt. Dabei versuchte der Referent, die Gedankengänge der EU-Kommission nachzuvollziehen. Demnach sei Honig immer ein natürliches Produkt und Pollen verliere durch die Behandlung durch die Biene seinen genspezifischen Charakter. Somit sei Honig aus Kanada, der mittlerweile rein aus genveränderten Organismen (GVO) bestehe, nicht kennzeichnungspflichtig. Für den Redner wird der Honig somit zum ersten Opfer des derzeit verhandelten Freihandelsabkommens TTIP: „Die Kommission verspricht beim TTIP immer wieder, die Standards würden hochgehalten. Beim Honig hat sie die Standards selber geschleift.“ Sogar von Versuchen, mit Genveränderungen insektizidresistente Bienen zu erschaffen, berichtete Haefeker. „Die ersten Gen-Bienen fliegen bereits im Zelt-Versuch“, wetterte der Imker, machte jedoch seinen Kollegen Mut: „Seit Generationen züchten wir Honigbienen. Die Zuchtleistung und die Genetik der Bienen gehören der Imkerschaft. Damit könnten wir sie dem Zugriff der Industrie entziehen.“

In der anschließenden Diskussion zeigte sich der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Reinhard Herb, enttäuscht darüber, dass Landwirte zu der Veranstaltung nicht eingeladen worden seien. Veranstalter waren die Bund Naturschutz-Kreisgruppe Aichach-Friedberg, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und der Bioland-Verband. Von deren Seite sagte Magdalena Federlin: „Wir haben niemand ausgeladen.“

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