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Wohnsituation in Kissing

22.08.2015

Die syrischen Asylbewerber rücken von sich aus zusammen

Von sich aus rücken die syrischen Asylbewerber in der Kissinger Heisserer-Unterkunft enger zusammen.
Bild: Anton Schlickenrieder

Im Kissinger Heisserer-Haus finden nun sieben Flüchtlinge mehr Platz. Die Belastung wird  aber grenzwertig

Die Not der Behörden, der Zwang, mehr Flüchtlinge unterzubringen, ist groß. Nachzuverdichten ist eine Lösung. Vermieter Herbert Heisserer bestand in seinem Haus an der Kissinger Auenstraße darauf, keinesfalls die funktionierende Gemeinschaft aufs Spiel setzen zu wollen. Denn die 30 Syrer können vom Helferkreis noch ordentlich betreut werden. Bald werden es sieben mehr sein. „Ich habe Frau Losinger vom Landratsamt erklärt, dass diese Nachverdichtung nur mit Zustimmung aller Beteiligten denkbar ist und das gute Projekt untergeht, wenn sich die Ehrenamtlichen aus Überlastung zurückziehen würden“, so Heisserer. Rein rechtlich besteht seines Wissens keine Notwendigkeit, weitere Personen aufzunehmen.

Simone Losinger, die Asylbetreuerin des Landkreises Aichach-Friedberg, sagt wiederum: „Es ist schön, dass wir das hier so lösen konnten. Diesen Luxus werden wir uns aber sicherlich nicht mehr lange und nicht überall leisten können.“ Ursprünglich war sie mit der Idee an die Brüder Herbert und German Heisserer herangetreten, zwölf Flüchtlinge mehr im ehemaligen Gastarbeiterhaus des Bauunternehmens unterzubringen.

Der Helferkreis lud deshalb alle „Mitglieder“ und die Bewohner zusammen mit den Vermietern zu einem runden Tisch ein, zu dem auch noch Bürgermeister Manfred Wolf stieß. Er ist ständig auf der Suche nach Unternehmern, die auf ihrem Grundstück Container aufstellen, um diese dann dem Landratsamt als Unterkunft zu vermieten. Kissings Rathauschef war durchaus begeistert davon, wie von allen Betroffenen die Entscheidung gemeinsam getroffen wurde: Sieben Menschen mehr dürfen einziehen. Wobei Simone Losinger betont, dass der Landkreis immer noch ein gutes Stück mehr Platz jedem Asylbewerber einräumt als die Minimalforderung von sieben Quadratmetern. „In allen unseren Unterkünften liegen wir hier deutlich drüber.“

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Den Ausschlag bei der Diskussion gaben laut Heisserer die Bewohner selbst, die überwiegend der Meinung waren, dass sie lieber enger zusammenrücken und auf Annehmlichkeiten verzichten würden, als dass Landsleute von ihnen in Turnhallen wohnen müssten. Die Gemeinschaftsräume in den beiden Obergeschossen werden aufgegeben und mit je zwei Männern belegt. Im Erdgeschoss wird zu den jetzigen beiden Familien noch eine Kleinfamilie oder eine Person mit maximal zwei Kindern aufgenommen.

Für den Wegfall der Gemeinschaftsräume müsse irgendeine Alternative geschaffen werden, war man sich einig. Als kleiner Ersatz wird am Nebengebäude eine Überdachung mit etwa acht mal vier Metern gebaut und es wird ein Doppelcontainer als Kurs-, Besprechungs- und Gemeinschaftsraum von den Vermietern gekauft und aufgestellt. Das Dach ist beauftragt und wird in der 2. Septemberhälfte montiert, Container sind bestellt und werden bis Ende Oktober gefertigt sein.

Bürgermeister Wolf musste sich aus dem Helferkreis den Vorwurf anhören, dass die Gemeinde untätig sei und sich auf das Engagement der Ehrenamtlichen verlasse. Marlene Weiß sieht die Nachverdichtung gar nicht gerne: „Wir müssen zusehen, dass wir die Belastung für die Helfer jetzt noch so gering wie möglich halten. Denn wir wissen nicht, was noch auf uns zukommt.“ Sie nennt Beispiele täglicher Sisyphusarbeit: „Die Asylbewerber können Handyverträge abschließen, auch wenn sie nicht schreiben und nicht lesen können. Und wir müssen dann schauen, dass sie da wieder rauskommen.“ Das gewohnte Schriftbild der Syrer ist ein ganz anderes als das mitteleuropäische. Momentan könnten Spannungen der Bewohner untereinander noch mehr vermieden werden. Werde es noch enger, sei das vielleicht nicht mehr der Fall. Oder, ganz banal: „Die Matratzen, auf denen geschlafen werden muss, sind zum Teil grenzwertig. Wenn die Menschen Rückenschmerzen davon bekommen, kann es problematisch werden. Dann müssen wir mit ihnen zum Arzt gehen.“ Fahrten zur Tafel oder zur Kleiderkammer nach Mering gehören sowieso zum täglichen Brot. „Die, die nah dran sind, müssen wirklich vier bis fünf Stunden Zeit am Tag investieren.“

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