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Friedberg

09.01.2019

Diebe dreist wie nie: Händler in Friedberg schlagen Alarm

Modeschmuck ist bei Dieben begehrt. Aber auch Konsolenspiele, Rasierklingen und teure Alkoholika werden oft gestohlen. Der Diebstahlschaden steigt.

Plus Täglich verschwinden in Schwaben Waren im Wert von 170000 Euro. Auch im Landkreis Aichach-Friedberg sind Langfinger unterwegs. Manche sind noch sehr jung.

Der Bayerische Handelsverband schlägt Alarm: Der Schaden durch Ladendiebe hat mit fast 350 Millionen Euro Rekordhöhe erreicht. In Lebensmittelgeschäften und Drogerien werden Rasierklingen, Parfüm, Zigaretten und Kosmetik gestohlen. Im Elektronikhandel verschwinden Konsolenspiele und DVDs. Die Tricks werden immer raffinierter – bis hin zu präparierten Kinderwagen. Manchmal geht es aber auch simpler, wie Alexander Wagenpfeil, Leiter der Polizeidienststelle Friedberg, berichtet. So fanden die Beamten unlängst bei einem Mann, den sie in Friedberg festnahmen, eine teure Hose, bei der ein Bein abgeschnitten war. So hatte der Dieb das Sicherheitsetikett „entfernt“. Was er mit der Hose noch anfangen wollte?

Wagenpfeil weiß es nicht. Ihm zufolge wurden von Januar bis einschließlich November 2018 im Gebiet der Polizei Friedberg 75 Ladendiebstähle angezeigt; das sind fünf mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Dunkelziffer ist hoch; laut Handelsverband liegt sie bei 90 Prozent.

Der Edeka in Mering hat einen Detektiv eingesetzt

Auch Pascal Eckel, stellvertretender Marktleiter von Edeka Kowalski in Mering, kann den entstandenen Schaden nicht benennen. Zeitweise hatte der Markt einen Detektiv im Einsatz: „Der hat ganz gut Leute rausgefischt.“ Eckel hat schon einiges erlebt. In der Gersthofer Filiale etwa habe ein Stammkunde regelmäßig Waren mitgehen lassen – in einem Korb mit doppeltem Boden. Auffällig auch: „Früher mussten wir jede Woche neue Rasierklingen bestellen.“ Ein Kunde wurde mit zwölf Packungen in der Tasche erwischt; offenbar wollte er sie weiterverkaufen. Nun gibt es die Klingen nur noch im Kassenbereich – und die Bestellmengen sinken.

Profis, die auf Bestellung stehlen, machen dem Handel viele Sorgen. Der Detektiv Senol Sarüce, der mit seinen Mitarbeitern zahlreiche Supermärkte in und um Augsburg überwacht, kennt ihre Tricks. „Oft kommt eine gut gekleidete Frau, die dann längere Zeit einen Laden ausspäht“, berichtet Sarüce. „Nach einiger Zeit kommen andere Bandenmitglieder dazu.“ Die wüssten dann genau, wie und wo sie zugreifen müssen, oft in großem Maßstab.

Die Polizei sagt: Banden sind rund um Friedberg nicht aktiv

Allerdings scheint der Süden des Wittelsbacher Landes von diesem Phänomen verschont zu bleiben. „Osteuropäische Banden gibt es in unserem Dienstbereich nicht“, sagt Polizeichef Wagenpfeil. Auch dass angeblich immer mehr Kinder und Jugendliche stehlen, kann er so nicht bestätigen. Allerdings gab es erst vor kurzem einen derartigen Vorfall in Friedberg. Zwei Buben, zwölf und 13 Jahre alt, wurden in einem Elektromarkt erwischt. Laut Polizei hatten sie teure Kopfhörer aus der Verpackung genommen und in ihre Jacken gesteckt. Dem Ladendetektiv gestanden sie, schon mehrere Artikel gestohlen zu haben. Die Ermittlungen führten zu sechs Mittätern im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren. Als die Beamten deren Zimmer durchsuchten, fanden sie Waren im Wert von 1000 Euro.

Aber auch stellvertretender Edeka-Marktleiter Eckel sieht keinen Altersschwerpunkt bei Dieben. Es gebe Jugendliche genauso wie Rentner. Und nie sei ihm jemand untergekommen, der aus Armut stiehlt. Wenn man Diebe vor die Wahl stellt „Zahlen und Hausverbot oder Anzeige und Polizei“, legen ihm zufolge die meisten den Betrag sofort auf den Tisch. Und teure Waren werden bei Edeka Kowalski weggesperrt. Andere Sicherungssysteme an Waren gebe es nicht.

Denn Sicherung ist auch eine Frage des Geldes. Kleinere Geschäfte können sie sich nicht leisten. So sagt Christine Gerblinger, Chefin der Buch- und Schreibwarenhandlung in Friedberg: „Das wäre zu aufwendig.“ Die Folge: „Abends bemerkt man, was weg ist.“ Oft handle es sich um kleine Dinge, die bei Kindern begehrt sind.

Das läppert sich offenbar. In Schwaben entstand durch Ladendiebstähle 2017 ein Schaden von 48 Millionen Euro. Umgerechnet sind das Waren im Wert von 170 000 Euro, die den Händlern täglich durch die Lappen gehen. Die Zahl stammt vom Landeskriminalamt. In der Statistik erfasst sind allerdings nur die Fälle, die bei der Polizei angezeigt wurden. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen zwar leicht rückgängig. In Bayern steht Schwaben damit nach Oberbayern (130 Millionen Euro Schaden) aber an zweiter Stelle.

Aufpassen sollten nicht nur Ladeninhaber, sondern auch ihre Kunden. Denn Langfinger bedienen sich nicht nur an der Ware, sondern greifen gerne in offene Handtaschen. Verlockend sind für sie auch immer wieder zurückgelassene Taschen in Einkaufswagen. (mit mcz)

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