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Mering

07.10.2015

„Diese Dreckskerle haben die Angst nach Mering gebracht“

Haltepunkt St. AFra, P+R-Anlage
8 Bilder
Am Pendlerparkplatz am Haltepunkt St. Afra ist eine 16-Jährige vergewaltigt worden.
Bild: Gönül Frey

Nach der Vergewaltigung einer 16-Jährigen bleibt die Stimmung in Mering angespannt. In dieser heiklen Situation setzen Bürgermeister und Landrat ein deutliches Signal gegen Rechts.

Ursprünglich war die Bürgerversammlung in Mering zum Thema „Flüchtlinge in der Marktgemeinde“ geplant. Die Bürger sollten vor allem über die nächsten Projekte informiert werden und auch die Möglichkeit haben, ihre Fragen, Sorgen und Ängste zu formulieren. Doch Bürgermeister Hans-Dieter Kandler richtete sich zunächst in einer persönlichen Stellungnahme an die Bürger.

„All die Jahre, die ich als Bürgermeister in Mering tätig bin, habe ich mich bemüht, dass man sich hier sicher und wohl fühlt. Da kommen zwei Dreckskerle daher, die machen das alles kaputt“, sagte er und machte seiner Wut freien Lauf. Er äußerte sein tiefes Mitgefühl für die betroffenen Frauen. Ein 16-jähriges Mädchen war Ende September von einem unbekannten Täter angegriffen und vergewaltigt worden. Wenige Tage später kam es zu einem weiteren sexuellen Übergriff auf eine 17-Jährige. „Diese Dreckskerle haben die Angst nach Mering gebracht“, sagte Kandler und forderte die Bürger auf: „Wir müssen aufeinander aufpassen, das schaffen wir nur gemeinsam.“

Kandler zeigte Verständnis für die Sorgen der Meringer, die vor allem das Großprojekt an der Hörmannsberger Straße mit 150 Plätzen für Asylbewerber, in Unruhe versetzt. „Ich erwarte von niemanden, dass er Fremde umarmt, aber die Not sollte gesehen und den Menschen mit Respekt begegnet werden“, so Kandler weiter. Er dankte den vielen ehrenamtlichen Helfern, die sich in der Marktgemeinde engagieren und den bislang 101 Flüchtlingen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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Kandler sprach sich gegen Ausgrenzung der Flüchtlinge aus. „So entstehen Parallelwelten, die wir nicht wollen“, sagte er. Dies sei schon einmal in den 90er Jahren falsch gemacht worden, als man die Flüchtlinge aus dem Balkan in Gemeinschaftsunterkünften sich selbst überlassen hatte. Aus diesem Grund favorisiere er die dezentrale Unterbringung in Häusern und Wohnungen. Kandler schilderte die Arbeit der Ehrenamtlichen, die im Awo-Heim Deutschkurse geben. Er lobte die Arbeit der Verantwortlichen von Kleiderladen, Tafel und der Asylkoordinatorin Maureen Lermer.

Mit diesem Phantombild sucht die Polizei nach dem Vergewaltiger von Mering. Währenddessen ist die Angst groß.
Bild: Polizei

Auch Landrat Klaus Metzger ging auf die aktuelle Flüchtlingssituation ein. Er versicherte den Meringern: „Sollte sich die Gemeinschaftsunterkunft an der Hörmannsberger Straße, die in die Verantwortung der Regierung von Schwaben fällt, realisieren lassen, dann nicht mit mehr als 150 Personen.“ Der Landkreis könne bei der wachsenden Zahl bald an seine Grenzen kommen, was eine dezentrale Unterbringung anbelangt. „Doch eins dürfen Sie mir glauben, wir nehmen nicht jedes Gebäude, das man uns anbietet.“ Beim Lärmschutz würden Zugeständnisse gemacht, nicht aber wenn es um den Brandschutz geht. Metzger lobte auch die Arbeit der Ausländerabteilung am Landratsamt, die mit ihrem Engagement dazu beitrage, dass es hier in der Region so reibungslos laufe.

Zur aktuellen Sicherheitssituation nahm Max Baumann, Leiter der Polizeiinspektion Friedberg Stellung: „Momentan gibt es trotz der vielen Hinweise aus der Bevölkerung keinen konkreten Tatverdacht.“ Es wurde eine eindeutige DNA-Spur bei dem 16-jährigen Opfer sichergestellt, doch bislang konnte der Täter nicht überführt werden. Eines scheint jedoch sicher, der Unbekannte, der Mädchen vergewaltigt hatte, stammt nicht aus dem Umfeld der Asylbewerberunterkunft an der Kanalstraße.

Bild: Polizei

Baumann bat darum: „Wenn Sie ein Gerücht hören, dann fragen Sie bei mir in der Polizeiinspektion nach, so bekommen Sie die Infos aus erste Hand.“ Nachdem in den letzten Wochen die Polizei in Zivil nach dem Täter fahndete, sei sie nun in Uniform vor Ort und fahre regelmäßig Streife. „Sie dürfen sicher sein, wir lassen Sie mit dieser Situation nicht allein“, sagte Max Baumann.

Bürgerstimmen zum Flüchtlingsthema

Micon Kreft wohnt mit ihrer Familie in direkter Nachbarschaft zur geplanten Gemeinschaftsunterkunft an der Hörmannsberger Straße. Sie fragte nach: „Was passiert, wenn ein Flüchtling, zum Beispiel mein Auto beschädigt, wer zahlt das dann?“ Dazu informierte Simone Losinger vom Landratsamt: „Es gibt keine Versicherung für die Asylbewerber. Sie können einen Titel erwirken, wenn der Asylbewerber dann je zu Geld kommt, können Sie das dann einfordern.“

Eine weitere Frage von Micon Kreft war: „Wie schnell ist denn die Polizei vor Ort, wenn es zu Streit in der Gemeinschaftsunterkunft kommt?“ Max Baumann von der Polizeiinspektion in Friedberg: „Normalerweise werden Nachbarschaftsstreitigkeiten schnell untereinander geklärt, wenn das nicht mehr geht, kommen wir und helfen. Aber sicher nicht in den nächsten fünf Minuten.“

Franz-Josef Schikorski äußerte seine Befürchtungen, dass sich die Neuankömmlinge nicht an die Regeln in der deutschen Gesellschaft halten werden: „Sie müssen sich unterordnen. Wer Unfrieden stiftet, hat hier nichts zu suchen.“

Dazu machte Landrat Klaus Metzger deutlich: „Ich weiß nicht, warum Sie meinen, dass wir hier so viele Streitigkeiten unter den Asylbewerber haben. Bislang kam es zu keinen größeren Auseinandersetzungen. Und eins können Sie mir glauben, dass wir nach einem Kirchweihfest mehr Schläger haben, als in einer Asylbewerberunterkunft.“

Sigi Schwab engagiert sich bereits als Ehrenamtlicher und hilft den Flüchtlingen in der Kanalstraße: „Dort begegnet man mir stets freundlich und mich hat noch nie einer der Muslime gefragt, welche Religion ich habe.“ Er forderte die Meringer auf zur Nächstenliebe. „In zwei Monaten feiern wir Weihnachten, dann redet Ihr alle wieder von der Herbergssuche, doch jetzt stehen hier die Bedürftigen vor Euren Türen und wollen Hilfe“, macht er seinem Entsetzen über das „Gehetze gegen die Flüchtlinge“ Luft. Die christlichen Traditionen würden nicht von den Asylbewerbern zerstört. „Das machen wir schon selber, wenn wir keinen Feiertag mehr ehren und am Aschermittwoch Leberkäs’ mampfen.“

Unter den vielen Einwendungen kam immer wieder die Sorge auf, wo die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung hinführe. Viele äußerten, dass zu viele Flüchtlinge aufgenommen werden. Lothar Haupt sagte: „Ich habe keine Angst, aber ich weiß, dass viele Bürger sie haben und sich informieren, wie sich vor den Flüchtlingen schützen können. Wie können wir die Angst nehmen?“ In ähnliche Richtung gingen auch die Befürchtungen von Otto Blank, der vorab sagte, dass er schon in vielen Ländern der Erde gearbeitet hatte, selbst sich um einen Flüchtling aus dem Kosovo gekümmert habe. „Ein jeder ist bei mir willkommen, wenn er nur wieder geht“, machte er deutlich. In Bezug auf die Vergewaltigung fragte er: „Man hat von den Meringer Asylbewerbern DNA-Proben genommen, macht man das von allen, die zu uns kommen?“

Horst Waschek, Nachbar der Asylbewerber in der Kanalstraße: „Die jungen Burschen haben immer Fußball gespielt, waren freundlich und zurückhaltend. Nach dem Vorfall, ist alles anders.“ Er schilderte, dass nun dort Security vor Ort sei, die Männer nicht mehr Fußball spielen und sagte: „Die sind wie eingesperrt.“ Landrat Metzger bestätigte die Maßnahme, die in Absprache mit der Kriminalpolizei vorgenommen worden war: „Das dient nur zum Schutz.“

Beate Weinkamp gehörte zu der Gruppe, die sich für einen respektvollen Umgang mit den Flüchtlingen in der Marktgemeinde aussprach: „Ich habe keine Angst vor den angeblich aggressiven Asylbewerbern. Ich habe Angst vor der aggressiven Stimmung, die hier unter Ihnen herrscht.“

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Die Diskussion ist geschlossen.

08.10.2015

Sind diese "Dreckskerle" dem rechten Spektrum zuzuordnen? Oder soll im Kontext der Eindruck vermittelt werden das es sich um rechtsradikale handelt ? Ziemlich undurchsichtig dieser Beitrag !

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09.10.2015

Nein, dem rechten Spektrum ist das Thema Flüchtlinge zuzuordnen, das fehlt leider am Ende des 2. Satzes, in der untergeordneten Schlagzeile. Der Beitrag selbst, ist von Eva Weizenegger sehr durchsichtig geschrieben worden.

Die "Dreckskerle" sind bei den Anspruchsdenkenden zu finden ! Da kann man von äußerst links links bis nach äußerst rechts gucken und von vorn bis nach hinten und von oben bis nach unten. Jedenfalls haben solche "Alleskönner" keine Achtung vor Frauen !

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08.10.2015

Es ist eine Wohltat diesen Bericht zu lesen. Vielen Dank dafür.

Keine Panikmache, sondern ein verständnisvolles Eingehen auf alle Fragen und Nöte seitens des Bürgermeisters und all die anderen Sprecher - mit dem Wunsch des respektvollen Umgangs auf allen Seiten.

Möge in der Kanalstrasse bald wieder der Fußball rollen dürfen.

Meine Familie wohnt in der Nähe, deswegen interessieren mich die lokalen Nachrichten aus Mering.

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