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Paarkunst II

23.10.2011

Diese Heimatliteratur ist nicht muffig, sondern ungemütlich

Kunst an der Paar: Büchereileiterin Brunhilde Waeber und Dr. Caroline Mardaus (rechts) mit ihrem neu erschienenen Buch „Paarlandschaften“ in der neuen Sitzskulptur vor der Meringer Bücherei.
Bild: Foto: Heike John

Caroline Mardaus las aus ihrer Neuerscheinung „Paarlandschaften“, die an ein Meringer Lebensgefühl erinnert

Mering Die Teestube im alten Papst-Johannes-Haus war damals der Ort, wo sie ungestört zusammen sein konnten, bis spät in die Nacht diskutierten und ein Stück weit auch die Welt verbessern wollten. „Wir waren irgendwie die Außenseiter in Mering, rebellisch, viele von uns langhaarig und hatten so unsere Ideale“, erinnert sich Gerhard Appel an die 80er Jahre. Gut 30 Jahre später ist es für ihn „reine Ehrensache“, in der Meringer Bücherei zusammen mit Christian Küster aus Friedberg die Lesung von Caroline Mardaus zu begleiten. Muté nennt sich das Gitarrenduo, dass die Paarkunstlesung musikalisch umrahmte.

Das Lebensgefühl der jungen Meringer von damals hat Dr. Caroline Mardaus in ihrem Buch „Im Tintenfischgarten“ beschrieben. Vor gut einem Jahr hatte sie anlässlich der Eröffnung der Bücherei bereits daraus vorgelesen. Nun war sie wieder dorthin zurückgekehrt. Eingeladen wurde sie im Rahmen der Paarkunst. Denn ihr zweites Buch trifft genau das Aktionsthema „Kunst und ein Paar Worte“.

„Paarlandschaften“ heißt der neue Titel des als Trilogie angelegten Werkes, das erst einige Tage zuvor druckfrisch im Augsburger Maro Verlag erschienen ist. Eigentlich ist es der erste Band, „Im Tintenfischgarten“ ist zeitlich gesehen die Fortsetzung, folgen soll auch noch ein dritter Teil der „Bagaluttentrilogie“ wie Caroline Mardaus ihr Werk nennt. Das Wort steht leicht abwertend für Bagage oder Gesocks, ist aber in den Augen der Autorin eine zärtliche Hommage an ihre Jugend an der Paar.

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Ihr neues Buch spielt in einer Zeit, als das Wirtschaftswunder in voller Blüte ist und auch in Mering die ersten Gastarbeiter eintreffen. Halt, nicht in Mering, sondern in Paar mit seiner Siedlung St. Jona. Die Giardinos eröffneten gerade das erste italienische Eiscafé. Und auch die heutige Schriftstellerin und ihre Zwillingsschwester bekamen jeweils 20 Pfennige und zogen für eine Kugel Vanille oder Banane am Schloss vorbei den Berg zur Hauptstraße hinauf. „Ich war nie wirklich von Mering weg“, erzählt die 1958 als Caroline Hollenburger geborene Autorin. Nach einer Töpferausbildung und einem Lateinstudium widmet sie sich nun neben einer Lehrtätigkeit am Rudolf-Diesel-Gymnasium vor allem der Schriftstellerei.

Mit großem Heimweh

Bei der gut besuchten Lesung erinnern sich viele Zuhörer an die beschriebenen Szenerien. Sie haben Dante Scalisi mit dem großen Heimweh vor Augen, der in der Baumaschinenfabrik arbeitet und Lore Brenner schön findet. Und sie wissen, wer Löwenbräu ist, der in der Töpferei die schweren Säcke schleppt. „Ich liebe Menschen, auch die, die man nicht so gerne mag“, erklärt Caroline Mardaus die Tatsache, dass sie den Außenseitern ihre literarische Stimme gibt und auch Flüchtlingsschicksale aufarbeitet. „Aber ich schreibe nur, was jeder wusste. Ich schaue nicht unter die Bettdecke“.

Das Buch kann auch für Nicht-Insider ein Genuss sein, findet die Autorin. „Es hat eine Sprachmelodie, wie der Fluss selber, an dem ich groß geworden bin“. Und dann fügt sie stolz hinzu: „Es wird Zeit, dass die Meringer anerkennen, dass sie eine Schriftstellerin haben, die wirklich Heimatliteratur schreibt. Mein Werk ist aber nicht muffig wie ein Heimatroman“, ergänzt sie, „sondern eher ein wenig ungemütlich. Aber ich hänge sehr an diesem Ort“. (jojo)

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