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Region Augsburg

25.02.2019

Diese Läden müssen wegen Personalmangels schließen

Sowohl auf dem Land als auch in der Großstadt suchen Einzelhändler teilweise verzweifelt nach qualifizierten Verkäufern.
Bild: Thorsten Jordan (Symbolfoto)

Vor allem kleine Geschäfte suchen oft vergeblich nach guten Verkäufern. Arbeitszeiten, Stress und schlechte Bezahlung schrecken Bewerber ab.

Immer mehr kleine Geschäfte müssen tageweise schließen. Der Grund: Personalmangel. Andere tun sich schwer, verlässliche Mitarbeiter zu finden. Sowohl auf dem Land als auch in der Großstadt suchen viele Einzelhändler teilweise verzweifelt nach qualifizierten Verkäufern. Marcus Vorwohlt, Geschäftsführer des Modehauses Rübsamen, bringt das Dilemma der Arbeitgeber in Zeiten einer niedrigen Arbeitslosenquote so auf den Punkt: „Es kann nicht jeder eingestellt werden, denn es geht nicht nur um die fachliche Eignung, sondern auch um den Umgang mit den Kunden.“

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Von Modegeschäft bis Metzgerei: Händler finden kaum noch Verkäufer

Rübsamen betreibt neben seinem Stammhaus in Augsburg und dem Shop in der City-Galerie unter anderem Filialen in Friedberg und Aichach. Vorwohlt tut sich schwer, geeignete Arbeitskräfte zu finden, berichtet er. Die Suche sei schwieriger als früher, dauere länger und müsse über verschiedene Kanäle ablaufen. „Es geht dabei nicht nur um einen guten Abschluss der Bewerber, sondern um die sogenannten Soft Skills, die man mitbringen muss: Offenheit, Erscheinungsbild und Empathie sind sehr wichtig.“ In kleineren Städten sei es einfacher, Mitarbeiter zu finden, da die Menschen sich dort mehr mit ihrem Ort identifizieren, ihr soziales Netzwerk und kurze Arbeitswege schätzen. Außerdem seien die Arbeitszeiten besser als in Augsburg, weiß er.

Trotzdem ist auch in Kleinstädten der Personalmangel ein großes Problem. Gabriele Schadl von Feinkost Schadl am Friedberger Marienplatz berichtet: „Ich habe zwei Jahre lang gesucht, dann hatte ich endlich eine Verkäuferin. Sie hat aber nach zwei Monaten wieder gekündigt, weil ihr die Arbeit zu viel war und sie samstags arbeiten musste.“ Damit hat Gabriele Schadl die Auswirkung dessen zu spüren bekommen, was allgemein über den Beruf gesagt wird: Die Arbeitszeiten sind schlecht, es ist stressig und es man verdient schlecht.

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Bäckerei-Filiale in Gersthofen musste sogar komplett schließen

In Gersthofen musste Georg Liepert eine Filiale seiner gleichnamigen Bäckerei sogar ganz schließen, nachdem er kein Personal mehr finden konnte. Zuvor hatte er die Öffnungszeiten begrenzt – das half aber nicht aus der Krise. Die anderen Liepert-Filialen in Nordendorf, Westendorf, Meitingen, Biberach, Langweid und Pfaffenhofen sind regelmäßig geöffnet – im Moment zumindest. „Oft sind die Bewerber unqualifiziert oder es gibt überhaupt keine“, erzählt Liepert. Er sieht das Problem in der Attraktivität des Berufs: „Viele interessieren sich für die Industrie, nicht mehr für Verkaufstätigkeiten. Der eigene Erfolg und das Gehalt sind heutzutage scheinbar sehr wichtig.“

André Köhn, Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbandes in Schwaben, spricht von einem Trend, der bundesweit feststellbar sei. „Gute Angestellte werden rar“, weiß er. Durch alle Branchen hinweg gebe es Personalmangel – von Blumen- bis Textilhandel. Für Köhn ist klar, dass das mit am demografischen Wandel liegt. Es gebe weniger junge Leute und somit auch weniger Berufsanwärter. Außerdem tendieren ihm zufolge viele Auszubildende zu Bürojobs. „Der Verkäufer muss für seine Ware brennen und der Funke soll auch auf den Kunden überspringen“, so Köhn. Dies werde immer schwieriger, da viele Konsumenten bestens informiert sind, da sie im Internet recherchieren. Sie wollen von qualifizierten Angestellten beraten werden und diese seien schwierig zu finden, erklärt er.

"Kleine Läden bedeuten Lebensqualität"

Das hat auch Georg Eidelsburger zu spüren bekommen, der kürzlich seine Metzgerei in Merching eröffnete. Er hatte schon eine Verkäuferin gefunden, die aber wieder absprang, weil er später als geplant eröffnen musste. „Ich wollte ihr sogar den Lohn bis zur Eröffnung zahlen“, sagt der Merchinger. Arbeiten in Metzgereien sei leider nicht so gut angesehen, sagt der ausgebildete Metzgermeister.

Viele Betriebe zahlen ihm zufolge zu wenig und man müsse oft früh aufstehen und am Samstag arbeiten. „Ich wünsche mir, dass die Leute wieder vermehrt in kleinere Läden gehen. Das bedeutet einfach Lebensqualität“, so Eidelsburger. „Vielleicht wird dann auch das Berufsbild des Verkäufers wieder interessanter.“

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Die Diskussion ist geschlossen.

26.02.2019

<<Er sieht das Problem in der Attraktivität des Berufs: „Viele interessieren sich für die Industrie, nicht mehr für Verkaufstätigkeiten. Der eigene Erfolg und das Gehalt sind heutzutage scheinbar sehr wichtig.“>>

Das klingt ja gerade so, als wären beruflich Erfolg und Gehalt etwas schlechtes. Und dann wundert man sich, wieso man keine Angestellten findet, die bereitwillig schuften. Bei miesen Arbeitszeiten, ohne jede Perspektive und das bei gleichzeitig schlechter Bezahlung.

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26.02.2019

Das ist mir auch aufgefallen!

>> Der eigene Erfolg und das Gehalt sind heutzutage scheinbar sehr wichtig. <<

Wer als Unternehmer einen solchen Satz ausspricht, sollte sich vielleicht ein anderes Auskommen verschaffen. Da fehlt der Blick für die wirtschaftliche Realität, da fehlt die Empathie für arbeitende Menschen.

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25.02.2019

(Beitrag vorläufig gelöscht, da kein Name ersichtlich ist. Bitte geben Sie Ihren vollständigen Namen an. moderator@augsburger-allgemeine.de

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25.02.2019

Als Rübsamen-Geschäftsführer dürfte Herrn Vorwohlt wohl auch der Begriff Konkurrenzanalyse bekannt sein.

So: Schauen wir was er sucht: "einen guten Abschluss der Bewerber .. Soft Skills, die man mitbringen muss: Offenheit, Erscheinungsbild und Empathie ..."
Warum soll jemand mit einem guten Abschluss, der Charmant, offen, usw. ist sich mit einem Job mit schlechter Bezahlung, schlechten Arbeitszeiten, schlechten Arbeitsbedingungen zufrieden geben. Auch Arbeitnehmer können in der heutigen Zeit zum Glück ihren Arbeitgeber aussuchen.
Für was einen guten Abschluss? Wenn mich jemand kompetent berät, durch einen gekonnten sales funnel für den Laden Kunden zum Kauf bringt, dann ist es mir doch herzlich egal wie derjenige in der Schule war.

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25.02.2019

Ist schon eine fragwürdige Argumentation, wenn die Verantwortlichen zugeben, dass man sich im Internet vorab informiert und dann von qualifizierten Verkäufern bedient werden möchte. Das erwarten Kunden, dass man im Laden gut und richtig bedient wird. Ein "Warenausgeber" und Kassierer reicht hie nicht mehr. Das Wort Service ist hierzulande leider unbekannt. Auch sollte eine gerechte und ausreichende Bezahlung das mindeste sein. Man kann nicht zu finanziellen Lasten der Angestellten ein Geschäft betreiben!

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