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Interview

23.05.2019

Diese Meringer kämpfen gegen Rassismus in ihrem Ort

Das Aktionsbündnis „Mering ist bunt“ setzte im Frühjahr mit einer Kundgebung ein Zeichen gegen Rechts.
Bild: Heike John (Archiv)

Plus Die Anker-Außenstelle hat Mering in den Fokus der „Identitären Bewegung“ gerückt. Peter Hörmann von „Mering ist bunt“ erklärt, was sie gefährlich macht.

Vor über zehn Jahren hat sich das AktionsbündnisMering ist bunt“ gegründet, dessen Sprecher Sie sind, Herr Hörmann. Anlass waren massive Probleme mit einer Gruppierung rechtsextremer Jugendlicher in Mering. Gibt es diese Szene heute noch?

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Peter Hörmann: Nein, das womit wir es heute zu tun haben, ist damit nicht vergleichbar. Diese „Autononomen Nationalisten“, wie sie sich nannten, waren vornehmlich Jugendliche, die vor allem einzelne Leute im Ort bedroht haben.

Auch nicht schön.

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Hörmann: Ja, das war schon sehr ernst. Da haben die Meringer gut reagiert, als sie damals das Bündnis gegründet haben. Es hat zwar eine Weile gedauert, bis ein Konsens unter allen Beteiligten gefunden war aber danach hat es gut funktioniert. Die LKS (Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtstextremismus, Anm. d. Redaktion) hat uns sehr geholfen und es gab eine gute Zusammenarbeit mit dem Staatsschutz. Kompetente Leute wie damalige Jugendbeauftragte haben außerdem den Kontakt zu den Jugendlichen gesucht. Das ist ja ein Alter, in dem die Leute ihre Meinung noch ändern. Die meisten sind heute raus aus der rechten Szene.

Da hätte man ja sagen können, das Bündnis braucht es nicht mehr.

Hörmann: Ja, das haben viele auch schon zu uns gesagt. Aber es ist nicht so, dass es seitdem keine Probleme mit Rassismus in Mering mehr gibt.

Wie macht sich das bemerkbar?

Hörmann: Es gibt auf jeden Fall Rassisten und Leute mit verfassungswidrigem Gedankengut. Es werden immer wieder Leute beschimpft, die eine dunkle Hautfarbe haben oder aufgrund Kleidung oder Aussehen als „nicht deutsch“ betrachtet werden. Zudem gibt es Beschimpfungen im Internet. Ein selbst ernannter Sheriff betreibt eine Facebook-Seite „Mering wehrt sich“. Dort geht es ausschließlich um Straftaten, die von Flüchtlingen begangen wurden. Das Ziel ist es zu suggerieren, dass alle Flüchtlinge Verbrecher sind.

Diese Facebook-Seite gibt es schon seit Langem. Wer steckt dahinter?

Hörmann: Das wissen wir nicht. Denn es gibt kein Impressum. Wir haben uns auch schon mehrfach an Facebook gewandt. Denn was dort betrieben wird, ist reine Hetze – und das entspricht nicht den Facebook-Statuten. Doch der Konzern Facebook ist nicht bereit die Seite zu sperren, obwohl sie voller Hasskommentare ist.

Wie wirkt sich die Nachricht von der geplanten Anker-Außenstellen auf die Fremdenfeindlichkeit aus?

Hörmann: Sicher ist, dass sich viele Leute Sorgen machen. Da geht es aber weniger um die Flüchtlinge als um die Art der Unterbringung. Sie haben von Schwierigkeiten in den Ankerzentren Donauwörth und Fürstenfeldbruck gehört und fürchten, dass es auch in Mering Probleme gibt. Flüchtlinge haben wir ja schon länger. Und mit denen hat es bisher keine ernsthaften Probleme gegeben. Das hat auch dank der vielen Helfer eigentlich gut funktioniert.

Droht Mering "Rechtstourismus"?

Glaubt „Mering ist bunt“, dass es durch das Ankerzentrum zu einem Rechtstourismus in den Ort kommt?

Hörmann: Ja, so sieht es aus. Die rechtsextreme „Identitäre Bewegung“ war ja bereits mehrfach im Ort. Gut möglich, dass sich auch andere Gruppen berufen fühlen, hier Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen.

Erste Aktion war im März der Infostand auf dem Marktplatz. Mit der Gegenkundgebung hat „Mering ist bunt“ den Identitären natürlich auch Aufmerksamkeit verschafft. Wäre es vielleicht besser gewesen, das Ganze zu ignorieren?

Hörmann: Wahrscheinlich hätten sie dann weniger Aufmerksamkeit bekommen. Aber ich finde es wichtig, dass man solche Leute nicht unkommentiert auftreten lässt. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass das von den Meringern akzeptiert wird. Dazu kommt, dass die ja nicht offen als rechtsextremistisch auftreten. Sondern sie werben mit positiv besetzten Begriffen wie „Heimat“ und „kulturelle Identität“, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Die Blut-und-Boden-Mentalität, Aggression und Fremdenhass – die kommen dann erst später ins Spiel. Das sind Verfassungsfeinde, die Stimmen für rechte Parteien organisieren. Sie versuchen, die Grundstimmung gegen die Flüchtlinge zu drehen.

Für wie gefährlich halten Sie die „Identitären“?

Hörmann: Die rechte Szene ist heute viel professioneller als in meiner Jugend. Das hat man an auch an diesem Infostand auf dem Marktplatz gesehen. Und das macht sie erfolgreich und gefährlich. Diese Leute wissen, wie man die Öffentlichkeit erreicht. Da ist auch Geld dahinter. Das sind keine Anfänger, die sich nur ein bisschen profilieren wollen.

Was tun die Meringer gegen Rassismus?

Was kann „Mering ist bunt“ tun?

Hörmann: Nichts schadet denen mehr als Aufklärung. Deswegen ist es so wichtig, ihren Aktionen etwas entgegenzusetzen.

Wie gehen Sie mit dem alltäglichen Rassismus und mit Fremdenfeindlichkeit um?

Hörmann: Wir versuchen auf mehreren Ebenen gegen Rassismus zu arbeiten: Wir werben für Toleranz und ein friedliches Miteinander der Kulturen. Daher arbeiten wir auch mit dem internationalen Kulturverein zusammen. Daneben versuchen wir, die Leute über die rechten Gruppierungen zu informieren. Schließlich rufen wir dazu auf, mit Zivilcourage rechten Gruppierungen entgegen zu treten, wie im März als die „Identitäre Bewegung“ am Marktplatz aufgetaucht ist. Die Gegenkundgebung haben wir innerhalb kürzester Zeit auf die Beine gestellt. Bei Bedarf bringen wir die Meringer zusammen: Einigkeit macht stark.

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