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Tipps einer Heilpraktikerin

27.12.2018

Diese drei Wege führen raus aus dem Stress des Alltags

Viele Menschen sehnen sich nach Entspannung.
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Viele Menschen sehnen sich nach Entspannung.
Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Am Jahresende haben viele Menschen einen guten Vorsatz: mehr gegen den Stress tun. Aber wie? Heilpraktikerin Claudia Rühm aus Friedberg gibt praktische Tipps.

Nimmt die Bedeutung der Entspannung zu?

Claudia Rühm: Ja, weil wir sie uns nicht mehr von selbst nehmen. Durch viele Aufgaben, die alle gleichzeitig auf uns einprasseln, sind Ruhephasen kaum mehr möglich. Parallel dazu fällt auf, dass wir in unserer Leistungsgesellschaft gerne gut, oft sogar besser sein möchten.

Wie entsteht hier Stress?

Rühm: Genau dann, wenn wir meinen, es nicht mehr zu schaffen. Darum suchen viele nach Entspannung. Leider oft erst, nachdem der Körper Alarmsignale gibt. Das können ein Bandscheibenvorfall, Rückenschmerzen, Herzrasen usw. sein. Auffallend viele meiner Klienten holen sich bei mir Unterstützung. Das äußert sich in Panikattacken und Schlafstörungen bis hin zu Depressionen. Man muss aber unterscheiden. Es gibt positiven Stress (Eustress) und negativem Stress (Disstress). Positiver Stress entsteht, wenn wir den Herausforderungen, die an uns gestellt werden, gewachsen sind. Wenn aber zu viele Anreize kommen, kippt es. Dann haben wir zu viele Anreize und können das Problem nicht mehr lösen. Frust entsteht. Leistung fällt ab. Wir können uns nicht konzentrieren und werden müde. Können aber oft nicht mehr durchschlafen.


Wie läuft das ab?

Rühm: Stellen Sie sich vor, es ist ein geplanter Tag… und dann kommen mehrere Dinge, die Sie nicht steuern können: Sie stehen im Stau, dadurch bekommen Sie Zeitprobleme. Ihr Chef gibt neue Aufgaben, die unter Termindruck erledigt werden sollen… noch eine Aufgabe, .. und dann ein blöder Kommentar Ihres Kollegen: Da ist Ihre persönliche Belastungsgrenze erreicht oder gar überschritten – Stress entsteht… und dadurch können Sie Ihre Prioritäten nicht mehr wahrnehmen, Ihr Handlungsspielraum wird kleiner.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung?

Rühm: Eine große Rolle. Denn die so hoch gelobte ständige Erreichbarkeit stresst die Menschen. Das erwarten aber viele Chefs von ihren Mitarbeitern. Man soll sofort antworten und sofort handeln. Ein „Nein“ bedeutet oft eine verstärkte Angst um den Job. Und: Viele Menschen haben durch die vielen Aufgaben immer das Gefühl, nie wirklich fertig zu sein. Auch das sehe ich als Auslöser für Angststörungen: Die Angst, es könnte noch mehr kommen, noch mehr passieren, noch mehr gefordert werden.

Claudia Rühm leitet eine Gruppe in Progressiver Muskelentspannung an.
Foto: Sabine Roth



Wie kann man die Medien dennoch gezielt nutzen?

Rühm: Laut einer Studie der pronova BKK fühlen sich 87 Prozent der Deutschen gestresst. Bei der Hälfte besteht ein Burnout-Risiko. Neben Überforderung durch Zeit- und Leistungsdruck wurde festgestellt, dass viele nicht mehr auf die Signale ihres Körpers hören, rechtzeitig die „Bremse“ zu ziehen. Auch bei meinen Klienten merke ich die momentane Einstellung: Was nicht passt, soll „weg“ gemacht werden – wodurch sehr schnell zu Medikamenten gegriffen wird, um wieder „funktionieren“ zu können. Deshalb sollte man die Medien gezielt nutzen und die Vorteile der Digitalisierung schätzen.

Was kann man tun, um zu entspannen?

Rühm: Hier gilt es, die persönliche Belastungsgrenze erst einmal zu bemerken. Dann kann man rechtzeitig handeln. Allgemein wende ich drei Ansätze zur Stressreduktion an: Als erstes sollte man seine Gedanken überprüfen. Wenn Leute gewohnt sind zu denken: „Ich schaffe das nie“, „Ich muss der/die Beste sein“, dann sind dies nicht die besten Motivatoren. Hier gilt es, sich dies bewusst zu machen und wenn möglich umzuwandeln. Und vor allem sollten wir dem, was wir tun, einen Sinn geben. Zweitens empfehle ich, die Entspannungsmethoden gezielt anzuwenden, wie progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training, Yoga, QiGong, Meditation und Atemübungen. Diese helfen, wieder auf den Körper hören zu lernen. Drittens unterstützen körperliche Aktivitäten den Stressabbau. Es sollte aber kein neuer Leistungsdruck erzeugt werden. Prioritätenlisten können zudem helfen, Stress rauszunehmen.

Welche Methode empfehlen Sie?

Rühm: Das ist unterschiedlich. Man sollte alle drei Aspekte betrachten. Sinnvoll ist es, auszuprobieren, was einem guttut. Gut ist es, weg vom Außen hin zum Inneren zu schauen und sich zu fragen: Was passiert in mir? Was tut mir gut? Und dann ist vielleicht eher mal die Kneipe mit dem Kumpel oder der Freundin die beste Entspannung. Wichtig ist, dass die „Work-Life-Balance“ stimmt. Das ist das Zusammenspiel aus Fitness, Entspannung, Beruf, Geld, Ernährung, Familie, Freunde und Erfolg. Ich stelle fest, dass Menschen immer mehr die „aktive“ Entspannung suchen. Der Trend geht heute hin zu Yoga, QiGong und zur Progressiven Muskelrelaxation.

Was haben die Menschen für Vorsätze?

Rühm: Hier kommt genau das zum Tragen. Deshalb finde ich es spannend, dass so viele Menschen sich fürs neue Jahr als erstes wünschen, Stress zu vermeiden. Erst dann kommt der Wunsch, mehr Zeit für sich selbst zu haben, dann mehr Zeit für die Familie und für Freunde und als letztes mehr Sport. Und um die Zeit für sich selbst geht es hier in der Serie „Entspann dich“. Was wir uns immer wieder bewusst machen sollten: Alles, was dich stresst, ist dir auch irgendwo wichtig…

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