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Mering

27.06.2020

Dieser Meringer feiert seinen 100. Geburtstag

Herbert Gruhl betrachtet mit seiner Nichte Helga Schelle Bilder aus seiner Kindheit in Bremerhaven. Am Sonntag feiert er den 100. Geburtstag.
Bild: Christine Hornischer

Der Meringer Herbert Gruhl wird 100 Jahre alt. So erlebte er seine Kindheit der 1920er Jahre und die russische Kriegsgefangenschaft.

Das erste, das ins Auge fällt, sind sein verschmitztes Lächeln und die vergnügten Augen. Dann hört man den typischen norddeutschen Dialekt, als er anfängt zu „schnacken“. Unglaublich, dass Herbert Gruhl am Sonntag den 100. Geburtstag feiert. „Ich bin glücklich und zufrieden“, sagt der geborene Bremerhaver, der seit 13 Jahren in Mering lebt. „Ich bin hier sicher, habe meine Freiheit“ – Da ging es in seinem bewegten Leben schon ganz anders zu.

Bei seiner Geburt am 28. Juni 1920 in Bremerhaven bestimmte die wirtschaftliche Not in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg den Alltag. „Wir waren sechs Geschwister“, erzählt Gruhl. „Ich musste als Junge oft Pferdeäpfel für unseren elterlichen Garten sammeln“. So nannten ihn die anderen Jungen „Peerködelsammler“, also Pferdeäpfelsammler.

Kriegsversehrte prägten ebenso das Straßenbild wie unterernährte Kinder. „Wenn meine 21 Jahre ältere Schwester mich mit dem Kinderwagen schob, meinten alle, ich sei ihr Bub“, erzählt er vergnügt. Nach einer Ausbildung zum Elektriker arbeitete er gerade mal ein Jahr als Geselle, als er am 1. Oktober 1939 Soldat wurde. Unter vielen anderen Einsätzen arbeitete er auch in Paris als Flugzeugtechniker. „Das war ein feines Leben“, freut er sich noch heute.

Dieser Meringer feiert seinen 100. Geburtstag

100-jähriger Meringer: Seine Frau Anna lernt er in Bad Wörishofen kennen

1945 kam er dann für vier Wochen nach Bad Wörishofen, wo er seine spätere Frau Anna kennen und lieben lernte. „Sie arbeitete damals in einem Hotel und hat mir oft Essen oder Lebensmittelmarken mitgebracht“, erinnert er sich.

Nie vergessen hat Gruhl den Tag, als ihn die Russen gefangen nahmen. „Im Morgengrauen sahen wir die russischen Panzer anrücken und niemand wusste genau, was passiert“. Das Ergebnis: Ab in einen Viehwaggon, in dem jeweils in der Ecke ein Loch für die Bedürfnisse war. Acht Tage mussten die Gefangenen nach Russland in dem engen Wagon ausharren.

 

Dort hieß es dann 500 bis 600 Gramm Brot am Tag, einmal im Monat duschen und entlaust werden. „Am Schlimmsten waren die Impfungen“, erinnert sich Gruhl. Einmal im Jahr wurden alle Arbeiter geimpft, indem sie sich in Reih und Glied aufstellen mussten und der Arzt mit Nadeln in den Rücken stach - alle nacheinander wie mit einer Nähmaschine. Die Narben hat Herbert Gruhl heute noch.

Meringer lebt mit 100 Jahren noch selbstständig in der eigenen Wohnung

Drei Jahre dauerte die Kriegsgefangenschaft, dann wurde er heimgeschickt, weil er nur noch 40 Kilo wog. Seine Genesungszeit verbrachte er bei Anna, die gebürtig aus Althegnenberg stammte. So kommt es auch, dass Gruhl, der lange mit seiner Anna in Bremerhaven wohnte, vor 13 Jahren, als seine Frau starb, in Mering eine neue Heimat fand. Die Tochter seiner Schwägerin, Helga Schelle, holte ihn in den Schoß der Familie. „Dafür werde ich ihr immer dankbar sein“, sagt Gruhl. Mit ihr trifft er sich jeden Tag zum gemeinsamen Kaffeetrinken. Urgroßnichte Michaela hält ihm zwar die Wohnung sauber, aber ansonsten ist er sehr selbstständig und liebt seine Wohnung im dritten Stock.

Wenn am Sonntag der 100. Geburtstag gefeiert wird, haben sich natürlich auch Landrat und Bürgermeister schon zum Gratulieren angekündigt.

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