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Gotteshaus

30.12.2016

Drei neue Zwiebeln für Merching

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2 Bilder
Nach nur 22 Jahren besteht am Merch-inger Gotteshaus erneut Sanierungsbedarf.
Bild: Benjamin Reif (Archiv)

Die außergewöhnlichen Kuppeln der Kirche sind marode. Dabei sind sie erst 1994 saniert worden.

Zunächst fiel es nur nach heftigem Regen und Hagel besonders auf: Schindelstücke lagen um Merchings Kirche verteilt und von unten war zu sehen, dass wieder ein paar ausgetauscht werden mussten.

Alfons Magg und Kirchenpfleger Josef Oberhuber wollten sich ein genaueres Bild machen und stiegen auf den Turm. Was sie dort sahen, hatten sie nicht im Ansatz vermutet: Die Kuppeln der Merchinger Kirche sind bereits nach 22 Jahren defekt. „Wir waren sehr überrascht“, sagt Magg. Es regnet hinein und es schimmelt an einigen Stellen. „Auch das Diözesanbauamt befand: unbedingter Sanierungsbedarf“, erläutert Oberhuber. „Der Defekt betrifft nicht nur die Wetterseite im Westen, wo auch deutlich zu sehen ist, dass einige Schindeln fehlen. Besonders schlimm betroffen ist auch die Südseite, die durch die starke Sonneneinstrahlung noch massiver beschädigt ist.“

Gerechnet hat damit in Merching wohl niemand, erst 1994 fand die letzte Sanierung der drei Kuppeln mit Buchenholzschindeln statt. Christian Failer, der damals als Ministrant die Sanierung von nahem in Augenschein nahm, erinnert sich noch gut daran. Er setzte sich bei den Freien Wählern aktuell dafür ein, dass das „Wahrzeichen von Merching“ erhalten bleiben kann – die Gruppierung legte damit den Grundstein für eine Spendenaktion.

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Doch ganz so einfach ist es mit der Sanierung noch nicht: Im Bauamt wird das Projekt noch geprüft und im Amt für Denkmalschutz darüber entschieden, ob nicht die oberen beiden Kuppeln wieder aus Metall (Kupferblech) sein dürfen. Darüber ist zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage möglich, heißt es. Dabei ist der Turm mit der seltenen Dreifach-Zwiebelhaube den Merchingern lieb und buchstäblich teuer: Wahrscheinlich wurde die Pfarrkirche Merching ab 1707, drei Jahre nach dem verheerenden Brand am 6. Oktober 1704, neu aufgebaut. „Der spätgotische Chor und das Turmuntergeschoss wurden in den Neubau integriert. 1737 hat wohl eine Turmerhöhung stattgefunden. Die heutige, zweifach gestaffelte Haubenkonstruktion mit den drei übereinandergesetzten Zwiebelhauben und den dazwischenliegenden Oktogonschäften muss also in diesem Zusammenhang errichtet worden sein“, heißt es beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Gerne erzählt man sich in Merching die Geschichte, dass die Dreifach-Haube ein Schwarzbau war (genehmigt soll nur eine zweifache gewesen sein) und die Merchinger kräftig Strafe zahlen mussten. Gesichert ist dies jedoch nicht. Sicher ist, dass es die seltene Dreifach-Zwiebel nur zweimal in Bayern gibt: Der typgleiche Kirchturm der Katholischen Pfarrkirche St. Jakobus d. Ä. in Lengfurt (Gemeinde Triefenstein) im Landkreis Main-Spessart wurde zwischen 1702 und 1707 errichtet und ist damit etwas älter als der Kirchturm in Merching, erklärt das Denkmalpflegeamt. Eine weitere Dreifach-Zwiebel, allerdings in den Details etwas anders – ohne die dazwischen gestellten oktogonalen Schäfte – gibt es bei der Filialkirche St. Nikolaus in Straß (Gemeinde Ainring) im Berchtesgadener Land.

Liebevoll restauriert wurden der Kirchturm und die Kuppeln in Merching immer wieder, wie es Franz Knittel in seinem Heimatbuch für die Jahre 1819/1820, 1898 und 1954 belegt. Dass es in Merching mit der Restaurierung bald losgehen kann, hoffen alle Beteiligten, denn dieser Schaden ist auch für die Bausubstanz nicht ideal. Wann ist noch ungewiss – Kirchenpfleger Oberhuber hofft im kommenden Frühjahr.

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