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Aichach-Friedberg

09.01.2021

Droht Senioren im Wittelsbacher Land die Wohnungsnot?

Eine barrierefreie Dusche gehört zu den wichtigsten Ausstattungsmerkmalen einer seniorengerechten Wohnung.
Bild: IG BAU

Plus Wenn die Treppe zum Hindernis wird: Die Gewerkschaft IG Bau warnt, dass es in Aichach-Friedberg nicht genug seniorengerechte Wohnungen gibt.

Die Gewerkschaft Bauen, Agrar und Umwelt (IG BAU) warnt für das Wittelsbacher Land vor einem Mangel an barrierefreiem Wohnraum für Senioren. "Wenn die Rentner-Generation nicht stärker berücksichtigt wird, droht vielerorts schon in einigen Jahren eine graue Wohnungsnot", sagt der Bezirksvorsitzende Michael Jäger. Denn: Nur ein kleiner Teil der Wohnungen sei für die rasant wachsende Generation über 65 Jahren geeignet.

"Das muss sich ändern", sagt Jäger. Die IG BAU fordert deshalb, das Zuschussbudget des staatliche Kreditinstitutes für Wiederaufbau (KfW) für altersgerechtes Bauen mindestens zu verdoppeln.

Ist das Eigenheim oder die Wohnung nicht barrierefrei, droht Senioren auf ihrem Lebensweg irgendwann der Abschied von den eigenen vier Wänden.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Das Fördervolumen betrug im letzten Jahr 150 Millionen Euro und war weit vor Jahresende ausgeschöpft. "Es kann nicht sein, dass ein Rentner nur deshalb ins teure Pflegeheim muss, weil eine ambulante Betreuung an der seniorengerechten Ausstattung der eigenen Wohnung scheitert", so Jäger.

"Die meisten Menschen wollen natürlich solange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben. Dafür bedarf es aber eines bestimmten baulichen Umfeldes", weiß Günther Riebel, Vorstandsmitglied der Baugenossenschaft Friedberg. Da viele Wohnungen diese Ansprüche nicht erfüllen, gebe es bereits jetzt dringenden Bedarf an seniorengerechtem Wohnraum. Für die Baugenossenschaft sei es seit Jahren Standard, barrierefrei zu bauen.

Das Problem liegt bei den Bestandswohnungen in Aichach-Friedberg

"Im Neubau ist barrierefreies Bauen ab zwei Wohneinheiten nach der Bayerischen Bauordnung verpflichtend“, sagt auch Alois Kolper, Inhaber eines Friedberger Bauunternehmens. Schon seit 20 Jahren beziehe er im Neubau die Bedürfnisse von älteren und behinderten Menschen in die Planungen mit ein, um auch diese Käuferschicht bedienen zu können.

"In erster Linie bedeutet das einen barrierefreien Zugang zum Gebäude, wenn notwendig über Rampen im Bereich der Hauseingänge, und die stufenfreie Begehbarkeit der Wohnungen ohne fremde Hilfe“, erklärt Kolper. Barrierefreiheit sei im Neubau, je nach den Gegebenheiten, zwar ein finanzieller Mehraufwand, doch die Kosten hielten sich meist in Grenzen.

"Das Problem sehe ich eher im Umbau von Bestandswohnraum“, so der Bauunternehmer. Dort sei ein Umbau oft nur unter erheblichem finanziellen Aufwand oder schlichtweg gar nicht möglich. "Wenn zum Beispiel eine Tiefgarage von der Basis her nicht ausgelegt ist auf die Barrierefreiheit, bekommt man das oft nur schwerlichst in den Griff", erklärt Kolper.

Bleibt der Wohnungsmarkt für Senioren in Aichach-Friedberg stabil?

Peter Müller, Sprecher der Pro Seniore AG, die auch in Friedberg-Süd eine Einrichtung betreibt, sieht die Lage relativ entspannt. "Schon seit Jahren gibt es in Deutschland Umbauprogramme und Förderzuschüsse. Es wäre schon ein tiefer Blick in die Glaskugel, zu behaupten, dass alte Menschen künftig in Wohnungsnot geraten", so Müller. Dass die Nachfrage nach seniorengerechtem Wohnraum steigt, stehe außer Frage. "Ich glaube aber, dass der Wohnungsmarkt auch für die Alten stabil genug ist."

Für alte Menschen ist es wichtig, mit ihrem sozialen Umfeld in Kontakt zu bleiben. Beim Neubau von Senioreneinrichtungen wird deshalb auch auf Begegnungsstätten Wert gelegt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Bei der Planung von Wohnprojekten dürfe es nicht nur um die Zugänglichkeit der Räumlichkeiten gehen, so Gabriele Bott, Leiterin des Sachgebiets Altenhilfe im Landratsamt Aichach-Friedberg. "Der finanzielle Aspekt spielt eine wichtige Rolle. Wohnraum für Senioren muss auch bezahlbar sein, da sind gemeinnützige Baugesellschaften gefragt", so Bott.

Nicht nur Barrierefreiheit ist bei seniorengerechtem Wohnen wichtig

Auch die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe müsse gegeben sein, wenn Wohnraum für Senioren geschaffen wird. "Dazu ist es wichtig, dass es in der Nähe einen Supermarkt, einen Arzt und eine Apotheke gibt", so die Sachgebietsleiterin. Außerdem müsse man Orte zu schaffen, wo alte Menschen mit ihrem sozialen Umfeld in Kontakt kommen können, um Einsamkeit unter Senioren entgegenzuwirken.

Bott verweist in diesem Zusammenhang auf das geplante Projekt in der Rieder Ortsmitte, wo Bewohnern künftig eine Begegnungsstätte und eine gute Anbindung an den örtlichen Supermarkt zur Verfügung stehen soll. Insgesamt sollen im Wittelsbacher Land in den kommenden zwei bis drei Jahren in fünf Kommunen neue altengerechte Wohnprojekte geschaffen werden, heißt es im seniorenpolitischen Konzept des Landratsamtes.

Wohnungen an der Afrastraße in Friedberg sind bald bezugsfertig

Auch die die Stadt Friedberg hält 67 Wohnungen vor, die barrierefrei sind. Diese Neubauten geförderten Wohnraums an der Afra- und Georg-Fendt-Straße sollen im April bezugsfertig sein. Eine Wohnung würde sich als Senioren-WG eignen. Die 285 anderen städtischen Wohnungen dagegen liegen in Altbauten und sind nicht barrierefrei. Über weitere Projekte denke man aber nach, so Stadtsprecher Frank Büschel - abhängig von Bedarf und Haushaltslage.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Senioren brauchen zum guten Wohnen mehr als eine breite Eingangstür

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