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Mering

15.12.2020

Droht dem Meringer Unternehmen Ludwig Leuchten die Insolvenz?

Die Meringer Firma Ludwig Leuchten schließt ihre Produktion in Mering. 60 Mitarbeiter erhalten bald die Kündigung.
Bild: Elisa Glöckner

Plus Das Meringer Unternehmen Ludwig Leuchten befindet sich wieder in Schieflage. Wie unsere Redaktion exklusiv erfuhr, ist das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet.

Das ist nicht das erste Mal, dass Ludwig Leuchten um seine Existenz bangen muss. Vonseiten der Geschäftsführung verweist man gegenüber unserer Redaktion an Matthias Nierhaus, der als Experte das Unternehmen beim Sanierungsprozess begleitet.
Er ist als Generalbevollmächtigter von Ludwig Leuchten eingesetzt. Der Fachanwalt betreut für die Münchner Kanzlei Wellensiek die insolvenzrechtlichen Angelegenheiten des Unternehmens. Nierhaus erklärt: "Derzeit läuft ein sogenanntes vorläufiges Eigenverwaltungverfahren, das am Amtsgericht Augsburg beantragt wurde."

Ein Arbeiter der Firma Ludwig schweißt Elemente für die Bahnsteigbeleuchtung der Metro in Amsterdam. Dafür kommt spezieller Stahl zum Einsatz, der nicht rostet.
Bild: Gönül Frey

Nierhaus informiert, dass als vorläufiger Sachwalter zudem der Fachanwalt für Insolvenzrecht Dr. Paul Abel von der Augsburger Kanzlei Anchor für Insolvenz und Sanierung vom Gericht bestellt wurde. Die sogenannte Eigenverwaltung ist im Rahmen der Insolvenzordnung ein "Instrument zur Sanierung und Restrukturierung von Unternehmen". "Es kommt zum Einsatz, wenn eine Insolvenz nicht mehr vermeidbar ist, das betroffene Unternehmen aber über einen fortführungswürdigen Geschäftsbetrieb und eine Perspektive verfügt", erklärt Nierhaus.

Anders als bei der Regelinsolvenz bleibe die Unternehmensführung "Herr des Geschehens" und agiere selbst als (vorläufiger) Insolvenzverwalter. "Das bedeutet, dass der bisherige Geschäftsführer Robert Ehlert auch weiterhin in verantwortlicher Position tätig ist."

70 Jahre gibt es bereits Ludwig Leuchten in Mering

Momentan werde der Geschäftsbetrieb mit der Leuchtenherstellung in Bergen und die Verwaltung in Mering fortgeführt.

Ludwig Leuchten, das auf 70 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblicken kann, stellt mittlerweile nur noch am Produktionsstandort im sächsischen Bergen Leuchten und Sonderlösungen für die Industrie her. Die Verwaltung blieb am Standort in Mering. Heute arbeiten 100 Beschäftigte in Bergen und für Verwaltung und Vertrieb rund 20 Mitarbeiter in Mering, wie der vom Gericht bestellte Sachwalter Paul Abel berichtet.

"Die Mitarbeiter wurden über die Situation des Unternehmens bereits mehrfach von Geschäftsführer Robert Ehlert informiert", so Nierhaus. Zudem sei in den nächsten Tagen eine weitere Betriebsversammlung vorgesehen. Über Details möchte Nierhaus nicht sprechen. "Wir befinden uns mitten in den Prozessen und wollen deshalb zuerst unserer Belegschaft die neuesten Informationen zukommen lassen", sagt Nierhaus.

Der Meringer Leuchtenhersteller Ludwig Leuchten war an der Ausstattung des neuen Satellitengebäude des Münchner Flughafens beteiligt.
Bild: Flughafen München, Werner Hennies

Er bestätigt jedoch, dass es bereits Interessenten für Ludwig Leuchten gebe. Wer das ist und wo künftig produziert wird, lässt Nierhaus aber offen. "Der Investorenprozesse ist angestoßen und es gebe eine intensiven Austausch mit den Investoren", erklären jeweils Sachwalter Abel und der Münchner Experte Nierhaus.

Mieter bei Ludwig Leuchten in Mering müssen sich nicht sorgen

Bereits 2014 schlüpfte Ludwig Leuchten unter ein sogenanntes Schutzschirmverfahren, um so ein Sanierungskonzept zu erarbeiten. Alexander und Claudius Ludwig schieden als Geschäftsführer aus. Neuer Geschäftsführer wurde Florian Möckel , der gemeinsam mit Erich und Günter Ludwig das Unternehmen leiten sollte. Damals waren etwa 260 Mitarbeiter in Mering und Bergen beschäftigt. 67 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. Noch im Jahr 2008 waren bei Ludwig Leuchten 500 Menschen beschäftigt.

2017 dann die nächst Hiobsbotschaft: Die Produktion wurde 2018 komplett von Mering nach Bergen verlagert. Für 80 Mitarbeiter bedeutete dieser Schritt das Aus bei Ludwig Leuchten. Robert Ehlert übernahm im August 2018 die Geschäftsführung von Möckel. Warum Möckel gehen musste, teilte die Unternehmersfamilie Ludwig nicht mit. Mittlerweile sind auch Erich und Günther Ludwig nicht mehr in der Geschäftsführung.

Nierhaus betont: "Für die Mieter der Ludwig Leuchten GmbH & Co. KG besteht kein Grund zur Sorge." Die Mietverhältnisse seien nach derzeitigem Stand nicht von den Verfahren betroffen. Sowohl die Tafel, der Bienenkorb, die Kindertagespflege, der Kleiderladen oder auch das Tanzstudio und weitere Büros sowie die Kolpingkulturwerkstatt können weiterhin dort ihren Betrieb aufrechterhalten.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Retten, was zu retten ist, bei Ludwig Leuchten Mering

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