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Verkehr

15.09.2018

Echt abgefahren: Die Friedberger Allgemeine testet ein Elektroauto

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Von kein Wagen über Kleinwagen bis zum Sportwagen: Die Mitglieder unserer Lokalredaktion haben ganz unterschiedliche automobile Erfahrungen. Jetzt durften sie zwei Wochen lang einen BMW i3 Probe fahren. Hier berichten sie von ihren Erlebnissen mit dem stillen Flitzer

Erste Begegnung am Friedberger Marienplatz: Der Elektro-BMW glänzt mit den Augen unseres Chefs um die Wette. Und mein sonst eher zurückhaltender Kollege wird gesprächig wie bei einem ersten Date. Was ist das nur mit den Männern und teuren Autos?! Mich macht die Kiste jetzt schon fertig. Tausend Knöpfe und ein Anschaffungswert von über 40000 Euro. Vor meinem inneren Auge ziehen alle Aus- und Einpark-Missgeschicke aus gut 20 Jahren Führerscheinbesitz vorüber. Vielleicht kann ich mich vor meiner Testfahrt drücken.

Hat natürlich nicht geklappt. Kurz vor Rückgabe des Autos krieg ich doch noch den Schlüssel in die Hand. Bisher bin ich nur mit Gangschaltung gefahren und trete ab und zu noch nach einer Kupplung, die es gar nicht gibt. Aber ich gewöhne mich schnell an diese Bequemlichkeit. Die Klimaanlage ist viel toller als die in meinem alten Skoda und an diesem heißen Tag mehr als willkommen. Jetzt noch Musik und die Fahrt wäre perfekt. Ich finde den Anschaltknopf fürs Radio und erinnere mich sogar, wie ich den Sender einstellen kann. Ich bin stolz auf mich. Leider hat irgendjemand den Ton abgestellt. Ich dreh ein bisschen am Menü-Rad. Die Lautsprecher bleiben stumm, dafür springt das Navi an und zeigt mir ... Verdammt! Ich bin gerade am Segmüller vorbei, dabei muss ich nach Ried.

Ich lass also die Knöpfe Knöpfe sein und geb mich damit zufrieden, heil an mein Ziel und zurück zu kommen. Mein Fazit: Mit wesentlich weniger Bedien-Schnickschnack, einem dritten Sitzplatz auf der Hinterbank und einem günstigeren Anschaffungspreis könnte ich mir so ein Elektroauto schon vorstellen – ich kann aber auch ohne leben. Gönül Frey

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Wer um die Jahrtausendwende spendierfreudige — und spendierfähige — Eltern hatte, der bekam, frisch dem Bobby-Car-Alter entwachsen, ein kleines Elektroauto. Ich und meine Schwester bekamen einen Traktor, immerhin John Deere, mit Pedalen. Während manche Nachbarskinder, von einem summenden Geräusch begleitet und ohne jede Anstrengung über die Straße düsten, mussten wir weiter unsere Beine bemühen. So also meine persönlichen Erfahrungen mit Elektroautos, bevor ich mich zum ersten Mal ans Steuer des i3 setzte. Und zugegeben: Die Spritztour war ein bisschen Wiedergutmachung. Diesmal surrte ich geräuschlos über die Straße. Mit Geschwindigkeiten und einer Beschleunigung, die den Nachbarskindern von damals Tränen des Neides in die Augen getrieben hätte. So richtig konnte ich allerdings nicht genießen: Beim klassischen Benziner brüllt mir der Motor permanent zu, dass ich gerade eine Sünde an der Umwelt begehe. In einem Elektroauto flüstert das schlechte Gewissen. Die saubere Luft kaufen wir uns mit Kobalt aus dem Bürgerkriegsland Kongo und Lithium, dessen Förderung in Südamerika enorme Mengen Wasser verbraucht.

Bis ich einmal ganz bedenkenlos Autofahren kann, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen. Vielleicht retten mich eines Tages Brennstoffzellen, neuartige Batterien oder eine Innovation, die heute noch nicht bekannt ist. Bis dahin ist so ein Auto dann vielleicht auch finanziell eine Option. Heute wie damals heißt es für mich aber: weiter in die Pedale treten – oder auf die Bahn warten. Mareike König Autos haben mich schon immer interessiert. Als ich ein kleiner Bub war, musste mir meine Mutter die Typenschilder an den blinkenden Karossen vorlesen. Noch bevor ich schreiben und rechnen lernte, konnte ich mühelos einen Ford 12M von einem Opel Kapitän unterscheiden. Automobile Höhepunkte meiner Kindheit waren der Porsche des Nachbarn und der Maserati, mit dem die Gattin des Strumpffabrikanten durchs Städtchen brauste.

Auch heute noch bin ich der festen Überzeugung, dass zwei Liter eine akzeptable Maßeinheit fürs Bierzelt sind, nicht aber für den Hubraum meines Autos. Und dann das: Kein einziger Zylinder, null Kubik. Aber immerhin: Es riecht wie ein BMW, es fühlt sich an wie ein BMW und hat teilweise die gleichen Funktionen an Bord. Und weil das 170-PS-Elektromotörchen im BMW i3 stufenlos hochdreht, entsteht eine Beschleunigung, die auch einen Sportwagenfahrer anerkennend nicken lässt. Wer allerdings zu oft „pedal to the metal“ gibt, muss bei der Reichweite erhebliche Abstriche machen. Einmal Überholen kostet zehn Kilometer. Um die 240 Kilometer zu schaffen, die das Display bei vollem Akku anzeigt, darf man das „Gas“-Pedal am besten nur streicheln. Gut, dass die Ladesäule an der Uhrmachergasse, direkt vor der Tür unserer Redaktion, meistens frei ist.

Der Weg zur Arbeit und ein Wochenendausflug an dem Ammersee sind trotzdem locker drin. Selbst ins Allgäu kommt man hin und zurück dank des Range Extenders, eines kleinen Benzinmotors, der bei Bedarf die Batterie für einige Zusatzkilometer speisen kann. Und irgendwann finde ich dieses fast geräuschlose Dahingleiten ganz entspannend. Schade, dass wir ihn nach zwei Wochen wieder hergeben müssen. Wenn meine Garage nicht schon voll und der Preis nicht so hoch wäre – ich könnte mich damit anfreunden. Thomas Goßner

Sie sollen uns also den Weg in eine automobile Zukunft weisen – die E-Autos. Doch auf dem Weg dorthin scheint es noch einige hohe Hürden zu geben, vor allem was den Preis und auch die Reichweite der Gefährte betrifft. Der BMW i3 beispielsweise kostet schlappe 40000 Euro – viel Geld für einen fahrbaren Untersatz. Dennoch ist es natürlich reizvoll, dieses Auto mal Probe fahren zu dürfen. Und schon nach dem Einsteigen stehe ich vor den ersten kleineren Problemchen. Seit vier Jahrzehnten bin ich das Fahren mit Gangschaltung gewohnt, hier aber gilt es, sich mit der Automatik zurechtzufinden. Eigentlich kein großes Ding denke ich, den linken Fuß einfach „abstellen“ und los. Doch da wartet die nächste ungewohnte Beschaffenheit: Der Automatikhebel, mit dem sich die verschiedenen Gangarten einstellen lassen, befindet sich nicht in der Mittelkonsole, sondern überm Lenkrad. Das ist wirklich gewöhnungsbedürftig.

Doch dann geht’s los und man muss wirklich aufpassen, wenn es los geht – denn man hört nichts. Absolut geräuschlos setzt sich der BMW i3 in Bewegung und ich muss sagen, ich war auch erstaunt, wie spritzig der Elektromotor ist. Der Wagen fährt sich sehr flott, nur das mit dem Bremsen ist auch anders als gewohnt. Schließlich verwertet der BMW i3 die Bremsenergie zum Laden der Batterie – so kann das sanfte Langsamer-Werden rein über das Gaspedal gesteuert werden. Alles in allem eine schöne Erfahrung, auch wenn sich mir eine Frage stellt: Wohin mit der rechten Hand? Ein Ablegen auf den Schalthebel ist nämlich nicht praktikabel. (Peter Kleist)

Ich finde, die beste Art, die Umwelt zu schonen, ist kein Auto zu benutzen. Als es hieß, jeder dürfe das umweltschonende E-Auto Probe fahren, wusste ich daher gar nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Die Fahrten seien herrlich entspannend, wurde mir versprochen. Zur Entspannung mache ich Yoga und Druck gibt es in der Bahn, die mich in neun Minuten von Augsburg nach Friedberg trägt, auch nicht.

Großeinkauf am Wochenende? Ging nicht, der Chef wollte testen, ob der i3 es bis ins Allgäu schafft. Wäre eh blöd gewesen mit Getränkekisten und dem Monatsvorrat an Lebensmitteln: Der Kofferraum ist für so was zu klein. Wobei die spacigen Flügeltüren das Beladen des Rücksitzes erleichtern. Schließlich unternahm ich einen entspannten Badeausflug. Und es stimmt: Das Fahrerlebnis ist lässig. Beim Beschleunigen drückt es einen so schön in den Sitz wie beim Flugzeugstart (aber viel umweltschonender) und vom Gas gehen statt bremsen ist angenehm. Leise ist es auch. Oft hatte ich deshalb Sorge, dass mich Fußgänger nicht hören.

Als ich meinen Blick mal auf den Tacho lenkte, habe ich kurz überlegt, ob ein Polizist die Ausrede „ich habe nicht gehört, dass ich zu schnell bin“ akzeptieren würde. Aber ich habe mich wohlgefühlt in dem BMW. Und ein Erfolgserlebnis hat er mir auch beschert, nämlich ganz entspannt beschleunigt und meinen Chef in seinem Sportwagen überholt. Dass diese Kleinwagenfahrer immer so stolz auf solche Überholmanöver sein müssen, hat der mich danach belächelt.

Kleinwagen? Hat doch 170 PS. Ich lasse auf den i3 nichts kommen. Außer vielleicht, dass er ein Auto ist. Ute Krogull

Wenn Elektroautos die Zukunft darstellen, dann fällt der Start holprig aus. Für das ruckartige Vorankommen kann der BMW i3 aber eigentlich nichts. Vielmehr bin ich es einfach nicht gewohnt, ein Auto ohne Kupplung zu fahren. Schnell weiche ich daher bei der ersten Testfahrt in eine ruhige Seitenstraße aus. Nach ein paar Metern habe ich mich daran gewöhnt, mit zwei Pedalen auszukommen. Auf der Landstraße gebe ich zum ersten Mal richtig Gas. Da mein alter Benziner nur 70 Pferdestärken hat, beeindruckt mich die Beschleunigung sehr. Es ist ein interessantes Gefühl, in den Sitz gedrückt zu werden. Als ich vom Gas runtergehe, bin ich erneut überrascht. Damit, dass das Auto so schnell langsam wird, habe ich nicht gerechnet. Mit der Zeit habe ich es raus, nur noch mit dem Gaspedal die Geschwindigkeit zu regeln. Es macht Spaß, den Elektro-Flitzer zu fahren. Jedoch schreckt der Preis ab. Wer 40000 Euro für den i3 ausgibt, der muss schon sehr von der Technik überzeugt sein. Zumal der Wagen sich nur als Zweit- oder Stadtauto eignet. Die Reichweite lässt zwar einen Trip ins Ausland zu, doch in den Kofferraum passt nur wenig Gepäck. Philipp Schröders

Ich gestehe: Am Anfang war ich ein wenig skeptisch. Ob ich das mit der neuen Technologie auch wirklich kapiere und ob ich mich daran gewöhne, dass man einfach, ohne groß auf die Bremse drücken zu müssen, das Tempo reduzieren kann. Und dann noch dieser Schlüssel, der kein Zündschlüssel mehr ist. Doch schon nach den ersten Minuten waren alle Bedenken wie weggewischt und ich hatte den kleinen Flitzer in mein Herz geschlossen.

Normalerweise kutschiere ich meine Großfamilie mit dem Kleinbus durch die Gegend. Während sonst mein Diesel sich eher etwas langsam anlässt, ist das mit dem Elektroauto überhaupt kein Problem. Schnell und wendig zeigt sich der BMW i3 im Stadtverkehr und über Land sowieso. Es machte Spaß, mit dem kleinen Flitzer zu fahren. Besonders die Beschleunigung hatte es mir angetan. Auch mit vier Personen gab es keinerlei Einschränkungen für die Fahrgäste. Nur der Kofferraum ist ein wenig klein, wenn die Rückbank komplett besetzt ist und kein Sitz umgeklappt werden kann.

Ein bisschen Geduld und Voraussicht sind jedoch gefragt, was die Aufladezeiten anbelangt. Mal eben schnell zur Tankstelle fahren und weiter geht die Fahrt, ist mit einem E-Auto nicht einfach möglich. Doch in meinem Fall übernahm diese Prozedur Gottseidank mein Chef und so blieb mir das reine Fahrvergnügen überlassen. Eva Weizenegger

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