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Breitensport

10.09.2018

Ein Berg kommt selten allein

Unser Kollege Daniel Weber hat es geschafft.
Bild: Michael Hochgemuth

Beim 16. Friedberger Halbmarathon können die Teilnehmer gleich viermal ihre Ausdauer an der Steigung beweisen. Ein Kollege unserer Redaktion schwitzt mit.

 

Am besten ist an Volksläufen ja eigentlich das Drumherum. Und das ist beim Friedberger Halbmarathon ganz besonders schön. Schon als ich mich eine halbe Stunde vor dem Startschuss in Richtung Marienplatz aufmache, ist die Ludwigstraße voller Menschen in Laufshirts, die mit ihren Bekannten und Verwandten das gleiche Ziel haben wie ich. Heute ist Ausnahmezustand: Autos dürfen nicht in die Altstadt, Männer und Frauen joggen mitten auf der Straße und wärmen sich auf. Wobei „Aufwärmen“ bei dem warmen Sommerwetter vielleicht der falsche Begriff ist.

Als es auf 10 Uhr zugeht, drängen alle Läufer zum Start, es werden noch über die Absperrungen hinweg ein paar Worte und Küsschen ausgetauscht. Dann warten wir alle gespannt darauf, dass Freddy Mercury seinen „Final Countdown“ beendet. Die Moderation warnt noch vor dem lauten Knall, aber als die Böllerschützen feuern, erschrecken doch alle. Und dann geht es los.

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Viel zu schnell rennen wir die Ludwigstraße entlang, voller Euphorie und angepeitscht vom Rufen und Klatschen der zahlreichen Zuschauer. Spätestens auf Höhe des Krankenhauses fällt dann aber auch dem letzten Enthusiasten auf, dass er noch eine lange Strecke vor sich hat, und die Läufer finden in ihr Tempo.

Aber es dauert nicht lange und schon steht die erste Blaskapelle an der Strecke, die für gute Stimmung sorgt. Erst als die Musik hinter mir leiser wird, merke ich, dass wir alle wieder schneller geworden sind. Für Motivation ist durch die vielen Zuschauer und Musikgruppen bestens gesorgt. Unten am Berg werden wir noch kräftig in Stimmung getrommelt und machen uns an den ersten Anstieg zum Marienplatz. Wir schnaufen und prusten und wollen uns vom Klatschen der vielen Zuschauer nach oben tragen lassen. Laufen müssen wir dann aber selbst.

Irgendwann kommt endlich der Marienplatz in Sicht, mit noch mehr Publikum und noch mehr Applaus. Ich renne auf die Moderation zu und biege rechts ab, auf geht’s zur zweiten Runde. Durch das viele Anfeuern am Marienplatz und an der Ludwigstraße fühle ich mich tatsächlich wieder gestärkt.

Außerdem habe ich inzwischen eine Ablenkung: Sie – oder besser er – heißt Benjamin und ist schon eine Weile genau in meinem Tempo unterwegs. Wir unterhalten uns ein wenig, um uns davon abzulenken, dass wir schon jetzt schwere Beine haben. Schließlich laufen wir nicht gegeneinander, sondern nur gegen uns selbst. Deswegen bekommt auch jeder, der eine Gehpause einlegen muss oder überrundet wird, viel Aufmunterung nicht nur von den Zuschauern, sondern auch von anderen Läufern.

Der Lauf ist etwas für jede Altersklasse: Unterwegs sehe ich kleine Kinder und Eltern mit Kinderwagen, bis ins hohe Alter ist alles auf der Strecke. Und wer hat eigentlich Frauen je als „schwaches Geschlecht“ bezeichnet? Diejenigen, die an mir vorbeiziehen, kannte er offensichtlich nicht. Gegen die Hitze helfen die Verpflegungsstationen, an denen wir uns mit Wasser und isotonischen Getränken versorgen. Wer möchte, kann auch ein paar Bananenstückchen mitnehmen. Und an mehreren Stellen laufe ich unter Wasserfontänen durch, die kurze Dusche ist ein wahrer Segen.

Aber das Laufen wird trotzdem immer anstrengender. Benjamin habe ich irgendwann aus den Augen verloren, mein anfangs (gefühlt) lockerer Schritt ist spätestens auf der vierten Runde zu einem hinkenden Getrampel geworden.

Als ich mich dann das letzte Mal den Friedberger Berg hinaufgequält habe, kommt endlich der Moment, in dem alle Anstrengung vergessen ist und nur noch der tolle Wettkampf bleibt: Es passiert genau beim Überqueren der Ziellinie.

Jetzt gratulierten mir Freundin und Familie, auch Benjamin finde ich wieder. Dann hole ich mir kostenlos Essen und Getränke, die Massage lasse ich aus. Lieber erhole ich mich gemütlich an einem der Tische und klatsche für die anderen etwa 1100 Läuferinnen und Läufer. Nach gut eineinhalb Stunden Kampf um jede Sekunde habe ich es heute nicht mehr eilig.

*

Unser Kollege Daniel Weber absolvierte die vier Runden in 1:33,41 Stunden und belegte damit Platz 35 unter den Männern.

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