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Kissing

29.07.2010

Ein Drahtesel als Objekt der Begierde

Jede Menge historische Räder präsentieren AWO-Vorsitzender Günter Vogt (links) und Sammler Klaus Lippmann ab heute in der Kissinger Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt. Fotos: Peter Stöbich
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Jede Menge historische Räder präsentieren AWO-Vorsitzender Günter Vogt (links) und Sammler Klaus Lippmann ab heute in der Kissinger Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt. Fotos: Peter Stöbich

Fahrradsammler Klaus Lippmann aus Kissing zeigt seine historischen Schätze und beweist, warum ein Drahtsesel Objekt der Begierde werden kann. Von Peter Stöbich

Adler und Victoria, Diamant und Dürrkopp - bei diesen Begriffen geht ein Leuchten der Begeisterung über das Gesicht von

Klaus Lippmann

. Denn mit den Namen von Fahrradherstellern kennt sich der 71-jährige Kissinger ebenso gut aus wie mit den

Drahteseln

selbst, ihrer langen Geschichte und Technik. 22 verschiedene Modelle hat der pensionierte Maschinenbauingenieur in seiner Reihenhausgarage untergebracht. Einen Teil davon präsentiert er ab heute in der AWO-Begegnungsstätte.

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"Ich sammle nur Räder mit technischen Besonderheiten", erklärt er, zum Beispiel ein historisches Modell mit Kardanwellen-Antrieb oder eines mit Hinterradfederung, von dem heute nur noch vier Stück existieren. Auch seltene Militär- und Polizeiräder aus der Schweiz sowie ein chinesisches "Flying Pigeon" stehen in seiner bemerkenswerten Sammlung. Als Mitglied des Vereins für historische Fahrräder in Bad Brückenau nimmt Lippmann regelmäßig an der "Velocipediade" teil, einem Jahrestreffen, bei dem die Sammler ihre Schätze auch in der alten Kleidung der jeweiligen Zeitepoche präsentieren.

"Wenn es geht, erledige ich fast alles mit dem Rad", sagt er, sei es die Fahrt zum Supermarkt oder zum Wertstoffhof. Fünf- bis sechstausend Kilometer bringt er so in einem Jahr zusammen und bleibt fit. "Willst du Mühe dir ersparen, musst du ein Long John fahren", heißt es in der Werbung für ein dänisches Lastenrad, das ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist. "Das Fahrrad hat eine unglaubliche Entwicklung hinter sich", schwärmt der Ingenieur, der als Mitglied beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) auch Vorträge hält. Sein ältestes Sammlerstück mit kettenlosem Antrieb stammt aus dem Jahr 1897. Ein weiteres wertvolles Stück ist das Notrad aus dem Jahr 1916, dem im Ersten Weltkrieg mangels Luftreifen speziell angefertigte Holzräder eingebaut wurden.

"Das Fahrrad war das erste mechanische Individualverkehrsmittel und nach der Nähmaschine das zweite technische Serienprodukt", berichtet Lippmann. Die ersten realen Zweiräder seien Laufmaschinen gewesen. "Deren Urform geht auf den badischen Freiherrn Karl Friedrich Drais von Sauerbronn zurück, der 1817 die erste lenkbare Laufmaschine aus Holz vorstellte."

Entwicklung des Rades dauerte viele Jahre

Die Entwicklung des Rades dauerte viele Jahre. Im Zeitraum von 1820 bis 1890 wurde getüftelt und verändert, vom Lauf- über das Hoch- bis zum heutigen Niederrad. Anfangs wurden die Laufräder angetrieben, indem man sich mit den Füßen vom Boden abstieß. Danach kam das Velocipede ("Schnellfüße"), das mit Vorderantrieb mit Pedalen versehen war.

Durch die Vergrößerung der Vorderräder entstanden dann Hochräder, die aber wegen der großen Sturzgefahr und ihrer Unhandlichkeit bald vom Niederrad abgelöst wurden. Von Peter Stöbich

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