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Friedberg

09.08.2020

Ein Friedberger Boxer schindet sich für seinen WM-Traum

Alles für den nächsten Kampf: Der Friedberger Boxer Fatih Dübüs trainiert hart im Trainingsraum in Donauwörth. Der Kampfsportler träumt von der Weltmeisterschaft.
Bild: Michael Postl

Plus Fatih Dübüs will im Profibereich Fuß fassen. Derzeit trainiert der Friedberger Boxer für einen wichtigen WM-Kampf. Wir haben ihn dabei begleitet.

Die Situation mutet etwas skurril an. Auf der einen Seite dudelt langsame, spanische Schlagermusik aus den Boxen, auf der anderen prügeln muskulöse Boxer in schneller Abfolge auf Pratzen ein. Diese Polster haben sich die Sparringpartner um die Hände gebunden und fangen so die harten und präzisen Schläge ihres Gegenübers ab.

Einer stöhnt dabei immer wieder auf vor Anstrengung. Es ist Fatih Dübüs, der talentierteste Boxer der Trainingsgruppe. Aber auch der Schmalste. Denn Dübüs ist Leichtgewichtboxer. Der Friedberger hat trotz eines Kampfgewichts von 63,5 Kilogramm und einer Körpergröße von nur 1,73 Metern die größte Schlagkraft in seinem Donauwörther Boxstudio.

Der Kampfsportler Fatih Dübüs träumt von der Weltmeisterschaft.
Bild: Gregor Wiebe

Dort trainiert er wie besessen, sein Trainer Florin Catuna nimmt immer Dübüs, wenn er vorführen will, wie eine Übung aussehen soll. Dabei gibt der Coach immer wieder lautstark Anweisungen: "Nicht in den Spiegel schauen" und "mir egal, wer was macht, ich schreie alle zusammen", schallt es durch den Trainingsraum.

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Boxer Fatih Dübüs aus Friedberg kämpft für seinen Traum

Darin steht die Luft, man kann den Schweiß fast schmecken. Fatih Dübüs läuft er schon von Anfang an in Sturzbächen die Stirn herunter, er verausgabt sich komplett. "Ich habe heute schon neun Stunden Arbeit auf der Baustelle hinter mir", sagt Dübüs, das Training gibt ihm den Rest.

Aber es soll sich lohnen. Denn seit der Freistaat Bayern wieder das Üben ohne Kontaktbeschränkungen zulässt, schindet sich der 26-Jährige für seinen Traum: "Ich will WM-Kämpfe bestreiten, dafür tue ich alles." Zum Beispiel trainieren, bis die Muskeln schmerzen. Das muss Dübüs auch. Denn in einem Monat steigt der vorerst wichtigste Kampf seiner Karriere.

Gegen Denis Bartos will er sich den Gürtel der World Boxing Federation WBF holen und sich gleichzeitig mit einem Sieg für Kämpfe anderer Weltverbände qualifizieren. Ein paar Videos habe sich Dübüs von dem Tschechen bereits angesehen, "die gehen aber nicht lange", sagt er. "Vier von fünf Begegnungen hat er nämlich durch einen K. o. nach kurzer Zeit gewonnen."

Um sich auf seinen Gegner vorzubereiten, nimmt Dübüs körperliche Höchstbelastungen in Kauf. "Aktuell trainiere ich zweimal pro Tag. Morgens laufe ich zehn Kilometer, gehe in die Arbeit, und am Abend ist Boxtraining", zählt der Profi auf.

Der Friedberger Boxer Fatih Dübüs trainiert dreimal am Tag

Während der drei Wochen vor dem Kampf sei zudem ein Trainingscamp geplant: "Da trainiere ich dreimal am Tag", beschreibt Dübüs sein straffes Programm. "Ein Boxer kann nicht immer bei 100 Prozent sein", fügt Trainer Catuna, selbst ein ehemaliger Boxprofi, hinzu. "Er bereitet sich immer auf den nächsten Kampf vor."

Boxer Fatih Dübüs will im Profibereich Fuß fassen. Derzeit schindet sich der Friedberger Boxer für seinen WM-Kampf. Warum der so wichtig ist und wie er sich vorbereitet.
Video: Michael Postl

Kennengelernt hat Dübüs seinen Trainer eher zufällig. Vor etwa sechs Jahren war er mit seiner Mutter auf dem Weg in die Türkei, das Heimatland seiner Eltern. Im Flugzeug hörte er ein paar Sitze weiter ein Pärchen über Boxen fachsimpeln. "Da musste ich mich einfach einmischen", erinnert sich Dübüs. Es sei schon ein großer Zufall gewesen, dass ausgerechnet auf diesem Flug der ehemalige Boxprofi Catuna mit seiner Frau Hülya, die im nur einen Katzensprung von Friedberg entfernten Donauwörth ein Boxstudio besaßen, sitzen.

Die drei kamen ins Gespräch, und Catuna war sofort klar, dass er ein extrem motiviertes und lernwilliges Boxtalent vor sich hatte. "Ich hatte ihn zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht Boxen sehen, seine Einstellung war da aber schon klasse", sagt der Trainer.

Als er sich dann auch von Dübüs’ Talent überzeugt hatte, war sich Catuna sicher, dass er den jungen Friedberger in seinem Team haben wollte. Und Dübüs sagte zu.

Der Friedberger Boxer Fatih Dübüs will den türkischen Markt erschließen

Sechs Jahre später sind die beiden ein eingespieltes Team. Bald geht’s ans Eingemachte. In der Corona-Zwangspause ging nicht viel, da beschränkte sich Dübüs aufs Joggen und das Training am Boxsack. "Es war schon hart, dass ich nicht richtig boxen konnte", sagt er.

"Aber dafür gebe ich jetzt umso mehr beim Training." Für den Kampf Anfang September hat er sich zudem, passend zu der Arena-Optik der Donauwörther Freilichtbühne, etwas Besonderes überlegt: "Ich werde als Gladiator auftreten, das Kostüm habe ich mir schon im Internet bestellt", erzählt Dübüs.

Die Vorfreude ist ihm anzumerken, wenn Dübüs über die bevorstehende Aufgabe spricht, selbst nach dem kräftezehrenden Training. Dessen Folgen spüre er höchstens noch in der kommenden Nacht.

So regenationsfähig müsse er sein, denn im Herbst geht es nach Istanbul zu einem Kampf auf einer Jacht. "Ich möchte wegen meiner Herkunft auch türkische Fans auf mich aufmerksam machen", sagt Dübüs.

Dafür soll der Vergleich in Istanbul nur der Anfang sein. Künftig, so der Plan, soll es immer wieder Kämpfe im Ausland geben. Denn mehr Kämpfe sorgten für mehr Sponsoren, und die seien es schlussendlich, die dem Boxer sein Gehalt zahlen, weiß Dübüs.

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