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Denkmalschutz in Merching-Steinach

24.02.2018

Ein Haus mit Charme und Charakter

Das schmucke Bauernhaus wird nun nach der Renovierung von Vielen bewundert.
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Das schmucke Bauernhaus wird nun nach der Renovierung von Vielen bewundert.

Familie Wörle aus Steinach verzichtete auf ihren Neubau und sanierte stattdessen liebevoll ein baufälliges Bauernhaus. Aus einem Traum wurde die Liebe ihres Lebens.

 Fast 50 ältere Häuser stehen in Merching leer. Einige alte Bauernhäuser werden auch hier darunter sein, die irgendwann so baufällig sind, dass es sich nach deren Ansicht nicht mehr rentiert, sie zu renovieren. Familie Wörle schmerzt so etwas bis in die Seele. „Es gibt zu wenig Menschen, die sich das antun – kaum jemand nimmt sich die Zeit und Liebe dafür.“ Genau so ein alter schöner Hof war immer ihr Traum, und den verwirklichten sie sich in Steinach.

Dabei hatten sie selbst einen schmucken Neubau in einer Neubausiedlung. „Aber ein altes Haus hat Charme – ein neues nicht“, erklärt Josef Wörle, der selbst mit seinen fünf Geschwistern auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. Schon in ihrem neu gebauten Haus richteten sie sich geschmackvoll mit Antiquitäten ein, denen sie liebevoll wieder zu neuem Glanz verhalfen.

Doch selbst in der Familie hatte man für ihr Faible nicht immer Verständnis, erinnert sich Monika Wörle schmunzelnd. „Mich reut das schöne neue Geschirr, wenn es da in dem alten Schank steht“, hatte ihre Schwiegermutter etwas ratlos zu ihr gesagt.

Der Wunsch wurde übermächtig

Aber irgendwann, spätestens nach dem Kauf zweier alter Traktoren, wurde der Wunsch nach einem alten Haus übermächtig: Die Wörles gingen in einem Umkreis von 60 Kilometer auf Haussuche, um ihr neu gebautes Heim in ein gemütliches Charakterhaus einzutauschen – doch das war gar nicht so einfach. Zwar gibt es einige sehr schöne alte Häuser – aber kaum jemand will sie verkaufen, obwohl sie leer stehen, haben die Wörles lernen müssen.

Schließlich musste auch der Preis stimmen: Die Wörles hatten genau ausgeklügelt, wie viel das Haus kosten durfte, denn die Sanierung gingen sie sehr überlegt an. Eigentlich war das Haus in Steinach eher Liebe auf den zweiten Blick, bekennen sie. Zu groß sei es ihnen vorgekommen – und eigentlich hatten sie ein anderes Objekt ins Auge gefasst. Doch dieser Kauf platzte kurzfristig.

Beim zweiten Ortstermin funkte es und sie machten sich Ende November 1999 mit einem ihrer Oldtimer-Bulldogs auf zu dem Steinacher Bauernhaus mit dem Hausnamen „Pollinger“, das zu den ältesten Häusern in Steinach gehört. Der alte Rübenkeller wird wohl im 19. Jahrhundert angelegt worden sein, auf einem Dachbalken ist das Jahr 1846 aufnotiert.

Der Hof gehörte dem Kloster

Ursprünglich gehörte der Hof der Kirche, genauer gesagt dem Kloster Polling, und wurde schon im 17. Jahrhundert in einer Kirchennotiz erwähnt. Alle rechneten damit, dass das Haus mitsamt den Stallungen nun abgerissen werden würde – aber die Wörles machten deutlich, dass ihre Pläne anders waren – obwohl das Denkmalamt das Haus als „nicht schützenswert“ einstufte und damit keine Zuschüsse zu erwarten waren.

An einen Umzug war zunächst nicht zu denken: Alles marode – es gab nicht mal Böden. „Ja seid ihr blöd, wieso reißt ihr nicht alles weg?!“, haben damals viele gefragt, erinnert sich das Ehepaar, das nach wie vor an seinem Vorhaben festhielt. Schuttberge, Steineberge, viel Dreck und viel Tüftelarbeit prägten die kommenden zwei Jahre. Die vierköpfige Familie mit den beiden 9 und 10 Jahre alten Mädchen Veronika und Magdalena zog zunächst in eine 80 Quadratmeter Wohnung nach St. Afra. Viel war man aber nicht dort.

Ein Großteil der Möbel und des Hausrats wurde bereits in den ehemaligen Stall eingelagert, der bis zu dieser Zeit als Winterlager für die Merchinger Segler vermietet worden war. „Ich bin quasi von meiner Arbeit in München direkt zur Baustelle gependelt“, erzählt Josef Wörle – an den Wochenenden auch die anderen Familienmitglieder. „Die Mädels waren immer dabei“, betonen die Eltern mit Stolz. Gekocht wurde provisorisch: „Primär gab es Gulasch mit Würstl – das konnte man gut vorbereiten.“

Denn es gab unglaublich viel zu tun. Der Boden, der nun wegen der geringen Deckenhöhe 30 Zentimeter abgesenkt werden sollte, war direkt auf dem Dreck verlegt, sämtlich Innenwände mussten neu eingezogen, das Tonnengewölbe im ehemaligen Kuhstall sorgfältig saniert und abgestützt werden. Von außen musste das Haus trockengelegt und unterfangen, der Dachstuhl saniert und die Fenster in ihren ursprünglichen Zustand geändert werden. Ganz zu schweigen von nicht vorhandenen Heizungen oder Badezimmern.

Es gab viel zu tüfteln

Auch zwei Räume für die Naturheilpraxis sollten auf lange Sicht ausgebaut werden. Zwar hatte Josef Wörle das Maurerhandwerk gelernt, doch um das Haus an sein ursprüngliches Aussehen anzugleichen, musste er viel tüfteln und dazu lernen. Immer wieder waren die Wörles auf der Suche nach ursprünglichen Einrichtungsgegenständen, Türen, Stoffen, Schränken oder alten Fliesen, stilechten Lampen, die aus alten Klöstern, Kirchen und natürlich aus Bauernhäusern stammen. „Jexhof, Glenntleiten oder Bad Windsheim – all diese Museen haben wir erst besucht, als alles vorbei war. Wir hatten selbst ganz klare Vorstellungen.“

Nicht immer lief alles glatt: Mit Schrecken erinnern sich alle an den Sommersturm 2011 – gerade als das Dach offen war: Das Vlies zerriss auf der Bretterverschalung und das Regenwasser lief oben in Strömen herein und unten wieder hinaus.

Hilfe kam auch von Familie Schäffler, die damals das Haus verkaufte. Der pensionierte Malermeister lernte Monika Wörle das fachgerechte Streichen. „Am Ende schenkte er mir sogar eine Tafel Schokolade, weil ich so ein guter Lehrbub war.“ Die Familie Schäffler dachte ursprünglich, dass das Gebäude abgerissen wird, und sie war beeindruckt und erstaunt, dass aus einem fast abbruchreifen Gebäude wieder ein schmucker Hof wurde: „Genau so hat es früher ausgeschaut – das hätt’ ich nicht geglaubt.“

Von 1999 bis 2017 hat es gedauert, bis die Wörles ihren Wohntraum, in dem mittlerweile sehr viele sehr gerne wohnen würden, leben können. „Aber die Arbeit geht nie aus“, sagt Josef Wörle und fügt lachend hinzu: „Gott sei dank!“

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