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Friedberg

03.10.2019

Ein Jahr nach der Neueröffnung: Wie kommt das Schloss an?

Vor einem Jahr wurde das Friedberger Schloss neu eröffnet. Die Kosten für die jahrelange Sanierung liegen nach jetziger Schätzung bei fast 24 Millionen Euro.

Plus Kulturamtsleiter Frank Büschel sieht das Friedberger Schloss als Aushängeschild in der Region. Er berichtet, wo noch nachgebessert werden soll.

Friedberg Zur Eröffnung am 5. Oktober 2018 kam das Oberhaupt der Wittelsbacher, Franz Herzog von Bayern, und am Eröffnungswochenende nahmen 8000 Friedberger ihr Schloss in Besitz, das für fast 24 Millionen Euro saniert worden war. Auch für das Jahr danach zieht Kulturamtsleiter Frank Büschel eine positive Bilanz: „Die Stadt hat eingelöst, was sie versprochen hat: nach außen ein Aushängeschild für die Region, nach innen ein Zentrum des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens zu schaffen.“ An 130 Tagen wurde das Schloss bespielt, die Zahl der Veranstaltungen ist mit exakt 142 noch etwas höher – davon 93 städtische und 42 private.

8000 Museum haben Museum im Schloss besucht

Wie viele Menschen das Schloss bislang besucht haben, kann Büschel nicht sagen. Nachrechnen lassen sich nur die Tickets der 40 Verkaufsveranstaltungen – das waren 6000. Auch ins Museum, das im Mai eröffnete, kamen bislang 8000 Besucher. Tausende weitere Menschen dürften beim Altstadtfest, der Fete de la Musique, der Nacht der Sterne und anderen Veranstaltungen gekommen sein. Der Andrang war oft groß. 450 Kulturfreunde genossen die bestverkaufte Veranstaltung im Hof, die Italienischen Nacht. Im Saal lief am besten die Sängerin Pe Werner (300 Zuhörer).

Die Burg der Wittelsbacher war auch für gesellschaftliche Anlässe eine beliebte Location – von der städtischen Silvesterparty über den Neujahrsempfang des FCA bis hin zu Hochzeits- und Geburtstagspartys oder Firmenempfängen. Übrigens ließen sich schon 42 Brautpaare in dem Ambiente trauen – einmal sogar acht an einem Tag. Es fanden Tagungen statt, etwa ein Treffen der Rilke-Gesellschaft oder die Versammlung des ADAC Südbayern. Ist es bei all den Veranstaltungen auch zu dem „Bürgerschloss“ geworden, dass viele Friedberger sich gewünscht hatten?

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Friedberg wollte ein Bürgerschloss: Hat es nun eines?

Büschel meint: „Unter dem Begriff Bürgerschloss verstand jeder etwas anderes.“ Die Stadt habe es als Veranstaltungszentrum so konzipiert, dass die Friedberger es annehmen konnten. Es habe viele Events mit freiem Eintritt gegeben, Empfänge, Künstler aus der Region seien zum Zug gekommen, Bürger und Firmen aus Friedberg hätten ihre Feste gefeiert. Um die Buchung von Räumlichkeiten erschwinglicher zu gestalten, besserte die Stadt bei den Tarifen nach. Trotzdem kostet eine Geburtstagsfeier in der Remise 700 Euro, eine Party im Saal 1100, die Anmietung des Saals für ein Konzert 750 Euro. Wie sich Einnahmen und Ausgaben gestalten, kann der Kulturamtsleiter nicht sagen, da die Schlussrechnung erst zum Jahresende gemacht wird. Im Vorfeld ging man von einem jährlichen Defizit von mindestens 750000 Euro aus.

Die Stadt ist bei ihren Veranstaltungen außer an Besucherobergrenzen aus Brandschutzgründen an Schlusszeiten und maximal 165 Veranstaltungstage im Jahr gebunden. Eine Vereinbarung, die im Vorfeld mit den Nachbarn getroffen wurde. Klappt das? Bürgermeister Roland Eichmann sagt: „Die Stadt zeigt hohes Engagement und betreibt großen Aufwand, die Verpflichtungen gegenüber den Nachbarn einzuhalten.“ Allerdings, räumt Büschel ein, befinde man sich in einer Pilotsituation, da könne nicht alles reibungslos laufen. Um Partygäste spätestens um 2 Uhr aus dem Schloss zu scheuchen, werden externe Sicherheitsfirmen eingesetzt – deren Personal sich manchmal einiges von den Gästen anhören muss.

Wittelsbacher Schloss: Bereits Reservierungen für 2021

Auch die beiden Hausmeister sind oft sehr lange im Einsatz, Sonja Weinfurtner und Petra Volles vom Schlossmanagement häufen Überstunden an. Auch das Gebäudemanagement sei sehr belastet. Es werde überlegt, Personal aufzustocken. Auch sonst soll es einige Nachbesserungen geben – unter anderem die Akustik im Rittersaal. Im nächsten Jahr, wenn wegen der Landesausstellung keine Veranstaltungen im Schloss stattfinden, bleibt Zeit zum Analysieren. Das reicht vom Marketing bis hin zum Programm 2021, für das bereits erste Reservierungen getätigt wurden. „Wir wollen neue Formate entwickeln, aber auch das Angebot etwas schärfen“, kündigt Büschel an.

Die letzte Veranstaltung im Schloss ist am 19. Dezember – danach wird es geschlossen und ausgeräumt, um es zum Jahresbeginn dem Haus der Bayerischen Geschichte übergeben zu können, das die Ausstellung „Stadt befreit“ (29. April bis 8. November 2020) vorbereitet. Als letzte öffentliche Veranstaltung listet das Programm die Weihnachtsshow „Swinging in the Snow“ am 7. und 8. Dezember auf. Wegen des Wechsels vom Normalbetrieb zur Landesausstellung verzichtet die Stadt auf eine Silvesterparty. Eichmann verspricht: „2021 wird wieder in unserem Wittelsbacher Schloss das neue Jahr eingeläutet und die Vorbereitungen beginnen jetzt.“

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