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Friedberg

10.08.2018

Ein Knigge für Herrchen und Hund

Sabine Leib hat vier eigene Hunde. Manchmal kommt zusätzlich noch einen Pflegehund dazu.
Bild: Sabine Leib

Immer wieder beschweren sich Menschen über frei laufende Vierbeiner. Manche meiden aus Angst gleich bestimmte Wege und Orte. So reagieren Besitzer.

Totgebissene Schwanenküken, verletzte Jogger oder verängstigte Kinder. Die Täter: Hunde. Für Besitzer von Vierbeinern sind solche Vorfälle ein Ärgernis: Viele finden, dass in so einem Fall der Halter die Verantwortung trägt. Weil entweder das Tier nicht angeleint war oder einfach nur schlecht oder gar nicht erzogen ist. Wäre die Lösung eine verpflichtende Grundprüfung für alle Hundehalter?

Mit vier eigenen Hunden, dazu manchmal noch einem Vierbeiner zur Pflege, hat Sabine Leib bei einem Spaziergang alle Hände voll zu tun. Drei der vier Tiere sind große Hunde: zwei belgische Schäferhunde, dazu ein Schäferhund-Labrador-Mix. Leib betreibt in Friedberg eine Hundeschule. Sie hat eine einfache Regel dafür, wann ein Vierbeiner an die Leine gehört: Immer, wenn man nicht sicher sein kann, dass man noch Einfluss auf den Hund hat.

Hund an die Leine signalisiert anderen: Situation ist unter Kontrolle

Das könne in ganz unterschiedlichen Situationen der Fall sein: Wenn man den Nachbarn auf der Straße trifft, zum Beispiel, und einen kleinen Plausch hält. Oder wenn man weiß, dass der Vierbeiner in bestimmten Situationen unvorhersehbar reagiert. „Wenn die Lage zu schwierig ist, gehört der Hund immer an die Leine“, sagt Leib. Vierbeiner mit starkem Jagdtrieb sollten, bis sie aufs Wort hören, in der Nähe von Wild grundsätzlich angeleint sein. Das Problem: Wenn ein Vierbeiner einmal ein positives Jagderlebnis hat, wird es immer schwieriger, den Trieb unter Kontrolle zu halten.

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Die vier Hunde von Leib sind so erzogen, dass sie nicht auf fremde Leute zugehen. Nur wenn die Hundetrainerin das Kommando gibt, darf der Vierbeiner andere Menschen begrüßen. „Wenn ich merke, dass Leute Angst haben, dann nehme ich die Hunde auch an die Leine“, sagt sie. Das signalisiere: Ich habe alles unter Kontrolle, keine Sorge. Hundehalter sollten eine gewisse Etikette einhalten, findet Leib. „Dazu gehört auch, dass man sich bei fremden Menschen entschuldigt, wenn das eigene Tier auf sie zu rennt. Auch wenn er nur schnuppert und nichts tut.“ Die Trainerin hält eine Art Hundeführerschein für eine gute Idee. Es gebe immer mehr Vierbeiner, auch viele schlecht erzogene. Dadurch fühlten sich immer mehr Menschen verunsichert.

Prüfung nur für Besitzer von großen Hunden?

Viktoria Haug und ihr Hund Pauline, braunes Fell, geschätzte 25 Zentimeter hoch – mit Kopf – sind ein Team. Seit 15 Jahren schon. Die meisten Menschen haben vor Pauline, kurz Pauli, keine Angst, berichtet Haug. Trotzdem nimmt sie ihren Hunden auf Fahrradwegen und Straße grundsätzlich an die Leine. Auch wenn andere Menschen entgegenkommen. „Das muss man auch, so ein Vierbeiner kann unberechenbar sein, auch wenn er gut erzogen ist“, sagt sie. Nur auf Feldwegen, wenn Pauli und sie für sich allein sind, lässt Haug den kleinen Mischling frei laufen. Sie versteht die Menschen, die Angst vor Hunden haben. Eine Prüfung für Besitzer hält Haug allerdings für übertrieben, jedenfalls für kleine Tiere wie Pauli.

Mit einer Schulterhöhe von über 50 Zentimeter gilt Amy als großer Hund. Seit sechs Jahren gehört die Labradoodle-Dame zur Familie Thurner in Friedberg. „Ich hatte eigentlich immer ein bisschen Angst vor Hunden“, berichtet Bernd Thurner. Regelmäßig seien beim Joggen Vierbeiner auf ihn zugelaufen. „Das hat mich total genervt“, sagt er. Deshalb könne er die Leute sehr gut verstehen, die sich über die frei laufenden Hunde beschweren. Wie Sabine Leib findet er, dass sich Halter an eine Art Hundeknigge halten sollten. „Wenn ich sehe, mir kommt jemand entgegen, nehme ich Amy an die Leine oder halte sie am Geschirr fest“, so Thurner. „Man braucht keinen Leinenzwang, wenn sich die Besitzer verantwortungsvoll verhalten.“

Eigentlich sollte ein Hundeführerschein überflüssig sein

Auch wenn er sich wünscht, dass es ohne neue Verpflichtungen funktioniert, findet der Friedberger die Idee eines Hundeführerscheins gar nicht so schlecht. „Jeder Halter sollte sich ein gewisses Grundwissen aneignen“, findet er. Für ihn liegt der große Vorteil einer verpflichtenden Grundprüfung für alle Halter darin, dass es dann möglicherweise weniger schlecht oder gar nicht erzogene Hunde gibt. Denn solche Vierbeiner würden alle Besitzer in ein schlechtes Licht rücken. Am liebsten wäre es Thurner aber, wenn sich einfach alle ohne Zwang und Regeln an den inoffiziellen Hundeknigge halten.

Wie die einzelnen Gemeinden es im Landkreis mit dem Leinenzwang halten, lesen Sie hier.

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